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Klimakonferenz: Arme Länder fordern Geld für Umweltschäden

Klimaschutz: Noch immer tut die Weltgemeinschaft zu wenig Zur Großansicht
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Klimaschutz: Noch immer tut die Weltgemeinschaft zu wenig

Es geht um viel Geld - und Gerechtigkeit. Vier Billionen Dollar finanziellen Schaden sollen Klimakatastrophen bislang angerichtet haben, und oft trifft es arme Länder. Auf der Klimakonferenz soll nun geklärt werden, wie den Staaten geholfen werden kann.

Warschau - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat bei der UN-Klimakonferenz in Warschau die internationalen Bemühungen um eine Eindämmung der Erderwärmung als unzureichend kritisiert. "Ich bin sehr beunruhigt, denn unsere Maßnahmen sind noch unzureichend, um den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Stand zu begrenzen", sagte Ban am Dienstag in der polnischen Hauptstadt vor Delegierten aus mehr als 190 Ländern. Die Nationalstaaten müssten ihre Zusagen zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes erhöhen. "Die Latte muss höher gelegt werden", forderte Ban.

Der UN-Generalsekretär forderte die internationale Gemeinschaft auf, in Warschau den "Grundstein" für ein global verbindliches Klimaschutzabkommen zu legen. Das Abkommen soll bis Ende 2015 stehen und 2020 in Kraft treten. Es soll die Erderwärmung auf ein als beherrschbar angesehenes Maß von zwei Grad begrenzen. Bis dahin sei es aber noch ein schwieriger Weg, mahnte Ban. Immerhin machten ihm aber "Fortschritte in vielen Bereichen" zur Verringerung des Treibhausgas-Ausstoßes Hoffnung.

Die UN-Klimakonferenz, die am Montag vergangener Woche begonnen hatte, geht diese Woche in ihre entscheidende Phase. Am Mittwoch will sich auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) vor Ort in die Debatte einschalten. Dann werden die die Minister auf der UN-Klimakonferenz in Warschau auch über Geld reden, viel Geld. Die Klima-Opfer drängen auf klare Zusagen, um mit den Verlusten umgehen zu können. Es geht um mehr Gerechtigkeit - und um Vorsorge vor künftigen Katastrophen.

Auf den Philippinen sind die Schäden von Super-Taifun "Haiyan" noch nicht endgültig beziffert. Zu welchen Verlusten und Schäden Wetterkatastrophen in den letzten 30 Jahren geführt haben, hat die Weltbank aufgelistet - und jetzt bei der UN-Klimakonferenz in Warschau vorgestellt. "Die Welt hat (in dieser Zeit) mehr als 2,5 Millionen Menschen verloren. Jeder einzelne fehlt einer Familie, jeder einzelne ist wertvoll", sagte Rachel Kyte, Weltbank-Vizepräsidentin für nachhaltige Entwicklung.

Die materiellen Schäden werden mit vier Billionen Dollar beziffert. Immer schneller steigen die wirtschaftlichen Verluste - von jährlich 50 Milliarden Dollar im Jahr 1980 auf knapp 200 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. "Loss and Damage" (Verluste und Schäden) ist auch in Warschau einer der häufigsten Begriffe auf der UN-Klimakonferenz.

Entwicklungsländer brauchen finanzielle Unterstützung

Vor allem Entwicklungsländer können die wirtschaftlichen Verluste nicht aus eigener Kraft bewältigen. Der Inselstaat St. Lucia in der Karibik verlor während des Hurrikans "Tomas" im Jahr 2010 umgerechnet 43 Prozent seines Bruttosozialprodukts. Wiederholte Dürren am Horn von Afrika führten nicht nur zu Hunger und Nahrungsmittelknappheit für mehr als 13 Millionen Menschen - allein Kenia verzeichnete materielle Verluste von mehr als zwölf Milliarden Dollar, heißt es in dem Weltbankbericht.

Kyte drängt daher auf Investitionen in Anpassungsmaßnahmen für die betroffenen Länder. "Für jeden Dollar, der jetzt für Klimavorsorge und -anpassung ausgegeben wird, lassen sich zwischen 4 und 36 Dollar bei künftigen Naturkatastrophen sparen", rechnet sie vor. Und auch Menschenleben sind sicherer: So kamen in diesem Jahr während des Zyklons "Phailin" 40 Menschen ums Leben - bei einem ähnlich starken Sturm im Jahr 1999 dagegen starben 10 000 Menschen.

