Sprache der Elefanten Dickhäuter brummen mit den Stimmlippen

Elefanten kommunizieren nicht nur über lautes Tröten. Mit Hilfe von tiefen Brummlauten nehmen sie über weite Distanzen Kontakt zu anderen Herden auf. Wie sie die Infraschalltöne erzeugen, war bislang unklar. Jetzt glauben Forscher, das Rätsel gelöst zu haben.

Angela S. Stoeger

Wollen sich wild lebende Elefanten über große Entfernungen mitteilen, benutzen sie Infraschall. "Rumbling" heißt diese Art der Kommunikation: Die Brummgeräusche sind so tief, dass Menschen sie kaum oder gar nicht hören. Bislang war unklar, wie Elefanten das machen. Manche Tiere wie etwa Katzen brummen mit Hilfe von Muskelkontraktionen, andere Säugetiere - darunter auch Menschen - pressen einen Luftstrom durch ihre Stimmlippen. Jetzt haben Wissenschaftler nach eigenen Angaben herausgefunden, dass auch Elefanten diesen Mechanismus benutzen.

Die Stimmlippen von Säugetieren sitzen im Kehlkopf und bestehen aus Stimmmuskel und Stimmband. Über ihre Stellung und Spannung erzeugen Mensch und Tier unterschiedliche Schallwellen. Die Wissenschaftler um Christian Herbst von der Universität Wien untersuchten den Kehlkopf eines Elefanten, der im vergangenen Herbst im Berliner Zoo auf natürliche Weise gestorben war: "Wir haben den Kehlkopf des toten Tieres auf eine Röhre gesteckt und angewärmte und befeuchtete Luft durch die Stimmlippen geblasen", erklärt Herbst.

Die Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland und den USA zeichneten die Bewegungen der Stimmlippen und die dadurch erzeugten Geräusche auf. Sie konnten dabei das tieffrequente Grummeln allein mit dem Kehlkopf erzeugen. Das zeige, dass die Tiere mit Hilfe der Stimmlippen kommunizieren, schreiben die Forscher im Fachblatt "Science" . Muskelkontraktionen, wie sie etwa eine Katze nutzt, würden dagegen nicht mit Luft produziert.

"Wir wissen seit 150 Jahren, dass die Stimme beim Menschen im Kehlkopf erzeugt wird", sagt Herbst. "Aber Tiere kann man dort schlecht endoskopisch untersuchen." Deshalb war die Frage, wie Elefanten Infraschall erzeugen, lange unbeantwortet.

Säugetiere unterschiedlicher Arten können mit ihren Stimmlippen ein weites Spektrum von Frequenzen erzeugen. Der Infraschall der großen Elefanten etwa liegt unter 20 Hertz; selbst 10 Hertz sollen sie noch wahrnehmen können. Die Ultraschalllaute, die Fledermäuse zur Orientierung benutzen, liegen dagegen mit Frequenzen zwischen 9 und 200 Kilohertz größtenteils im Ultraschall-Bereich. Menschen können Schallwellen zwischen etwa 20 Hertz und 20 Kilohertz hören.

jme/dpa



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