Endlagersuche: Altmaier verkündet Erkundungsstopp für Gorleben

Die Bundesregierung bremst bei der Suche nach einem Atommüllendlager. Die Erkundung des niedersächsischen Salzstocks Gorleben wird vorerst gestoppt. Laut Umweltminister Altmaier gehen die Arbeiten erst nach der Bundestagswahl im kommenden Jahr weiter.

Gäste in Gorleben (im Februar 2012): Der Salzstock soll nicht  Atommüll -Endlager werden Zur Großansicht
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Gäste in Gorleben (im Februar 2012): Der Salzstock soll nicht Atommüll-Endlager werden

Berlin - Die Erkundungsarbeiten zur Eignung des niedersächsischen Salzstocks Gorleben als Atommüll-Endlager werden ausgesetzt. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat am Freitag einen Erkundungsstopp bis nach der Bundestagswahl 2013 angekündigt. Die 200 Bergleute sollten ihre Arbeitsplätze behalten. Zugleich zeigte sich Altmaier zuversichtlich, dass es bald einen Konsens zwischen Bund und Ländern für ein Endlagersuchgesetz geben wird.

Nach Gesprächen mit der Opposition habe er den Eindruck gewonnen, dass ein Konsens in der Frage über die Parteigrenzen hinweg noch möglich sei, sagte Altmaier am Freitag in Berlin. "Ich sehe keine unüberwindlichen Hindernisse auf diesem Weg", so der CDU-Politiker. Zuvor hatte es mit Grünen und SPD noch heftigen Streit über das von Altmaier vorgeschlagene Endlagersuchgesetz gegeben, so dass eine Einigung vor der Niedersachsenwahl im Januar nicht mehr zustande kommen kann.

Die Grünen in Niedersachsen sehen in Altmaiers Baustopp für Gorleben ein Wahlkampfmanöver. Dass Altmaier die Erkundungsarbeiten nur bis nach der Bundestagswahl aussetzen wolle, sei "sehr befremdlich", sagte der Fraktionschef der niedersächsischen Grünen, Stefan Wenzel. Die brisante Frage der Endlagerung hochradioaktiver Abfälle eigne sich nicht für Wahlkampfzwecke.

Seit Monaten arbeitet Umweltminister Altmaier am Entwurf für das Endlagersuchgesetz. Zu klären ist die brisante Frage, wo Deutschland den Strahlenmüll seiner jahrzehntelangen Kernkraftnutzung verbuddeln will. Doch von einer ursprünglich angedachten Einigung mit der Opposition bis zum Jahresende ist längst nicht mehr die Rede; SPD und Grüne lehnten den aktuellen Gesetzentwurf bislang strikt ab.

Niedersachsen lehnt Standort Gorleben ab

In Niedersachsen, insbesondere im Wendland, ist der Widerstand gegen Gorleben groß. Bereits am Donnerstag hatte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) erklärt, der Salzstock Gorleben sei als Endlager ungeeignet.

Anfang November hatte die Umweltorganisation Greenpeace ein eigenes Konzept für die Endlagersuche vorgelegt - man wolle zeigen, dass es besser gehe als die Planungen von Regierung und Opposition es vermuten lassen. Greenpeace hadert nicht zuletzt damit, dass im Namen des Ministeriums der Ex-Atomlobbyist Gerald Hennenhöfer und der frühere Atomkraftmanager Bruno Thomauske die Endlagersuche voranbringen sollen. Die beiden seien auf Gorleben festgelegt.

Der Ausschluss des Salzstocks ist im Greenpeace-Konzept als Grundvoraussetzung aufgeführt, ebenso die Aufarbeitung der früheren Entscheidungen für den niedersächsischen Standort.

Bisher gibt es in Deutschland kein Endlager für stark strahlenden radioaktiven Müll. Gorleben wird als Zwischenlager für abgebrannte Atombrennstäbe und Atommaterial aus der Wiederaufarbeitung genutzt. Bei den Transporten mit Castor-Behältern nach Gorleben gab es in den vergangenen Jahren stets Massenproteste.

nik/dapd/dpa/reuters

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insgesamt 86 Beiträge
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1. Der strahlenden Realität ins Auge sehen.
kahabe 30.11.2012
Wegen der hier herrschenden Bevölkerungsdichte wird es keinen Standort vor ein Endlager geben. Es sei denn, eines der noch nicht zurückgebauten AKW's ...
2. Also...
Airkraft 30.11.2012
quasi nicht nur nach der Bundetagswahl, sondern auch nach Altmaier!
3. Verbuddeln...
Rollerfahrer 30.11.2012
Wenn Physik auf Politik stößt oder andersherum, dann bleibt wohl nur noch verbuddeln... Wann merken die Politiker endlich, daß man Physik nicht mit politischen Maßstäben bewerten kann, daß Physik sich einfach nicht politisch verhält, da kann man sich drehen und wenden wie man will!! Zumindet Angie sollte das wissen und dieses Wissen auch transferieren!! Aber vermutlich ist ihr physikalische Wissen schon lange vom Politwissen verschüttet, genauso wie der Atommüll in dem Salzstock auch. Wenn das Ding da los geht, ist die Kack am dampfen, aber diese Deppen denken ja nur kurzfristig. Nachhaltigkeit ist ja wies obsolet geworden. Na vielen Dank!
4. So banal kann man doch nicht sein
donnerfalke 30.11.2012
Aha, und nach der Bundestagswahl findet man schnell das Endlager, wetten?
5. Punktsieg für die AKW-Gegner
wissen007 30.11.2012
Es wäre ja fatal, wenn am Ende einer Endlagersuche für Brennelemente aus Kernkraftwerken Gorleben als bester Standort heraus kommt. Da ist es zielführend, diesen Standort von vorn herein auszuschließen. Und die Gefahr, dass Gorleben der beste Standort ist, besteht real. Denn dieser Salzstock besteht seit mehreren Millionen Jahren. Wäre in dieser Zeit Wasser ausgetreten, würde der Salzstock in sich zusammengefallen. Ist er aber nicht. Wenn es nun gelingt den Salzstock als Ganzen bei der Einlagerung der Brennelemente als Ganzes zu erhalten, wird auch in den nächsten Millionen Jahren nichts aus dem Salzstock austreten. Bitte nun keinen Vergleich mit der Asse. Der Salzstock Asse ist ein Bergwerk, in dem bereits das Salz abgebaut wurde. Durch den osmotischen Druck tritt zwangsläufig Wasser aus. Das ist keine neue Erkenntnis, es sei man ist Dummschwätzer.
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