Furchteinflößende Geruchsstoffe Elefanten haben keine Angst vor Mäusen, aber vor Bienen

In Afrika zertrampeln Elefanten immer wieder Felder. Nun haben Forscher eine Methode getestet, die Tiere auf höfliche Art abzuwehren. Dabei spielten weiße Socken eine wichtige Rolle.

Elefanten in Südafrika
Mark Wright / University of Hawaii at Manoa / DPA

Elefanten in Südafrika


Laut einer Legende haben Elefanten Angst vor Mäusen, weil sie fürchten, die Nager könnten ihnen in den Rüssel kriechen. Heute wissen Wissenschaftler: Das ist völliger Quatsch. Als beispielsweise der Verhaltensforscher Bernhard Grzimek Elefanten mit Mäusen konfrontierte, beschnupperten die Dickhäuter die Nager - und zertrampelten sie.

Doch obwohl ausgewachsene Elefanten keine natürlichen Feinde haben, fürchten sie sich offenbar doch vor kleineren Tieren. Allerdings nicht vor Mäusen, sondern vor Bienen, berichten Forscher. Demnach können Alarmstoffe von Bienen Elefanten von Äckern fernhalten, schreiben sie im Fachblatt "Current Biology".

Schmerzhafte Stiche

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Elefanten vor Bienen fürchten, weil die Stiche zum Teil sehr schmerzhaft sein können, etwa wenn die Bienen das weiche Gewebe an den Augen treffen oder den Rüssel. Um ihre Annahme zu testen, entwickelten die Wissenschaftler synthetische Pheromone, die den wichtigsten Alarmstoffen von Bienen entsprechen.

Den Mix gaben sie auf eine Vorrichtung, die die Geruchsstoffe innerhalb von zwei Monaten freisetzte. Zusammen mit ein paar kleinen Steinen als Gewichte steckten sie den Versuchsaufbau in weiße Socken, die sie in 50 bis 100 Zentimetern Höhe in der Nähe von Wasserstellen aufgehängten.

Das Ergebnis: 25 von 29 Elefanten im südafrikanischen Jejane Nature Reserve, die in die Nähe der Duftsocken kamen, kehrten um, sobald sie den Geruch wahrnahmen. Sie zeigten zunächst Anzeichen von zunehmender Wachsamkeit und Unsicherheit und trotteten dann ruhig davon. Socken, die genauso aussahen, jedoch nicht rochen, ignorierten die Tiere dagegen oder knabberten daran.

Bei einem weiteren Versuch im Maseke Game Reserve machten neun von 14 Elefanten einen Bogen um die Duftsocken. Das könnte laut den Forschern daran liegen, dass es in der Gegend sehr trocken war und die Elefanten trotz der störenden Pheromone die Wasserstelle aufsuchten. Zudem gebe es nur wenige Bienenvölker in der Region, wodurch Elefanten den Insekten wahrscheinlich nur selten begegneten.

Elefanten fliehen vor Bienen-Summen

"Unsere Ergebnisse ergänzen frühere Studien, wonach Bienenstöcke mit einem aktiven Volk Elefanten beispielsweise von Äckern abhalten können", sagt Insektenforscher und Hauptautor Mark Wright von der University of Hawaii. Vorherige Analysen hatten beispielsweise gezeigt, dass Elefanten vor dem Surren eines Bienenschwarms wegrennen.

Die Forscher hatten die Töne aufgenommen und den größten Landlebewesen der Erde vorgespielt. In Afrika schützen einige Landwirte ihre Felder bereits mit Bienenkörben. Es sei jedoch nicht immer praktikabel, großflächig Bienenstöcke aufzustellen, sagte Wright.

Das Forscherteam möchte die Studien fortsetzen, um weitere passive Techniken zur Abwehr von Elefanten zu entwickeln. Elefanten vernichten nicht nur Felder. Insbesondere in Asien trampeln sie auch immer wieder Menschen tot. Allein in Indien werden nach Regierungsangaben jedes Jahr mehr als 300 Menschen von wilden Elefanten getötet.

Die Bienen-Pheromone könnten helfen, Begegnungen zwischen Elefanten und Menschen zu vermeiden, hoffen die Forscher. Das könnte auch den Tieren helfen. Artenschützer gehen davon aus, dass derzeit jährlich in Afrika etwa 20.000 Elefanten gewildert werden.

koe/dpa



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