Von Axel Bojanowski
Hamburg - Die Wüstengeister, von denen schon Marco Polo berichtet hat, musizieren wieder. Mysteriöse Klänge wie von Geige, Cello oder Trompete erfüllen die Wüsten. Sie stammen, so viel weiß man inzwischen, nicht von Geistern, sondern aus dem Sand. Rutschende Körner bringen die Luft zum Schwingen, Geräusche entstehen - so viel scheint klar.
Mysteriös blieb jedoch die Entdeckung, dass manche Düne gleichzeitig mehrere Töne von sich gibt. Sie klingen wie Trompeten oder wie Streicherkonzerte. Forscher glauben nun zu wissen, wie das Orchester entsteht.
Zwei Dünen haben der Physiker Simon Dagois-Bohy und seine Kollegen von der Paris Diderot University in Frankreich belauscht: eine nahe der marokkanischen Hafenstadt Tarfaya, eine in der Nähe von Al-Askharah im Oman. Die Düne in Marokko sang stetig mit 105 Hertz. Die omanische Düne hingegen intonierte ein Konzert aus neun Tönen. Ein Video dokumentiert beide Melodien (siehe unten).
Dagois-Bohy und seine Kollegen untersuchten den Sand beider Dünen im Labor. Ein unharmonisches Konzert erklingt ihrer Studie zufolge, die jetzt im Fachblatt "Geophysical Research Letters" erschienen ist, wenn der Sand aus vielen unterschiedlich großen Körnern besteht. Die Partikel rutschen unterschiedlich schnell, sie bringen die Luft somit jeweils in anderer Weise in Schwingung. Sand hingegen mit eher einheitlichen Korngrößen wie in der Düne in Marokko erzeugt demnach Gleichklang.
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