Energiesparwunder Frosch kann mehrere Jahre verschlafen

Ein australischer Laubfrosch verblüfft die Forscher: In trockenen Zeiten kann er sich eingraben - und jahrelang schlafend auf Regen warten. Nun scheint klar, dass ein Zelltrick dem kleinen Hüpfer weiterhilft, der eines Tages auch für Übergewichtige interessant sein könnte.


Berlin - Braun-grün mit schwarzen Flecken auf dem Rücken, mit einem hellen Streifen auf der Wirbelsäule: Es gibt gewiss schönere Frösche als Cyclorana alboguttata. Und doch versetzt der kleine Hüpfer, der vor allem im Nordosten Australiens lebt, die Fachwelt derzeit in Begeisterung. Das Tier kann sich nämlich für mehrere Jahre im Schlamm vergraben - und so Zeiten extrem knappen Wassers überbrücken.

Vergrabener Frosch: Jahrelanges Dösen bis zum nächsten Regen
Sara M. Kayes

Vergrabener Frosch: Jahrelanges Dösen bis zum nächsten Regen

Forscher der University of Queensland haben nun verstanden, wie das Tier dabei vorgeht. Sie berichteten beim Jahrestreffen der "Society of Experimental Biology" im schottischen Glasgow von ihren Ergebnissen.

Den Laubfröschen gelingt es nämlich, ihren Stoffwechsel stark herunterzuregeln - und so fast beliebig viel Energie zu sparen. Dafür setzen sie einen Trick ein, der beim ersten Hinhören schier unglaublich klingt: Die Mitochondrien, also sozusagen die Kraftwerke in den Froschzellen, sind während der Schlafperiode besonders aktiv, wie die Forscher herausfanden. Die Technik des sogenannten mitochondrial coupling macht eine besonders effektive Energienutzung möglich.

Aus einer bestimmten Menge vorher gespeicherter Energie können sich die Frösche also ungewöhnlich lange versorgen. Die entscheidende Frage ist: Wenn die Technologie existiert, warum kommt sie dann nicht bei vielen anderen Tieren ebenfalls zum Einsatz?

Die Forscher können darüber bisher nur spekulieren. Sie vermuten zum Beispiel, dass die unerwünschte Entstehung von hochreaktiven Sauerstoffverbindungen daran Schuld sein könnte, die zu für den Körper problematischem oxidativen Stress führen würde - und zwar vor allem in den Phasen des Aufwachens. Tiere, die also oft einschlafen und aufwachen, würden damit besonders viele Problem haben. Bei dem wundersamen Frosch dauert es hingegen oft lang, bis die stressige Wiederaufwachphase ansteht.

Sara Kayes, eine Mitarbeiterin des Teams, das das Schlummern von Cyclorana alboguttata erforscht, glaubt übrigens, dass die am Frosch gesammelten Erkenntnisse auch für Menschen wichtig sein könnten. So sollte man ihrer Ansicht nach darüber nachdenken, ob eines Tages auch Fettsucht beim Menschen erfolgreich behandelt werden könnte - mit Energiespartipps vom Frosch.

chs

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