Entfesselte Wassermassen Fluten gefährden immer mehr Menschen

Bis zum Jahr 2050 sind doppelt so viele Menschen von Überschwemmungen bedroht wie heute. Laut einer Uno-Studie leben dann zwei Milliarden Menschen in flutgefährdeten Gebieten. Als Hauptgrund für das zunehmende Hochwasserrisiko gilt der Anstieg des Meeresspiegels.


Hochwasser im baden-würtembergischen Wertheim (Januar 2003): Immer mehr Flut-Tote befürchtet
DPA

Hochwasser im baden-würtembergischen Wertheim (Januar 2003): Immer mehr Flut-Tote befürchtet

Derzeit wohnen weltweit eine Milliarde Menschen in hochwassergefährdeten Gebieten. In den nächsten fünfzig Jahren wird sich diese Zahl verdoppeln. Dies prognostiziert ein internationales Forscherteam der United Nations University mit Sitz in Tokio.

Momentan seien weltweit jedes Jahr mehr als 520 Millionen Menschen direkt von den Folgen von Überschwemmungen betroffen, berichten die Forscher. Bis zu 25.000 Menschen sterben jedes Jahr durch die Fluten, viele werden obdachlos, die Bedrohung durch Seuchen wächst, und ganze Ernten und Viehbestände werden vernichtet. Besonders gefährdet ist Asien: Zwischen 1987 und 1997 registrierten die Forscher auf dem Kontinent 44 Prozent aller Flutkatastrophen weltweit und 93 Prozent aller Todesopfer.

Um die Gefahren durch Naturkatastrophen besser zu erforschen, gründet die Uno-Universität nun in Bonn eigens ein Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit (UNO-EHS) - Eröffnung ist am Dienstag.

Nach Ansicht der Wissenschaftler wird sich die Gefährdung in den nächsten Jahren deutlich verschärfen: Die zunehmende Häufigkeit extremer Wetterphänomene und die globale Erwärmung des Klimas wird die Meeresspiegel ansteigen lassen, wodurch mehr Gebiete von Überschwemmungen bedroht werden als heute. Gleichzeitig wächst wegen der ansteigenden Weltbevölkerung der Druck, auch flutgefährdete Landstriche zu besiedeln, da diese häufig fruchtbare Böden, hervorragende Wasserversorgung und guten Zugang zu Transportwegen bieten.

Folgen eines Taifuns in Südkorea (September 2002): Zu wenig Geld für Prävention
AP

Folgen eines Taifuns in Südkorea (September 2002): Zu wenig Geld für Prävention

Die Forscher werteten für ihre Vorhersage Daten der letzten 20 Jahre aus 122 Ländern aus. Die Hochwasserschäden seien immens, heißt es in der Uno-Studie - auch in hoch entwickelten Industrieländern. Im Jahr 2002, als unter anderem das Elbehochwasser in Ostdeutschland Städte, Dörfer und Felder überflutete, starben europaweit hundert Menschen. 450.000 Europäer waren von den Überschwemmungen direkt betroffen, die Schäden summierten sich auf 20 Milliarden US-Dollar.

"Das Interesse an Forschung auf dem Gebiet der Naturkatastrophen hat sich daher intensiviert", sagt Janos Bogardi, der Gründungsrektor des neuen Bonner Instituts. Das sei auch nötig, da heute zwar bereitwillig Geld für Opfer von Katastrophen gespendet würde, die nötigen Mittel für Prävention und eine Verbesserung der Vorhersage jedoch fehlen. Für die Entschädigung der Flutopfer würde hundertmal mehr bezahlt als für Vorsichtsmaßnahmen, beklagte Bogardi.

Das neue Bonner Institut soll schwerpunktmäßig Überschwemmungsebenen und Flussdeltas - besonders im Zusammenhang mit Großstädten - untersuchen. Weitere Forschungsinteressen werden auch Dürreperioden und ihre Folgen, die Klimaveränderung und die Veränderung von Rohstoffqualität und -verfügbarkeit sein.



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