El Hierro Forscher melden kleinen Vulkanausbruch vor Kanareninsel

Seit Wochen lässt aufströmendes Magma El Hierro leicht zittern - nun fanden Experten Hinweise auf einen kleinen Vulkanausbruch vor der Küste der Kanareninsel. Gefahr bestehe deshalb nicht, erklären die verantwortlichen Behörden.

El-Golfo-Tal auf El Hierro: Gigantische Lawinen
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El-Golfo-Tal auf El Hierro: Gigantische Lawinen


Hamburg - Etwa sieben Kilometer vor der Küste der Kanareninsel El Hierro hat es in 500 bis 2000 Meter Wassertiefe offenbar einen kleinen Vulkanausbruch gegeben. Wissenschaftler hatten im Wasser erhöhte Mengen vulkanischer Gase gemessen - deutliche Zeichen für eine Unterwasser-Eruption. Ein Forschungstauchboot sei auf dem Weg in das Gebiet, erklärte die Lokalregierung der Kanaren.

Die lokale Regierung betont gleichwohl, dass derzeit kein Risiko bestehe, auch Fischer könnten wie üblich auf See fahren. Vom Helikopter aus seien keine Spuren einer Eruption auf der Meeresoberfläche zu sehen gewesen. Gleichwohl sollten die Inselbewohner weiter wachsam bleiben und auf Besonderheiten achten. Derzeit tagt der Krisenrat der Lokalbehörde. "Die Experten sind sich einig, dass es in keinem Fall einen zerstörerischen Vulkanausbruch geben wird", sagte der kanarische Sicherheitschef Juan Manuel Santana vor einigen Tagen.

Auch Erdbeben knapp unter dem Meeresboden zeigen nach Angaben des spanischen Geoforschungszentrums Instituto Geográfico IGN, dass ein kleiner Ausbruch erfolgt sein könnte: Seit Sonntag messen die Experten südlich der Insel eine Bebenart, die oft einen Vulkanausbruch ankündigt: sogenannten Vulkanischen Tremor. Dabei handelt es sich um Beben, die von einer fließenden Substanz verursacht werden - Magma oder vulkanisches Wasser.

Seit Juli hatten fast 10.000 Erdbeben El Hierro zittern lassen, die meisten waren zu schwach, um sie spüren zu können. Zudem hebt sich örtlich der Inselboden, und Gase strömen aus. Mitte September hatten die Behörden die Warnstufe für die Insel erhöht, letzte Woche mussten dann Bewohner ihre Häuser verlassen, nachdem die Beben stärker geworden waren.

Neue Studie zeigt Riesenlawine vor Teneriffa

Am Sonntag erreichte die Stärke der Beben mit 4,3 ihren Höhepunkt; das Ruckeln sorgte bei vielen Einwohnern auf El Hierro für Besorgnis. Die Beben hatten sich in den letzten Tagen immer weiter aufs Meer verlagert - was auf einen bevorstehenden Unterwasserausbruch hinzudeuten schien. Dass sich die meisten Beben aber in rund zehn Kilometer Tiefe ereigneten, deuten Vulkanologen allerdings als beruhigendes Zeichen - der Großteil des Magmas schien in der Tiefe festzustecken. Manche Beben jedoch wurden knapp unter der Erdoberfläche gemessen, sie könnten also einen bevorstehenden Ausbruch ankündigen.

Unruhige Erde gehört zur Normalität auf den Kanaren: Alle kanarischen Inseln sind die Gipfel gewaltiger Vulkane, die die Insel über den Meeresspiegel gehoben haben. Die meisten Eruptionen jedoch verlaufen harmlos, ähnlich der kleineren Lavaspektakel am Ätna auf Sizilien.

Doch es gab auch gigantische Vulkanausbrüche in der langen Geschichte der Inselgruppe: Das Tal El Golfo im Nordosten El Hierros etwa, wo sich die Beben der vergangenen Wochen konzentrieren, ist der Überrest einer kaum vorstellbaren Katastrophe: Vor rund 130.000 Jahren rutschte dort infolge einer Eruption ein Viertel der ganzen Insel ins Meer - hochhaushohe Tsunamis müssen daraufhin an die Küsten des Atlantiks gerollt sein, nach Amerika, Afrika und Europa.

