Zufallsfund im Museum Das 100.000-Dollar-Ei

Elefantenvögel gehörten zu den größten Vögeln in der Erdgeschichte, nur noch wenige Eier der ausgestorbenen Tieren sind erhalten. Umso überraschender war jetzt der Fund im Lager eines Museums.

AFP

Die Elefantenvögel müssen komische Vögel gewesen sein, soviel steht fest: Bis zu drei Metern groß und über 400 Kilogramm schwer sollen sie einst auf Madagaskar durch die Wälder stolziert sein. Angeblich haben letzte Exemplare im 17. Jahrhundert noch die Kolonialisierungsversuche der Franzosen miterlebt - bevor auch sie starben. Jedenfalls berichtete Étienne de Flacourt, der erste Gouverneur der Insel im Indischen Ozean, von einem riesigen, vogelartigen Tier, das so große Eier legte wie ein Strauß.

Möglicherweise hatte Monsieur de Flacourt aber nicht Aepyornis maximus samt Ei getroffen, so der lateinische Name des größten Vertreters der Gattung. Sonst hätte er sicher einen anderen Vergleich gewählt, um die Größe eines Elefantenvogeleis zu beschreiben. Denn wer einmal so ein Riesenei von mehr als 30 Zentimetern Länge gesehen hat, der vergisst es nicht.

Das Volumen entspricht mehr als 100 Hühnereiern und wohl immer noch dem von mehreren Straußeneiern. Forscher vermuten, dass das einer der Gründe sein könnte, warum der Vogel ausstarb. Als immer mehr Menschen auf die Insel kamen und nach Nahrung suchten, war so eine leicht einzusammelnde Proteinbombe einfach zu verlockend. Ein Omlett vom Elefantenvogelei hätte womöglich eine halbes Dorf satt gemacht. Zudem könnte auch der Vogel selbst häufiger im Kochtopf gelandet sein - wegfliegen konnte er nicht.

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Seltener Fund: Ein Ei wie vom Elefanten gelegt

Doch nicht nur mit ihrer Größe sorgen Elefantenvogeleier für Aufmerksamkeit. Die Brut der ausgestorbenen Laufvögel, die ausgerechnet mit den winzigen Kiwis verwandt sind, ist heute ein begehrtes Objekt unter Fossiliensammlern. So erzielte 2013 ein einziges, teilweise fossilisiertes Ei bei einer Aktion einen Preis von über 100.000 Dollar. Angeblich liegen weniger als 40 Eier weltweit in einigen Sammlungen, die vom wohl größten Vogel der größten der Erdgeschichte stammen.

Umso überraschter war die Forscherin Paige Langle vom Buffalo Museum of Science, als sie im Magazin auf eines der seltenen Eier stieß. Derzeit führt das Museum im US-Bundesstaat New York eine Art Inventur durch. Dabei entdeckte Langle eine große Pappschachtel, darin befand sich ein riesiges, cremefarbenes Ei. Es wog über 1500 Gramm, war 30 Zentimeter lang und hatte einen Umfang von über 70 Zentimetern.

Die Beschriftung wies das Stück als Replikat aus, doch Langle war sofort skeptisch. Das Ei und die Schale sahen einfach zu realistisch für ein Model aus, sagte sie. Als sie dann zusätzlich noch ein eindeutig als Nachbildung erkennbares Ei fand, erhärtete sich ihr Verdacht nach dem Vergleich der beiden Stücke noch.

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Schließlich schickten Langle das Exemplar zu Röntgenaufnahmen und weiteren Analysen in ein Labor. Und tatsächlich: Das Ei war echt. Die Bilder aus dem Inneren zeigten sogar, dass es befruchtet worden war. Der Dottersack ließ sich ausmachen und weiße Fragmente, die auf die Anfänge eines sich entwickelnden Vogels hinweisen könnten.

Nachforschungen im Archiv des Museums ergaben zumindest Details zur Anschaffung des wertvollen Exponats: Ein ehemaliger Kurator hatte es 1939 von einem Tierpräparator aus London für eine Vogelausstellung gekauft. Die Briefwechsel aus jener Zeit offenbarten, dass der Kurator auf der Suche nach dem seltenen Ei damals verschiedene Experten und Händler angeschrieben hatte. Einige hatten geantwortet und sich skeptisch gezeigt, dass so ein schon damals wertvolles Ei gefunden werden könnte. Sie hatten sich getäuscht.

Das nun entdeckte Ei soll nicht wieder zurück ins Museums-Magazin wandern. Kathryn Leacock, die Museumsdirektorin, plant eine Ausstellung zu ausgestorbenen Tieren, in der es gezeigt werden soll.

Zufallsfunden werden häufiger gemacht

Es passiert immer mal wieder, dass in Magazinen und Sammlungen von Museen überraschende Entdeckungen gemacht werden. So wurde im vergangenen Jahr im National Museum of Natural History in Washington ein Fossil entdeckt, dass sich als Überbleibsel eines zuvor unbekannten Flussdelfins entpuppte. Im Rheinischen Landesmuseums entdeckten Forscher 2007 auf einem kostbaren, knapp 2000 Jahre alten römischen Paradehelm Reste von antikem Klebstoff - sie waren zuvor niemandem aufgefallen. Und in den Archiven des Museum of Natural History in London untersuchten Museumsmitarbeiter Schneckenhäuser - sie stellten sich als 100.000 Jahre alter Schmuck heraus.

Nicht immer werden solche Funde in den teils riesigen Archiven gemacht, in denen manchmal über Jahrzehnte neue Funden gelagert wurden. Manche Entdeckungen sind auch Neubewertungen, die sich ergeben, wenn Forscher nach einer langen Zeit Exponate erneut untersuchen und dabei etwa auch modernere Technik zur Datierung zur Verfügung haben.

joe

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