Elfenbeinküste Schimpansen verschwinden aus Westafrika

Der Schimpansen-Bestand an der Elfenbeinküste ist katastrophal eingebrochen. Nur ein Zehntel der Affen, die vor 18 Jahren in dem Land lebten, ist laut einer Studie noch übrig. Gegenüber den sechziger Jahren ist ihre Zahl gar um 99 Prozent gesunken.


München - Die Elfenbeinküste galt einst als Hochburg der Schimpansen. Noch in den sechziger Jahren haben dort schätzungsweise 100.000 der Menschenaffen gelebt. Doch schon Ende der achtziger Jahre gab es nur noch 8000 bis 12.000 Schimpansen in dem westafrikanischen Land - und inzwischen ist der Bestand auf lediglich tausend Tiere geschrumpft, heißt es in einer Studie eines internationalen Forscherteams unter Leitung des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie.

Schimpansen: Bestand an der Elfenbeinküste kollabiert
REUTERS

Schimpansen: Bestand an der Elfenbeinküste kollabiert

"Wir hatten nicht erwartet, dass es so katastrophal sein würde", sagte Hjalmar Kühl, einer der Autoren der Untersuchung, die jetzt im Fachblatt "Current Biology" veröffentlicht wurde. "An der Elfenbeinküste sind nur noch drei bis vier Prozent des Waldes übrig, die Population ist deshalb zusammengebrochen." Die Forscher machen vor allem den explosionsartigen Anstieg der menschlichen Bevölkerung für das Verschwinden der Schimpansen aus ganzen Regionen verantwortlich. Seit 1990 sei die Zahl der Menschen an der Elfenbeinküste von zwölf auf 18 Millionen gestiegen. Das wiederum habe zu stärkerer Abholzung der Wälder und zu mehr Wilderei geführt.

Ursprünglich wollten die Anthropologen in der westafrikanischen Region erkunden, welche Faktoren das Vorkommen von Schimpansen begünstigen. "Wir haben aber so gut wie keine Tiere mehr gefunden und deshalb die Zählung gestartet", sagte Kühl. Die Bestandsaufnahme soll nun auch auf andere Länder Westafrikas ausgedehnt werden.

Offensichtlich könne man den alten Bestandszahlen nicht mehr vertrauen, sagte Kühl. "Ich befürchte, dass es in den anderen Ländern genauso verheerend sein wird." In ein bis zwei Jahren sollen vollständige Zahlen zur den westafrikanischen Schimpansen vorliegen.

Da Schimpansen - wie der Mensch - sehr viel Zeit und Energie in ihren Nachwuchs stecken, vermehren sie sich nur langsam, schreiben die Forscher. Dadurch sei ihre Population besonders angreifbar. Es gebe allerdings auch Hoffnung, betont Kühl. Im Tai-Nationalpark der Elfenbeinküste sei die Schimpansenpopulation stabil geblieben. Das zeige, dass finanziell gut ausgestattete Schutzgebiete funktionierten.

mbe/AP/dpa

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