Eine ähnlich große Lawinenmasse haben Geologen nun im Süden von Teneriffa entdeckt. Wie die Forscher um Pablo Harris im Fachblatt "Geology" berichten, ist der Schotter der Rutschung 50 Meter dick und erstreckt sich an Land über 90 Quadratkilometer - die Größe der Lawine unter Wasser sei aber womöglich noch erheblich größer. Die Massen seien vor rund 730.000 Jahren vermutlich bei einem Vulkanausbruch abgerutscht.

14 ähnlich große Gerölllawinen aus den letzten Jahrmillionen haben Geologen am Meeresboden vor den sieben Kanarischen Inseln entdeckt - alle paar Jahrhunderttausende müsse demnach mit solchen Katastrophen gerechnet werden. In den vergangenen Jahrhunderten blieben aber selbst die folgenreichsten Ausbrüche auf den Kanaren örtlich begrenzt - so wie diesmal nahe El Hierro.

boj

insgesamt 29 Beiträge
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günter1934 10.10.2011
1. *
Zitat von sysopSeit Wochen lässt aufströmendes Magma El Hierro leicht zittern - nun fanden Experten Hinweise auf einen kleinen Vulkanausbruch vor der Küste der Kanareninsel. Gefahr bestehe aber nicht, erklären die verantwortlichen Behörden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,791026,00.html
Hab' ich da nicht irgendwo mal was gelesen, wenn bei den Kanaren ein bestimmter labiler Fels in Wasser rutscht, es in New York ein 60 Meter hohen Tsunami gibt? Aber wenn die Behörden erklären, es besteht keine Gefahr....
spargel_tarzan 10.10.2011
2. wie das einsame rufen im wald..
so kommen mir diese regelmäßigen beschwichtigungen der wissenschaftler vor. haben keinen wirklichen dunst was da im untergrund passiert, meinen aber zu wissen, daß es keine gründe zur beunruhigung gibt. wenn der laden dann aber doch in die luft fliegt, ups und hoppala, damit haben wir ja gar nicht gerechnet. so versucht man die leute vor ort in sicherheit zu wiegen, wo sollte man sonst auch mit ihnen hin. bin gespannt wann es dort das große hallo gibt...
wago 10.10.2011
3. Vulkanausbruch und Horrorszenarien
Bisher weiß man nicht wie groß der Ausbruch ist und was sich daraus entwickeln kann! Aber warum schon wieder die Horrorszenarien, die mit dem derzeitigen Ausbruch nichts zu tun haben. Vielleicht entsteht gar eine neue Kanareninsel oder El Hiero bekommt Zuwachs? Alles möglich, aber ein Mega-Erdrutsch ist eher unmöglich. Aber die Presse lebt eben von Panikmache.
alaxa 10.10.2011
4. Panikmache
Zitat von wagoBisher weiß man nicht wie groß der Ausbruch ist und was sich daraus entwickeln kann! Aber warum schon wieder die Horrorszenarien, die mit dem derzeitigen Ausbruch nichts zu tun haben. Vielleicht entsteht gar eine neue Kanareninsel oder El Hiero bekommt Zuwachs? Alles möglich, aber ein Mega-Erdrutsch ist eher unmöglich. Aber die Presse lebt eben von Panikmache.
Panikmache - Okay, ich habe Panik gemacht. Trotzdem ist es lächerlich, wenn mein Beitrag hier nicht veröffentlicht werden sollte. Es sei denn, der Moderator ist Geologe...
wago 10.10.2011
5. Wissen ist Macht
Zitat von spargel_tarzanso kommen mir diese regelmäßigen beschwichtigungen der wissenschaftler vor. haben keinen wirklichen dunst was da im untergrund passiert, meinen aber zu wissen, daß es keine gründe zur beunruhigung gibt. wenn der laden dann aber doch in die luft fliegt, ups und hoppala, damit haben wir ja gar nicht gerechnet. so versucht man die leute vor ort in sicherheit zu wiegen, wo sollte man sonst auch mit ihnen hin. bin gespannt wann es dort das große hallo gibt...
Seit Wochen gilt auf El Hiero die Alarmstufe gelb, die besagt, dass ein Vulkanausbruch bevorstehen könnte. Die Bevölkerung wurde auf alle Eventualitäten vorbereitet und es gab sogar Evakuierungen in Gebieten die durch die andauernden Erdbeben der letzten Monate durch Erdrutsche gefährdet waren. Was sich auf El Hiero abspielt ist das Ende einer monatelangen Entwicklung mit tausenden von Erdbeben. Im Moment sieht es tatsächlich danach aus, als würde sich alle unter Wasser abspielen, aber 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht. Verschwörungstheorien helfen da nicht weiter.
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