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Elfenbeinküste: Virus bringt Kakaobäume in Gefahr

Liebhabern von Schokolade stehen möglicherweise schwere Zeiten bevor: Kakao könnte in den kommenden Jahren deutlich teurer werden. In Westafrika grassiert ein Virus, das den Kakaobaum befällt und bereits große Schäden angerichtet hat.

London - Zuerst schwellen die jungen Triebe an, später stirbt der ganze Baum ab: Ein Erreger namens Cacao Swollen Shoot Virus (CSSV) dezimiert die Kakaobäume in der Elfenbeinküste. Ein Drittel der Frühlingsernte könnte durch die sogenannte Mosaikkrankheit vernichtet werden, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist". Das betroffene Gebiet ist einer der weltweit wichtigsten Plätze für die Kakaoproduktion.

Kakaoernte in der Elfenbeinküste (im November 2007): "Der Anbau von Kakao ist immer stärker monokulturell geprägt"
AFP

Kakaoernte in der Elfenbeinküste (im November 2007): "Der Anbau von Kakao ist immer stärker monokulturell geprägt"

Im Prinzip ist das CSS-Virus schon seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Doch die Suche nach einer Therapie gegen die Mosaikkrankheit ist extrem schwierig. Das liegt daran, dass die Bäume erst nach einigen Jahren empfindlich gegen den Erreger werden. Wissenschaftler um Ray Schnell vom Forschungslabor des US-Landwirtschaftsministeriums in Miami wollen diese Suche nun vorantreiben und sequenzieren dafür das Genom des Kakaobaums. Sie hoffen, dabei auch die Gene identifizieren zu können, die einige Baumsorten resistent gegen das CSS-Virus machen.

Mit diesem Wissen soll ein Schnelltest entwickelt werden, mit dem Züchter sofort erkennen können, ob der Spross eines Baumes resistent gegen den Erreger ist oder nicht. So könnten nur Bäume gepflanzt werden, denen das Virus nichts anhaben kann. Bisher muss ein Spross erst drei Jahre herangezogen werden, ehe der Test brauchbare Ergebnisse liefert.

Die Kakaopflanze stammt ursprünglich aus den Regenwäldern des Amazonas. Mittlerweile produziert jedoch Westafrika 70 Prozent des Weltmarktbedarfs. Wegen der boomenden Nachfrage in den vergangenen Jahren hätten die Bauern ihre Flächen ausgeweitet und Bäume gefällt, die normalerweise zwischen den Kakaopflanzen wachsen. "Der Anbau von Kakao ist immer stärker monokulturell geprägt", sagte Paul Hadley von der britischen University of Reading dem "New Scientist". Dadurch könnten sich Krankheiten schneller ausbreiten. Auch werde immer mehr in trockenen Regionen angebaut, was die Kakaobäume zusätzlich unter Stress setze.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) verzehrt jeder Deutsche im Schnitt neun Kilogramm Schokolade im Jahr, das sei neben der Schweiz und Belgien ein Spitzenwert in Europa. Deutschland importierte im vergangenen Jahr gut 327.000 Tonnen Rohkakao - etwa die Hälfte davon stammt aus der Elfenbeinküste. Auf den folgenden Plätzen lagen Togo und Nigeria.

Kakao wird nach Angaben des Verbandes das ganze Jahr über geerntet, die Hauptmenge falle im Oktober an. Trotzdem könne ein solcher Virusbefall wie jetzt aus der Elfenbeinküste gemeldet eine Rolle spielen - und möglicherweise zu steigenden Preisen führen.

chs/ddp/dpa

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