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08. Mai 2014, 10:25 Uhr

Zugvögel

Unsichtbare Wellen stören Orientierung

Elektromagnetische Strahlung verwirrt Zugvögel - sie verlieren die Orientierung, fanden deutsche Forscher heraus. Schon schwache Wellen bringen die Tiere vom Weg ab.

Oldenburg - Zugvögel übertreffen Navigationsgeräte. Ohne Landkarte und Satellitenhilfe finden sie zielsicher ihre oft Tausende Kilometer langen Reiserouten. Sie orientieren sich am Stand der Sonne, in der Nacht an den Sternen und am Magnetfeld der Erde. Ganz störungsfrei ist ihre Navigation jedoch nicht, wie jetzt ein Team um Henrik Mouritsen und Svenja Engels von der Universität Oldenburg herausfand. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin "Nature".

Schon schwache elektromagnetische Felder bringen die Orientierung der Zugvögel durcheinander. Mouritsen und seine Kollegen stellten fest, dass das sensorische System von Rotkehlchen versagt, sobald elektromagnetische Strahlung im Mittelwellenbereich auf sie einwirkt.

Dafür packten die Forscher Rotkehlchen während der Vogelzugzeit in einen speziell präparierten Kasten - einen trichterartigen Orientierungskäfig. Normalerweise hüpfen Vögel nachts in die Richtung, in die sie fliegen würden. Doch die vorhandene elektromagnetische Strahlung auf dem Campus der Universität Oldenburg machte die Tiere orientierungslos.

Auf dem Land funktioniert der Kompass

Erst als die Forscher die Käfige mit Aluminiumplatten abschirmten, konnten die Rotkehlchen wieder navigieren. Das Erstaunliche: Die Störungen stammten dabei nicht von Hochspannungsmasten oder Mobilfunknetzen, sondern von Elektrogeräten und lagen im Radiowellenbereich.

Die Wissenschaftler wiederholten ihren Versuch auf dem Land. Meist ist dort die elektromagnetische Strahlung geringer als in der Stadt. Und tatsächlich: In ländlicher Umgebung funktionierte der innere Kompass der Vögel einwandfrei.

Die gewonnenen Erkenntnisse stellen den bisherigen Stand der Forschung in Frage: "Bisher galt, dass elektromagnetische Strahlung unterhalb bestimmter Grenzwerte keine Auswirkung auf biologische Prozesse hat", sagte Mouritsen. Seine Versuche erzählen nun etwas anderes. "Die Ergebnisse sollten uns zu denken geben", sagt er. "Sowohl was die Überlebenschance der Zugvögel, als auch was mögliche Effekte für den Menschen angeht." Die gelte es noch zu untersuchen.

khü/dpa

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