Europa Wie Händler beim Elfenbein tricksen

Eigentlich ist der Handel mit modernem Elfenbein verboten. Forscher sind sich dennoch sicher: Der Großteil des Elfenbeins in Europa stammt von Elefanten, die vor Kurzem noch gelebt haben.

Elefanten-Stoßzähne
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Elefanten-Stoßzähne

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Der Handel mit Elfenbein in Deutschland boomt. Ob Ketten, Statuen oder Schnitzereien: Fast alles ist auf bestimmten Plattformen und in Antiquitätenläden zu bekommen. Dabei ist der Handel eigentlich nur erlaubt, wenn es sich um antikes Elfenbein handelt.

"Antik" bedeutet in diesem Fall nicht uralt. Es reicht, wenn die Elefanten vor 1947 getötet wurden. Auch Elfenbein, das bis 1990 datiert, darf verkauft werden. Der Händler braucht dafür nur entsprechende Zertifikate. Der Handel mit jüngerem Elfenbein ist dagegen streng verboten - offiziell. Kontrolliert wird das jedoch so gut wie nie.

Tierschützer vermuten deshalb seit Längerem, dass Händler neues Elfenbein als antik ausgeben und so Gesetze umgehen. Nun haben sie auch den Beweis dafür. Die Online-Bürgerbewegung Avaaz hat mehr als hundert Elfenbeinartefakte in zehn EU-Ländern gekauft - darunter auch Deutschland - und ihr tatsächliches Alter von Experten an der University of Oxford testen lassen.

Von Wilderern getötete Elefanten in Kamerun
DPA

Von Wilderern getötete Elefanten in Kamerun

Das Ergebnis: Fast drei Viertel der analysierten Gegenstände sind illegal und hätten entweder überhaupt nicht oder nur verkauft werden dürfen, wenn entsprechende Zertifikate von der Regierung vorliegen. Das war jedoch nicht der Fall. Jede fünfte Probe stammt sogar von einem Elefanten, der nach 1990 getötet wurde. Die Elfenbeinfigur eines Elefanten aus Polen ist beispielsweise höchstens acht Jahre alt, berichten die Forscher.

Illegales Elfenbein in ganz Europa

Das Labor in Oxford konnte das Alter der Proben mithilfe von Radiokarbonanalysen feststellen. Sie basieren auf dem Zerfall eines bestimmten Kohlenstoff-Isotops, des C-14, das in den oberen Schichten der Atmosphäre entsteht. Menschen, Tiere und Pflanzen nehmen es auf, solange sie leben. Wenn sie sterben, stoppt die Aufnahme, die Kohlenstoffvariante zerfällt. Bestimmt man in einer Probe das Verhältnis des stabilen C-12 zu dem noch vorhandenen C-14-Gehalt, kann man somit ihr Alter errechnen.

Die Datierung aus Oxford ist meist bis auf wenige Jahre genau. Eine besonders exakte Analyse ist bei Objekten möglich, die nach 1955 datieren. Denn Atombombentests haben den Anteil von C14 in der Atmosphäre ab dieser Zeit nach oben schnellen lassen, was sich deutlich in den Proben zeigt.

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"Die Studie liefert handfeste Beweise dafür, dass illegales Elfenbein in ganz Europa verkauft wird", sagt Bert Wander von Avaaz. Die aktuellen Gesetze seien ungeeignet, um Elefanten vor Wilderen zu schützen.

Die Organisation fordert deshalb, die Gesetzeslücke zu schließen, die den uneingeschränkten Handel mit Elfenbein aus der Zeit vor 1947 ermöglicht und ein vollständiges Verbot des Elfenbeinhandels innerhalb der EU sowie des Exports aus der EU. "Mit jedem Tag, an dem Elfenbein weiter über die Ladentheke geht, rückt die Ausrottung der Elefanten näher."

Der Deutsche Elfenbeinverband, der die Interessen von Elfenbeinhändlern und -verarbeitern vertritt, zweifelt dagegen an der Glaubwürdigkeit der Studie. C14-Analysen seien bei Antiquitäten, die nach 1900 gefertigt wurden, nicht aussagekräftig. Es könne deshalb nicht mit Bestimmtheit gesagt werden, dass es sich bei den untersuchten Funden um illegales Elfenbein handelt. Laut dem Verband gibt es ohnehin kaum Hinweise dafür, dass die EU einen Markt für illegales Elfenbein darstellt.

China hat den Handel mit Elfenbein inzwischen verboten. Auch das EU-Parlament und mehrere Mitgliedsstaaten wie Großbritannien und Frankreich fordern ein Verbot oder zumindest weitere Beschränkungen.

Artenschützer gehen davon aus, dass derzeit jährlich in Afrika etwa 20.000 Elefanten gewildert werden. Im Februar 2017 veröffentlichen Forscher eine Studie, in der sie die Verbreitung von Waldelefanten in einem Nationalpark in Gabun untersucht hatten. Der Minkébé-Nationalpark in Gabun galt bisher als Zufluchtsort für die Waldelefanten. Doch laut der Auswertung der Forscher, die Dunghaufen gezählt hatten, ist die Population von 2004 bis 2014 von 36.000 Exemplaren auf 7000 geschrumpft.

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