Kluft zwischen Theorie und Wirklichkeit

Doch die Lücke zwischen den Kosten für Klimaanpassung und dem Geld, das in den Entwicklungsländern zur Verfügung steht, klafft immer weiter auseinander, warnte das UN-Umweltprogramm UNEP am Dienstag bei der Vorstellung eines Berichts über die Lage in Afrika. Schon jetzt betragen die Kosten für Anpassungsmaßnahmen auf dem Kontinent zwischen 7 und 15 Milliarden Dollar im Jahr. Nach 2020 drohen sie durch die Folgen der Erderwärmung dramatisch zu steigen - auf bis zu 200 Milliarden Dollar jährlich.

"Die reichen Länder müssen klar machen, welche zusätzlichen Gelder sie jetzt auf den Tisch legen und wie sie die 100 Milliarden Dollar zusammenbringen wollen, die sie von 2020 an pro Jahr aufbringen wollen", forderte Winnie Byanyima, Direktorin von Oxfam International. Eine weitere Verzögerung sei eine Katastrophe für die armen Staaten, die die Folgen von Klimaschäden finanzieren müssen. Ohne finanzielle Zusagen drohe ein massiver Vertrauensverlust.

Auch Agnes Banda aus Malawi, die zur Delegation des Panafrikanischen Netzwerks für Klimagerechtigkeit gehört, will nicht auf einen weiteren Klimagipfel warten, während den Ländern bei der Anpassung an Klimafolgen die Zeit davon läuft: "Wir erwarten hier ganz klare Vereinbarungen zur Klimafinanzierung."

