Entwaldungs-Bilanz: Der Amazonas-Regenwald stirbt langsamer

Im brasilianischen Amazonas sind in den vergangenen Monaten deutlich weniger Bäume gefällt worden als im Vorjahreszeitraum. Doch was ist die Ursache? Wirken strengere Umweltgesetze - oder doch nur die weltweite Finanzkrise?

Amazonas: So verschwindet der Regenwald Fotos
REUTERS

Brasilia - Die brasilianische Regierung ist stolz auf ihr Satelliten-Überwachungssystem zum Schutz der Bäume. "Deter" heißt es, und soll dafür sorgen, dass der Regenwald im Amazonasgebiet nicht gefällt wird. "To deter" bedeutet auf Englisch so viel wie "jemanden abschrecken". Und genau das tut Beobachtungssystem nach Ansicht der Behörden mit Erfolg: Die Beobachtung aus dem All sorge dafür, dass immer weniger Bäume gefällt werden.

Aktuelle Zahlen scheinen das zu bestätigen: Im brasilianischen Amazonasgebiet ist in den vergangenen Monaten deutlich weniger Regenwald vernichtet worden als im Vorjahreszeitraum. Laut den Satellitenbildern wurden im Juni rund 244 Quadratkilometer abgeholzt. Das sind 58 Prozent weniger als im gleichen Monat 2009. In den elf Monaten bis Juni wurde demnach 49 Prozent weniger Wald zerstört als im Vorjahreszeitraum. Damit setzt sich ein positiver Trend fort.

Die "Deter"-Daten stammen unter anderem vom US-Satelliten "Terra" und von dem brasilianisch-chinesichen Gemeinschaftsprojekt "CBERS-2B". Der Entwaldungskatalog aus dem All ist allerdings nicht vollständig. Der Präsident des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE), Gilberto Cámara, musste einräumen, dass nur Rodungen ab einer Größe von 50 Quadratkilometern erfasst werden konnten.

Absolut gesehen ist die Abholzung nach wie vor ein massives Problem: Rund 1800 Quadratkilometer Regenwald, ein Gebiet fast so groß wie das Saarland, sind vergangenes Jahr im brasilianischen Amazonasgebiet verschwunden. Dabei wird der Lebensraum für zahllose Arten zerstört, außerdem ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. US-Forscher haben desweiteren herausgefunden, dass durch die Entwaldungen auch die Malaria-Gefahr steigt.

"Zu wenig Kontrolleure"

Die Amazonas-Regenwälder sind das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde. Brasilien hat mit einer Fläche, die etwa der Westeuropas entspricht, den größten Anteil an dem Urwald. In den vergangenen beiden Jahrzehnten wurden nach Angaben der Umweltschutzorganisation WWF 17 Prozent des brasilianischen Regenwaldes vernichtet.

Über den Grund für die derzeit etwas langsamere Abholzung gibt es Streit. Die Regierung macht die Satelliten-Überwachung und die bessere Durchsetzung von Umweltgesetzen für den Rückgang verantwortlich. Und eine Statistik des britischen Forschungsinstituts Chatham House hatte im Juli das härtere Durchgreifen gegen den Handel mit illegalen Hölzern weltweit als erfolgreich bezeichnet.

Manche Umweltschützer sind freilich etwas weniger optimistisch: Sie glauben, dass vor allem die weltweite Finanzkrise die Nachfrage nach Holz und Biotreibstoffen, Soja und Rindfleisch - und damit die Entwaldung in Brasilien - gebremst hat. Sie kritisieren außerdem, dass die zuständige Behörde für den Kampf gegen die Abholzung, die Ibama, zu dünn besetzt sei. Imaba-Chef Luciano Evaristo beklagte unlängst im britischen "Guardian", er könne etwa 4000 Mitarbeiter brauchen, die sich in den betreffenden Waldgebieten für die Einhaltung der Schutzregeln einsetzen. Zur Verfügung hat er aber nur 700 bis 800 Leute.

chs/afp/dpa

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