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Entstehung des Alls: Hawking hält Schöpfergott für überflüssig

Das Universum braucht keinen Gott: Mit dieser Aussage sorgt Stephen Hawking für Schlagzeilen. Bisher hat der britische Physiker den Schöpfer zumindest metaphorisch benutzt - und sei es nur, um den Verkauf seiner Bücher anzukurbeln. Doch damit ist nun offenbar Schluss.

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Stephen Hawking: Gott nicht nötig für Entstehung des Universums

Stephen Hawking gilt nicht nur als brillanter Physiker. Er kann seine Gedanken auch für Laien einigermaßen verständlich aufschreiben und hat auf diese Weise bereits Millionen Bücher verkauft. Doch schriftstellerisches Talent allein ist nicht immer genug - auch das ist Hawking klar. Und wenn es um die Entstehung des Universums selbst geht, ist der Gedanke an Gott erstens naheliegend und zweitens gut fürs Geschäft.

Letzteres hat Hawking nun erneut eindrucksvoll bewiesen. Gott ist unnötig, um die Entstehung des Universums zu erklären, heißt es in dem neuen Werk des Physikers mit dem Originaltitel "The Grand Design". Neue physikalische Theorien zeigten eindeutig, dass unser Universum durchaus spontan und aus sich selbst heraus entstanden sein könnte, schreibt der 68 Jahre alte Brite in dem Buch, aus dem die Zeitung "The Times" am Donnerstag erste Auszüge druckte. In Deutschland erscheint der Band am kommenden Dienstag unter dem Titel "Der große Entwurf - Eine neue Erklärung des Universums".

"Spontane Schöpfung"

"Weil es ein Gesetz wie das der Schwerkraft gibt, kann und wird sich ein Universum selber aus dem Nichts erschaffen", zitiert die Zeitung den Wissenschaftler. "Spontane Schöpfung ist der Grund, warum es statt dem Nichts doch etwas gibt, warum das Universum existiert, warum wir existieren." Es sei nicht nötig, zur Erklärung eine Hand Gottes mit ins Spiel zu bringen.

In seinem Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit" hatte der berühmte Mathematiker und Astrophysiker, der wegen einer Muskelschwäche im Rollstuhl sitzt, laut "Times" Ende der achtziger Jahre anscheinend noch anders geurteilt. Damals habe er von einer Art "ultimativen Theorie" hinter der Schöpfung geschrieben, die womöglich auf einen Gott hinweisen könnte. Berühmt wurden vor allem die letzten Worte in "Eine kurze Geschichte der Zeit": Sollte eines Tages die Zusammenführung aller Gleichungen über das Universum gelingen, "dann würden wir Gottes Plan kennen".

Insbesondere in religiösen Kreisen wird dieses Zitat gern als Beleg dafür angeführt, dass selbst Hawking Wissenschaft und Religion für vereinbar hält und möglicherweise gar selbst gläubig ist. Das aber dürfte ein Trugschluss sein. Hawking selbst schrieb später, dass er den berühmten Schlusssatz beim Redigieren des Buchs beinahe gestrichen hätte. "Hätte ich das getan", so Hawking, "hätte ich womöglich die Verkaufszahlen halbiert."

Hawkings Ex-Frau Jane bestätigte das, als sie sich von dem Physiker scheiden ließ. In einem 1999 erschienen Buch bezeichnet sie Hawking als Atheisten. Später sagte sie, dass es eine einfache Antwort auf die Frage gebe, warum Hawking Gott in seinen Werken vorkommen lasse: "Es hilft, Bücher zu verkaufen."

mbe/dpa

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