Projekt "Frozen Dumbo": Elefanten-Nachwuchs dank gefrorener Samen 

Eine Elefantendame im Wiener Zoo ist schwanger, der Vater stammt aus einem Reservat in Südafrika: Erstmals ist die künstliche Befruchtung mit dem Sperma eines wild lebenden Tieres gelungen. Nun sollen weitere bedrohte Tierarten mit Hilfe der neuartigen Tiefkühltechnik gezüchtet werden.

Elefanten-Nachwuchs im Zoo: Künstliche Befruchtung dank Tiefkühltechnik Fotos
Tiergarten Schönbrunn

Wien/Berlin - Auf dem Ultraschallbild aus dem Wiener Zoo ist der kleine Elefant deutlich zu erkennen. 10,6 Zentimeter war der Embryo im April klein, jetzt sind es 20 Zentimeter. Im November wurde er künstlich gezeugt - mit einer Methode, die eine völlig neue Art der Zucht ermöglichen könnte. Zum ersten Mal ist ein Elefantenweibchen mit dem tiefgefrorenen Samen eines freilebenden Bullen künstlich befruchtet worden.

Die 26 Jahre alte afrikanische Elefantenkuh Tonga ist mittlerweile im neunten Monat trächtig, wie die beteiligten Wissenschaftler aus Wien und Berlin am Dienstag sagten. Im Herbst 2013 soll der kleine Elefant auf die Welt kommen - insgesamt dauert eine Elefantenschwangerschaft stolze 22 Monate.

Bisher gab es bei Elefanten lediglich künstliche Befruchtungen mit dem nur zehn bis zwölf Stunden haltbaren Samen von Bullen aus anderen Zoos. Die Technik zur Tiefkühlung bei minus 196 Grad ist neu. So kann auch das Sperma von wildlebenden Elefanten genutzt werden.

Nachzucht bedrohter Nashörner möglich

Diese Technik sei ein "Meilenstein für den Artenschutz und die Zucht innerhalb der Zoos", sagte die Wiener Zoodirektorin Dagmar Schratter bei der Vorstellung des Projekts. Die genetische Vielfalt der Zoo-Elefanten könne so deutlich erweitert werden.

Professor Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin betonte: "Das wird eine neue Ära der künstlichen Besamung nicht nur von Elefanten einleiten." Die Tiefkühlmethode des Projekts "Frozen Dumbo" lasse sich auch für die Zucht und den Erhalt bedrohter Tiere wie Nashörner und Gorillas anwenden. Die Ergebnisse werden im Fachblatt "Theriogenology" veröffentlicht.

Der Samen für die Elefantenkuh in Wien stammt von einem 36-jährigen Bullen aus Südafrika. Er wurde von einem Hubschrauber aus betäubt. Die Wissenschaftler untersuchten ihn tiermedizinisch, dann wurde ihm Sperma mittels einer sogenannten Elektro-Ejakulation abgenommen, erklärte der leitende Tierarzt Frank Göritz von dem Berliner Forschungsinstitut. Dabei wird dem Elefanten rektal eine Sonde mit Elektroden eingeführt; die Stimulation führt zur Ejakulation.

Mit dem Hubschrauber brachten die Forscher das Sperma zu einer nahe gelegenen Station. Dort wurde es stufenweise mit flüssigem Stickstoff abgekühlt und gefroren. Erst diese neue Methode lässt auch die hochempfindlichen Zellen der Elefantenspermien überleben. Rinderzüchter arbeiten schon lange mit tiefgekühlten Samen. Bei den Elefanten kam erst jetzt der wissenschaftliche Durchbruch.

Künstliche Befruchtung ist hochkompliziert

Die Zucht der Dickhäuter in Zoos ist schwierig, weil es nur wenige zeugungsfähige Bullen gibt. Elefanten können seit 1998 künstlich besamt werden. Seitdem wurden 40 Kälber gezeugt, die von ihren jeweiligen Muttertieren 22 Monate lang ausgetragen wurden. Durch den gezielten Aufbau von Gruppen aus Männchen und Weibchen wollen die Zoos mehr natürliche Paarungen ermöglichen.

Die künstliche Befruchtung war bisher hochkompliziert, weil frischer Samen genau zum richtigen Zeitpunkt des Eisprungs der Elefantenkuh von einem Zoo zum anderen geflogen werden musste. Ab jetzt soll alles einfacher werden. "Gefrorener Samen kann aufbewahrt und zum optimalen Zeitpunkt für eine Besamung verwendet werden", sagte der Vizedirektor des Wiener Zoos und Zuchtbuchkoordinator für afrikanische Elefanten, Harald Schwammer.

dpa/nik

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