US-Umweltschutzbehörde EPA-Büro streicht "wissenschaftlich" aus Selbstdarstellung

Sie heißt zwar Umweltschutzbehörde, doch die US-amerikanische EPA geht unter ihrem neuen Chef gradlinig auf die Industrie zu. Das zeigt sich jetzt schon beim Wasserschutz.

EPA-Chef Scott Pruitt
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EPA-Chef Scott Pruitt


Seit wenigen Wochen hat die US-Umweltschutzbehörde EPA einen neuen Chef: Scott Pruitt, der enge Verbindungen zur Öl- und Kohleindustrie pflegt und als Klimawandel-Skeptiker gilt.

Wie sich die EPA unter Pruitt entwickeln wird, bereitet Umweltschützern ebenso wie Wissenschaftlern Sorgen. Eine kleine, aber feine Änderung macht deutlich, in welche Richtung die Behörde nun offenbar steuert.

Unter anderem ist es Aufgabe der EPA ("Environmental Protection Agency"), die Gewässer des Landes zu schützen und eine gute Trinkwasserqualität sicherzustellen. Zum dafür zuständigen EPA-Zweig gehört ein "Office of Science and Technology" (OST).

"Ökonomisch und technisch erreichbar" statt "wissenschaftlich fundiert"

Diese EPA-Abteilung hat nun die Beschreibung der eigenen Arbeit verändert - und zwar eine Weise, die nicht nur Umweltschützer empört. Die Formulierung "wissenschaftlich fundierte Standards" ist beispielsweise verschwunden. Nun ist von "ökonomisch und technisch erreichbaren Leistungsstandards" die Rede.

Seine Aufgaben beschreibt das OST auf der EPA-Webseite nun so:

"Das OST arbeitet mit Bundesstaaten, Stämmen und anderen Akteuren, um Grenzwerte für Giftstoffe, Nährstoffe und Krankheitserreger zu entwickeln, um sicherzustellen, dass die Gewässer unserer Nation zum Fischen und Schwimmen sowie als Trinkwasser genutzt werden können. Das OST entwickelt außerdem nationale, ökonomisch und technologisch erreichbare Leistungsstandards in Bezug auf Wasserverschmutzung durch die Industrie."

Früher las sich das anders:

"Das OST ist dafür verantwortlich, seriöse, wissenschaftlich fundierte Standards, Kriterien, Gesundheitsempfehlungen, Testmethoden und Richtlinien unter dem 'Clean Water Act' und dem 'Safe Drinking Water Act' zu entwickeln. Wir arbeiten mit Partnern und Akteuren zusammen, um die wissenschaftliche und technologische Basis zu schaffen, um durch nationale Programme zu erreichen, dass wir sauberes Wasser haben, das die Menschen und die Umwelt schützt."

"New Republic" berichtete über die Änderung, die sich auch mit einem Blick auf archive.org nachvollziehen lässt. Die Union of Concerned Scientists, ein US-amerikanischer Wissenschaftlerverband, äußerte sich besorgt: "Es ist der Job der EPA, die Gesundheit und Sicherheit der Bürger zu schützen." Jetzt sehe es aber so aus, als würden die EPA und die Regierung insgesamt sich darauf fokussieren, die Wirtschaft zu unterstützen.

Auch EPA-Chef Pruitt selbst macht klar, dass sich die Prioritäten verschoben haben. So verkündete er etwa am 1. März per Twitter, man werde einen Mittelweg finden zwischen dem Schutz von Wasser, Luft und natürlichen Ressourcen sowie dem Aufbau der Wirtschaft.

wbr

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