Genforschung Enten-Erbgut soll beim Kampf gegen die Vogelgrippe helfen

Das Genom der Stockente ist entschlüsselt. Besonders das effiziente Immunsystem der Tiere interessiert Forscher. Denn Enten sind zwar oft mit Vogelgrippeviren angesteckt, werden aber nicht krank.

Stockente mit Nachwuchs: Immunsystem hält Vogelgrippeviren in Schach
DPA

Stockente mit Nachwuchs: Immunsystem hält Vogelgrippeviren in Schach


Enten sind häufig mit Vogelgrippeviren infiziert, ohne dass die Tiere Symptome entwickeln. Das Erbgut der Vögel kann deshalb einiges darüber verraten, warum die Tiere so robust gegenüber den Erregern sind. Im Fachmagazin "Nature Genetics" berichtet ein internationales Forscherteam von der Entschlüsselung des Entenerbguts. Die Tiere bieten nach Aussage der Forscher ein Reservoir für Influenza-A-Viren. 14 der bekannten 16 H-Subtypen sowie alle neun bekannten N-Subtypen wurden bereits bei den Wasservögeln entdeckt.

Das Team um Yinhua Huang von der Landwirtschaftlichen Universität Chinas in Peking entzifferte das Genom eines zehn Wochen alten Stockentenweibchens (Anas platyrhynchos). Das Erbgut verglichen die Forscher unter anderem mit den bereits bekannten von Haushuhn, Truthuhn und Zebrafink. Der letzte gemeinsame Vorfahr dieser Arten lebte vor 90 bis 100 Millionen Jahren, schreiben die Wissenschaftler.

Zusätzlich untersuchten sie die Genaktivität bei Stockenten, die mit H5N1-Viren infiziert oder gesund waren. So konnten sie herausfinden, welche Gene im Lungengewebe aktiv werden, wenn der Vogel mit einem gefährlichen oder weniger gefährlichen Virus infiziert ist.

Zwar ähnelt sich die Körperabwehr bei Ente, Huhn und Zebrafink. Doch die Forscher entdeckten bei der Stockente für das Immunsystem relevante Gene, die bei den anderen Arten nicht vorhanden seien. Dies könnte erklären, warum das Immunsystem der Enten das Vogelgrippevirus so effektiv in Schach hält. Neue Erkenntnisse über den natürlichen Immunschutz könnten nach Überzeugung der Forscher bei der Bekämpfung der Vogelgrippe hilfreich sein.

H7N9: Todesfälle in China

In China hat das Vogelgrippevirus H7N9 seit Februar zu 37 Todesfällen geführt, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Seit der ersten offiziellen Meldung Ende März wurden 132 Menschen vor allem im Osten des Landes mit dem Virus infiziert.

Als Überträger der Krankheit machten chinesische Wissenschaftler Geflügel aus. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind bislang nicht bekannt. Nach Angaben der WHO führt die Infektion bei Menschen oft zu schweren Lungenentzündungen mit Fieber, Husten und Atemproblemen.

wbr/AFP

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vantast64 11.06.2013
1. Diese Krankheit würde es für uns Menschen gar nicht geben,
wenn wir keine Tiere halten, verspeisen würden. Leider trifft die Krankheit nun auch Vegetarier, die nicht daran schuld sind. "Es ist der Fluch der bösen Tat, daß immer neues Unheil sie gebiert."(Schiller)
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