Kommunikatives Zootier: Koshik, der sprechende Elefant
Ein Elefant in einem südkoreanischen Zoo verblüfft Forscher: Das Tier ahmt offensichtlich Worte nach, die seine Pfleger benutzen. Die Laute erzeugt er, indem er den Rüssel ins Maul steckt. Kann der graue Riese tatsächlich sinnhaft mit Menschen kommunizieren?
Zugegeben, der Wortschatz von Koshik ist begrenzt. Doch der Elefantenbulle, der in Everland Zoo im südkoreanischen Yongin lebt, ahmt offensichtlich einige koreanische Vokabeln nach. Um die Laute zu erzeugen, die nicht zum üblichen Repertoire von Elefanten-Rufen gehören, nutzt Koshik einen Kniff: Er steckt seinen Rüssel ins Maul. So trifft er sowohl Tonlage als auch das Timbre seiner menschlichen Kontakte.
Ein internationales Forscherteam hat das ungewöhnliche Verhalten des Elefanten jetzt genauer untersucht. Angela Stöger von der Universität Wien und ihre Kollegen prüften dazu erst einmal, ob nicht nur die Tierpfleger der Meinung sind, dass Koshik ein paar Vokabeln erfolgreich nachahmt.
Sie spielten dazu 16 in Deutschland lebenden Koreanern Tonaufnahmen vor. Die Testhörer hatten zwar schon von Koshik gehört, ihn noch nicht gesehen, und sie wussten auch nicht, welche sechs Wörter er angeblich beherrscht. Die Teilnehmer sollten aufschreiben, was sie zu hören glaubten. Das Ergebnis zeigt, dass das Rüsseltier mit Vokalen ganz gut klarkommt, mit Konsonanten aber weniger, wie die Forscher im Fachmagazin "Current Biology" berichten.
Bei einem Wort waren über die Hälfte der Tester einig mit Koshiks Pflegern: "Annyong" - "Hallo". 44 Prozent meinten, ein weiterer geäußerter Laut sei "Aniya" ("Nein"). 31 Prozent erkannten das Wort "Nuo" ("Leg dich hin"). 15 Prozent hörten "Anja" ("Setz dich hin") heraus. Doch während die Zoo-Mitarbeiter, die mit dem Elefant die Wörter üben, sagen, er würde auch "choah" ("gut") von sich geben, hörte über die Hälfte der Testteilnehmer entweder "boah" ("Guck!") oder "moa" ("sammeln").
Mehrere Jahre allein unter Menschen
Dass Koshik im Gegensatz zu vielen anderen in Zoos lebenden Elefanten seine Pfleger nachahmt, liegt wahrscheinlich daran, dass er in einer prägenden Lebensphase keine anderen Rüsseltiere um sich hatte, sondern nur Menschen. Das 1990 in einem Zoo geborene Tier kam im Alter von drei Jahren in den Everland Zoo, berichten die Forscher.
In den folgenden zwei Jahren lebten dort auch zwei Elefantendamen - doch danach war Koshik mehrere Jahre lang der einzige Elefant in diesem Tierpark. Er wurde trainiert, auf bestimmte Kommandos zu reagieren - "Nein", "Gut", "Setz dich hin" waren also Vokabeln, die das Tier oft zu hören bekam. 2004 berichteten Pfleger erstmals, dass er Worte nachahmte.
"Wir gehen davon aus dass diese Sprachimitation eine eher eine soziale Funktion hat, als dass Koshik bedeutungsvoll mit den Pflegern kommunizieren will", sagt Stöger.
Koshiks Geschichte erinnert an die von Hoover, einem bei Menschen aufgewachsenen Seehund. Er überraschte Zoobesucher, weil er sogar kurze Sätze sprach, "Hey you" rief und mit rauer Stimme lachte wie der ältere Fischer, bei dem er eine Weile gelebt hatte. Auch Hoover verstand wohl nicht, was er da sagte. Er ahmte Lautfolgen nach, die er häufiger gehört hatte.
An die Fähigkeiten von Papageien und Beos, die besonders gut darin sind, verschiedenste Geräusche zu imitieren - egal ob Wort oder Klingelton -, reichen Hoover und der bei Konsonanten nicht so geschickte Koshik nicht heran. Zudem haben Experimente mit dem berühmt gewordenen Graupapagei Alex gezeigt, dass die Vögel Worte verstehen und bedeutungsvoll einsetzen können.
Alex konnte über hundert Vokabeln, er zählte bis sechs, benannte Farben und Formen - und äußerte auch, wenn er etwas nicht wollte. Um ähnliches zu demonstrieren, müsste Koshik wohl noch ziemlich oft den Rüssel ins Maul stecken.
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- Tonaufnahme: Wal imitiert Stimmen von Menschen (22.10.2012)
- "Verschwinde da!": Hoover, der sprechende Seehund (16.07.2004)
- Nachruf auf Alex: Der schlaueste Papagei der Welt ist tot (11.09.2007)
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