Elastisches Gewebe Auch kalte Chamäleons sind Zungen-Meister

Wie ein Gummiband liegt die Zunge eines Chamäleons zusammengezogen in dessen Maul. Nähert sich Beute geht's - zack! - in Bruchteilen eines Augenblicks zur Sache. Auch niedrige Temperaturen ändern daran nichts. Das Verspeisen der Beute bereitet den fröstelnden Tieren aber Mühe.

DPA / Christopher Anderson

Washington - Eine Zehntelsekunde, wenn überhaupt, dann hat die Beute keine Chance mehr. Die Zunge des Chamäleons schnellt mit großer Geschwindigkeit aus dem Maul des Reptils. Forscher haben nun herausgefunden, dass der Züngel-Trick auch bei großer Kälte funktioniert - und den Tieren so einen ungemein praktischen Fressvorteil verschafft.

Im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten Forscher um Christopher Anderson von der University of South Florida, dass die Schnellkraft der Zunge über eine Temperaturspanne von 15 bis 35 Grad stabil bleibt. Verantwortlich dafür sei das elastische Bindegewebe.

Ihre legendäre Fähigkeit zum Farbwechsel ist längst nicht die einzige Eigenart der Chamäleons. Auch die Zunge hat es in sich. Wie ein Gummiband liegt sie zusammengezogen auf dem Zungenbein. Spannt das Reptil den Zungenmuskel geringfügig an, schnellt die Zunge heraus und dehnt sich in die Länge.

Der Mechanismus sei vergleichbar mit Pfeil und Bogen, erklärten die Forscher. Der angespannte Zungenmuskel entspannt sich plötzlich und die Bewegungsenergie überträgt sich augenblicklich auf die gesamte Zungenlänge. So kann sie in 0,07 Sekunden eine Entfernung zurücklegen, die der doppelten Körperlänge des Chamäleons entspricht.

Heuschrecken und Insekten müssen sich vor dem Chamäleon fürchten - auch einige größere Tiere können zur Beute der hungrigen Tiere werden. Weil Chamäleons auch bei niedrigeren Temperaturen auf Beutejagd gehen können, haben sie gegenüber wechselwarmen Tieren eine perfekte Ausgangsposition - denn diese fahren ihre Kraft bei tieferen Temperaturen herunter.

Doch auch die Chamäleons müssen der Kälte Tribut zollen. Wenn sie die Zunge mit der Beute in ihr Maul zurückziehen wollen, brauchen sie dafür viel mehr Muskelkraft als für das Ausfahren. Dementsprechend dauert dieser Schritt bei niedrigerer Körpertemperatur deutlich länger, haben die Forscher beobachtet.

chs/dpa



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