jme/dpa/afp

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1. Wetten, dass ......
gandhiforever 19.11.2013
Zitat von sysopDPAEs geht um viel Geld - und Gerechtigkeit. Vier Billionen Dollar finanziellen Schaden sollen Klimakatastrophen bislang angerichtet haben und oft trifft es arme Länder. Auf der Klimakonferenz soll nun geklärt werden, wie den Staaten geholfen werden kann. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/entwicklungslaender-fordern-finanzielle-hilfe-bei-klimakatastrophen-a-934535.html
die Laender, die am meisten zur Klimaveraenderung beitragen, nun so argumentieren werden wie die Leugner der Erwaermung, nur damit sie die betroffenen armen Laneder nicht entschaedigen muessen. Allerdings frage ich mich, wie man Laender, die von der Landkarte verschwinden werden (Maldiven, in Ozeanien,...) ueberhaupt entschaedigen kann. Natuerlich waere auch noch Einigung zu erzielen ueber einen Verteilungsschluessel. Erfolgsaussichten: kaum realisierbar.
2.
spiritof81 19.11.2013
Zitat von sysopDPAEs geht um viel Geld - und Gerechtigkeit. Vier Billionen Dollar finanziellen Schaden sollen Klimakatastrophen bislang angerichtet haben und oft trifft es arme Länder. Auf der Klimakonferenz soll nun geklärt werden, wie den Staaten geholfen werden kann. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/entwicklungslaender-fordern-finanzielle-hilfe-bei-klimakatastrophen-a-934535.html
Was sollen denn "Klimakatastrophen" sein? Gemeint sind wohl Wetterkapriolen mit katastrophalen Folgen, deren Ursachen (auf Folgen bezogen) vielfältig sind. Dazu gehört auch die Besiedlung riskanter Gebiete (Flusstäler, Küstengebiete, Berghänge). Taifune von der Stärke "Hayjan" gab es bereits in der Vergangenheit und die Hurrikan-Saison in der Karibik fällt mehr oder weniger aus.
3. ...
phoeni 19.11.2013
Ist doch einfach: Ab sofort lässt das dt. Baurechtswesen Wellblechhütten und Papphäuser an ungesicherten Berghängen und regelmäßig von Überflutungen betroffene Täler zu, dann sind wir jedes Jahr zur Hochwassersaison und zu den Herbststürmen selbst betroffen und können zur Abwechslung auch mal die Hand aufhalten... Die Malediven kassieren seit wievielen Jahren Hilfsgelder weil sie seit Dekaden am absaufen sind? Erstens sind sie immer noch nicht abgesoffen, zweitens wurde das ganze Geld für alles ausgegeben, aber sicher nicht für Klimaschutz/-anpassung und/oder Umsiedlungspläne... Der Artikel sagt es ganz deutlich, es geht um Geld, viel Geld und wer am lautesten weint und schreit, erhofft sich das dickste Stück vom Kuchen - für Paläste und Nutten. Besonders Afrika, die Reinkarnation von Korruption und militanten Spinnern, seit einiger Zeit verstärkt angereichert von radikalislamischen Verrückten... Da wird nichts, rein gar nichts für die eigentlichen Menschen hängen bleiben, bestenfalls, wenn die Menschen dort das Glück haben einen längerfristig planenden Despoten am Hals zu haben, wird es für das Nötigste reichen, um Aufstände zu vermeiden... Ja, 99% der Menschen in Afrika können nichts dafür... außer dass sie seit Dekaden den Kolonialismus als Ausrede haben, warum sie immer noch nicht gelernt haben, weiter zu denken als von der Hand in den Mund... So mal als politisch vollkommend inkorrektes Statement zum Dienstag Abend :-)
4. Wetterkapriolen mit katastrophalen Folgen
Mustermann 19.11.2013
Zitat von spiritof81Was sollen denn "Klimakatastrophen" sein? Gemeint sind wohl Wetterkapriolen mit katastrophalen Folgen, deren Ursachen (auf Folgen bezogen) vielfältig sind. Dazu gehört auch die Besiedlung riskanter Gebiete (Flusstäler, Küstengebiete, Berghänge). Taifune von der Stärke "Hayjan" gab es bereits in der Vergangenheit und die Hurrikan-Saison in der Karibik fällt mehr oder weniger aus.
Mindestens 18 Tote forderte das Tief "Cleopatra", das in der Nacht auf Dienstag Sardinien heimsuchte und weite Teile der italienischen Mittelmeerinsel verwüstete. .. Das Unwetter traf besonders den Nordosten der italienischen Mittelmeerinsel, am schlimmsten die Stadt Olbia mit ihren 55 000 Einwohnern. Dort wurden *binnen zwölf Stunden pro Quadratmeter 93 Liter Regen gemessen; der durchschnittliche Niederschlag auf Sardinien liegt für den gesamten November bei 76 Litern.* (http://www.sueddeutsche.de/leben/unwetter-auf-sardinien-cleopatra-bringt-tod-und-verderben-1.1822660) Um Ihre Vorstellungskraft etwas zu unterstützen, 93 Liter/m² entsprechen einer über 9 m hohe Wassersäule.
5.
DMenakker 19.11.2013
Ja sicher können die armen Länder einen Ausgleich haben. Aber erst, wenn alle durch korrupte Diktatoren veruntreuten Milliarden wieder ihrer Bestimmung zugeflossen sind. Man denken nur an Marcos auf den Philippinen. Abgesehen davon waren sich sämtliche Experten einig, dass es sich bei dem jüngsten Sturm um ein durchaus nicht soooo unübliches Wetterphänomen handelte und das ganze, so bedauerlich es auch sein mag, mit Klimawandel nun mal gar nichts zu tun hat. Wo aber Klimahysterie herrscht, zusammen mit der Möglichkeit Geld zu verteilen bzw. abzuzocken hat Verstand eine bedauerlich niedrige Halbwertszeit.
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  • Ein ungebremster Ausstoß von Treibhausgasen würde das Klima bis zum Ende des Jahrhunderts vermutlich um rund 3,7 Grad erwärmen.
  • Es drohen mehr Hitzewellen.
  • Der Anstieg der Meere könnte Jahrhunderte weitergehen. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts drohe ein Anschwellen um 26 bis 81 Zentimeter, je nachdem, um wie viel Treibhausgase die Welt erwärmen.
  • Viele Gletscher, die auch als Trinkwasserressourcen dienen, könnten komplett verschwinden.
  • Die Ozeane drohen saurer zu werden, Organismen würde es schwerer fallen, ihre Schalen zu bilden.
  • Klimazonen könnten sich verschieben. In den Subtropen und angrenzenden Regionen wie am Mittelmeer dürfte es deshalb häufiger Dürren geben.
  • In den Tropen und in mittleren Breiten wie Deutschland würde es mehr Starkregen geben.

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