El Hierro Experten erwarten kleinere Magma-Explosionen vor Kanareninsel

Im Süden der Kanareninsel El Hierro gilt Alarmstufe Rot: Geoforscher erwarten dort kleinere Lava-Ausbrüche. Bedroht seien ausschließlich umliegende Siedlungen, meinen Experten - die Bewohner wurden in Sicherheit gebracht.

Helikopter bei La Restinga: Die Ortschaft auf El Hierro wurde evakuiert
AFP

Helikopter bei La Restinga: Die Ortschaft auf El Hierro wurde evakuiert


Valverde - Geologen erwarten nach den jüngsten Erdbeben bei der Kanaren-Insel El Hierro einen weiteren Austritt von Magma am Meeresboden. Laut einem Bericht der Zeitung "El País" geht das geografische Institut IGN davon aus, dass dies unweit des im Süden gelegenen Fischerdorfs La Restinga passieren könnte. Die knapp 600 Einwohner der Ortschaft waren am Dienstag in Sicherheit gebracht worden. Die Alarmstufe für einen möglichen Vulkanausbruch wurde für La Restinga auf Rot erhöht, das ist die höchste Stufe. Für den Rest der Insel gilt weiter Warnstufe Gelb, was "Wachsamkeit" bedeutet. Über mögliche Gefahren informieren sowohl die verantwortliche Behörde von El Hierro als auch die der Kanarischen Inseln.

Vulkanforscher analysieren derzeit ihre Messungen. Eindeutige Aussagen über die weitere Entwicklung können sie noch nicht treffen, eine große Eruption erwarten sie aber nicht. Urlauber auf den großen Nachbarinseln müssten nach Einschätzung des Geophysikers Birger Lühr vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) keine Angst haben: "Durch die Eruption des Vulkans bei El Hierro kann man für Fuerteventura, Gran Canaria und die anderen touristischen Hauptinseln eher Entwarnung geben." Durch einen Magmaaustritt habe der Druck im Erdinneren bereits ein Ventil gefunden. "Dadurch werden Eruptionen auf den Nachbarinseln unwahrscheinlich - auch wenn sie alle selbst Vulkane sind", sagt Lühr.

Am Dienstag waren auch 31 Touristen, darunter sechs Deutsche, vorübergehend im Norden von El Hierro untergebracht worden, wie der Inselrat am Mittwoch berichtete. Es handele sich hauptsächlich um Sporttaucher; La Restinga ist international als Zentrum für Taucher bekannt.

Mehr als 10.000 Erdbeben

Das ING fürchtet einen weiteren Magmaaustritt nahe der südlichen Inselküste. Wenn das glühende Magma zusammen mit austretenden Gasen in Kontakt mit Meerwasser kommt, könnte es heftige Explosionen von Wasserdampf geben, erklärte der Vulkanologe José Luis Barrera. Lavasteine könnten durch die Luft geschleudert werden. Diese Gefahr bestehe allerdings nur bei einer Meerestiefe von bis zu 200 Metern. In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte es bereits eine erste Magma-Eruption in einer Wassertiefe von etwa 1000 Metern gegeben.

Seit Wochen lässt aufströmendes Magma El Hierro leicht zittern: "Das Gestein reißt, wenn Gas und Magma sich ihren Weg nach oben bahnen", sagt Lühr. Seit Juli gab es mehr als 10.000 Erdbeben auf El Hierro, die meisten waren zu schwach, um spürbar zu sein. Zudem hebt sich örtlich der Inselboden, und Gase strömen aus. Mitte September hatten die Behörden die Warnstufe für die Insel erhöht, letzte Woche mussten dann erstmals Bewohner ihre Häuser verlassen, nachdem die Beben stärker geworden waren.

Unruhige Erde gehört zur Normalität auf den Kanaren: Sie sind die Gipfel gewaltiger Vulkane, die die Inseln über den Meeresspiegel gehoben haben. Die meisten Eruptionen jedoch verlaufen harmlos, ähnlich der kleineren Lavaspektakel am Ätna auf Sizilien. Den letzten Vulkanausbruch auf den Kanaren gab es 1971 auf La Palma.

boj/dpa

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
burninghands, 12.10.2011
1. Akkumulierte Energie
Hier kann man sehen, wieviel Energie sich unter El Hierro ansammelt. Das ist eine ziemlich steile Kurve, auch wenn die Lage momentan stationär zu sein scheint. Weg ist der Druck allerdings noch nicht... http://www.01.ign.es/ign/resources/volcanologia/energia_HIERRO.jpg
ostsuedost 12.10.2011
2. Laut WolframAlpha sind das gut 300 Tonnen TNT Equivalent
Zitat von burninghandsHier kann man sehen, wieviel Energie sich unter El Hierro ansammelt. Das ist eine ziemlich steile Kurve, auch wenn die Lage momentan stationär zu sein scheint. Weg ist der Druck allerdings noch nicht... http://www.01.ign.es/ign/resources/volcanologia/energia_HIERRO.jpg
Das kann wohl ordentlich rumsen, je nachdem wie sich die aufgestaute Energie entlädt. http://www.wolframalpha.com/input/?i=1.3e%2B12+joule
Adelbert.von.Chamisso 12.10.2011
3. Titel:
Zitat von burninghandsHier kann man sehen, wieviel Energie sich unter El Hierro ansammelt. Das ist eine ziemlich steile Kurve, auch wenn die Lage momentan stationär zu sein scheint. Weg ist der Druck allerdings noch nicht... http://www.01.ign.es/ign/resources/volcanologia/energia_HIERRO.jpg
Oha, das ist heftig und sieht allerdings wie ein Umstand aus, auf den man reagieren muss. Danke für den Link auf die Grafik.
Digger69 12.10.2011
4. ...
Ich glaub da fehlen ein paar Nullen. 300 Tonnen TNT ist ja bestenfalls ein kleiner Rülpser für einen Ordentlichen Vulkan. Selbst ein ordinärer Nuklearer Sprengkopf hat XY Kilo Tonnen TNT Sprengkraft. Oder hab ich irgendetwas übersehen ?
erwachsener 13.10.2011
5. Beben und Vulkane
Zitat von Digger69Ich glaub da fehlen ein paar Nullen. 300 Tonnen TNT ist ja bestenfalls ein kleiner Rülpser für einen Ordentlichen Vulkan. Selbst ein ordinärer Nuklearer Sprengkopf hat XY Kilo Tonnen TNT Sprengkraft. Oder hab ich irgendetwas übersehen ?
yip: die Energiefreisetzung in dem Plot bezieht sich allein auf die registrierten Erdbeben, nicht auf den Vulkanausbruch. Die Erdbeben sind im Moment anscheinend ein bisschen zur Ruhe gekommen. Es könnte allerdings auch sein, daß die im Moment nur nicht auswertbar sind, weil die Seismogramme seit ein paar Tagen von vulkanischem Tremor dominiert sind, der die einzelnen Beben verdeckt. Nicht aus den Augen verlieren: eine Magnitude mehr vergrößert die Energiefreisetzung um einen Faktor 30. Aus 300 tonnen TNT werden dann schnell 10000, und das entspricht bereits der Hiroshima-Bombe.
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