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Eisvögel Der blaue Blitz

Eisvögel: Der blaue Blitz
Fotos
Charlie Hamilton James / National Geographic

2. Teil: Revierverteidigung ist Sache von Mann - und Frau

Die Eisvögel als Art haben es zum Glück gut überstanden. Ihr Bestand ist nicht bedroht. Trotz Uferbebauung und Flussregulierung finden sie bisher ausreichend Lebensraum. Ideal sind Ufer mit so lockerem Boden, dass die Vögel mit dem Schnabel darin Nisthöhlen graben können. Das Nest sollte über der Marke gelegentlicher Hochwasser liegen, aber auch so tief im Hang, dass Füchse, Schlangen und andere Räuber von oben nicht eindringen können.

Winziges Geschöpf mit großem Revier

Eisvögel leben den größten Teil des Jahres allein. Jeder beansprucht ein so großes Revier, dass er für sich immer genug Fische fangen kann. "So ein winziges Geschöpf schafft es, mehr als anderthalb Flusskilometer zu beherrschen", sagt Hamilton James. Männchen und Weibchen verteidigen ihr jeweiliges Revier gleichermaßen aggressiv. Ein Eisvogel wiegt zwar nur 40 Gramm, aber die setzt er energisch ein.

Ein Konflikt beginnt mit einer rasend schnellen Verfolgungsjagd und gelegentlichen Schnabelhieben. Wird die Streitigkeit durch den Luftkampf nicht beigelegt, kann sie zu einer tödlichen Angelegenheit werden. Es kommt vor, dass die Vögel ihre langen Schnäbel ineinanderhaken und versuchen, sich gegenseitig unter Wasser zu drücken.

Nur zur Paarungssaison herrscht Pause im Geschlechterkampf. Das Männchen geht die Sache sehr direkt an: Es verfolgt die frühere Feindin mit aufdringlichen Pfiffen; lässt die Erwählte sich seine Gesellschaft gefallen, stopft er ihr frische Fische in den Rachen. Vorübergehend vereinigen beide manchmal ihre Reviere. Dann wählen sie entweder eines der beiden alten Nester für die Brut aus, oder sie bauen ein neues. Um einen Tunnel von einem Meter Länge zu graben, haben beide mindestens zwei Wochen lang hart zu arbeiten.

Drei Wochen nach der Paarung schlüpfen die Jungen. Eisvögel ziehen ihren Nachwuchs im Dunkeln auf einem Bett aus Fischgräten groß. Beide Eltern jagen. Sie sitzen über dem Fluss und warten, bis ein kleiner Fisch in Reichweite kommt. Dann stoßen sie hinab, schnappen sich den Leckerbissen und schwingen sich wieder auf ihren Ansitz, alles in zwei kurzen Sekunden.

Enorme Fruchtbarkeit

Der Eisvogel betäubt den Fisch, indem er ihn gegen den Ast schlägt. Junge Eisvögel lernen das erst, wenn sie einmal einen Stichling verschlucken, der auf dem Weg in den Magen noch seinen Rückenstachel aufstellt - eine schmerzhafte Lektion. Während der drei bis vier Wochen Fütterungszeit bringen die Eltern täglich 50 bis 70 Fische nach Hause, so dass sich im Nest eine dicke Matratze aus Gräten bildet.

Bemerkenswert an den Eisvögeln ist ihre Fruchtbarkeit. Während viele Vogelarten einmal jährlich brüten, andere unter guten Umständen zweimal Nachwuchs haben, paaren sich Eisvögel dreimal im Jahr, und jedes Mal enthält ein Nest sechs bis sieben Eier. Bei einem Paar sind sogar einmal vier Bruten verbürgt.

Die eifrige Fortpflanzung trägt dazu bei, dass die Spezies gut gedeiht. Die Bestände sind in ganz Europa, im Norden Afrikas und in weiten Teilen Asiens stabil. Das liegt nach Ansicht von Experten auch daran, dass es Eisvögeln wenig ausmacht, in unmittelbarer Nähe von Menschen zu leben.

Hamilton James hat beobachtet, dass die Vögel sich nicht scheuen, Goldfischteiche in Stadtrandgärten als Futterquelle für sich zu reklamieren. Die Ornithologin Satoe Kasahara berichtet, in Japan würden sich Eisvögel neuerdings sogar mitten in die Städte wagen und den Fischen in den Teichen der Parks nachstellen. Dass Wildvögel den Lebensraum des Menschen erfolgreich besiedeln können, haben Amseln - einst reine Waldvögel - und Falken vorgemacht. Wo das Wasser sauber ist, gibt es Fische. Und wo Fische sind, ist der blaue Blitz nicht weit.

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Heft 11/2009

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