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Eiszeit-Elefanten: Tuberkulose gab Mastodonten den Rest

Raues Klima, fleischhungrige Höhlenmenschen, das überlebten die Mastodonten nicht - weil sie bereits geschwächt in die Eiszeit gingen. Forscher glauben, dass die Tuberkulose die Rüsseltiere geschwächt hat. Die Spuren der Lungenkrankheit kann man noch heute in den Skeletten finden.

Sie waren die kleinen Verwandten der Mammuts - und die großen der Elefanten. Doch während der letzten Eiszeit gab es für die Mastodonten keine Zukunft mehr. Dass für die gewaltigen Landsäugetiere vor rund 10.000 Jahren das letzte Stündlein schlug, lag offenbar auch an einer Krankheit, die in der modernen Welt eher als Bedrohung für Menschen bekannt ist - die Tuberkulose.

Ausgrabung eines Mastodons (in El Salvador): Von Tuberkulose geschwächt in die Eiszeit
AFP

Ausgrabung eines Mastodons (in El Salvador): Von Tuberkulose geschwächt in die Eiszeit

Das schließen zwei US-amerikanische Wissenschaftler aus einer Untersuchung von Fuß- und Beinknochen der urtümlichen Rüsseltiere. Über die Hälfte - 59 von 113 untersuchten Skeletten - wies dabei Knochenschäden auf, wie sie typischerweise durch Tuberkulose verursacht werden.

Beim Menschen entwickelt allerdings nur jeder siebte mit der Lungenkrankheit Infizierte diese Symptome. Dass es bei einer so großen Zahl der untersuchten Skelette der Fall war, werten Bruce Rothschild von der Northeastern Ohio University und Richard Laub vom Buffalo Museum of Science in New York als Hinweis auf eine enorm weite Verbreitung der bakteriellen Infektion in der Mastodon-Population. - Die untersuchten Skelette sind unterschiedlichen Alters sind und stammen von Fundorten, die über ganz Nordamerika verstreut sind. Die Forscher sprechen von einer "Hyperkrankheit".

Die Mastodonten scheinen viele Tausend Jahre lang mit der Krankheit gelebt zu haben: Die frühesten Hinweise fanden sich bei 34.000 Jahre alten Knochen, die spätesten noch kurz vor dem Aussterben der Rüsseltiere vor etwa 10.000 Jahren. Und doch sei die Krankheit wohl ursächlich für das Ende der Mastodonten, vermuten die Wissenschaftler.

Chronische Krankheit als Überlebensnachteil

Vom Menschen weiß man, dass Tuberkulose jahrelang schlummern kann - und unter Stress ausbrechen. Zur Zeit der letzten Eiszeit waren die Großsäuger nicht nur von den schlechter werdenden Witterungsverhältnissen bedroht. Plötzlich wurden sie auch von bewaffneten Steinzeitmenschen gejagt. In dieser ungünstiger werdenden Situation könne eine schwerwiegende chronische Krankheit den entscheidenden Überlebensnachteil dargestellt haben, folgern die Wissenschaftler. Ihre Studie werden sie in der Fachzeitschrift "Naturwissenschaften" veröffentlichen.

Ursprünglich angesteckt haben sich die Mastodonten wahrscheinlich bei wilden Wiederkäuern wie Bisons, Moschusochsen und Bighornschafen, die die Infektion wiederum aus Asien mitgebracht hatten. Diesen Ursprung der Tier-Tuberkulose hat Rothschild in einer separaten Studie zusammen mit Larry Martin vom Natural History Museum Kansas nachgewiesen. Auch sie wird in der nächsten Ausgabe von "Naturwissenschaften" erscheinen.

Mastodonten gelten als die Vorfahren heutiger Elefanten und ähnelten auch den Mammuts, mit denen sie allerdings nur weitläufig verwandt waren. Ihr Körperbau war etwas niedriger, dafür aber auch etwas länger. Sie waren zwar behaart, besaßen jedoch kein so dichtes Fell wie die Mammuts. Trotz ihres Aussterbens waren die Mastodonten recht erfolgreich: Das amerikanische Mastodon bevölkerte 3,5 Millionen Jahre lang praktisch den gesamten nordamerikanischen Kontinent.

stx/ddp

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