Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Erbgut des Schnabeltiers sequenziert: Vogel, Säugetier und Reptil zugleich

Schnabeltiere sind äußerst ungewöhnliche Lebewesen: Sie sind eine Mischung aus Vögeln, Reptilien und Säugetieren - und dies spiegelt sich auch in seinem Genom wider, das jetzt komplett sequenziert wurde. Das Erbgut könnte sogar neue Erkenntnisse über die Evolution der Säugetiere liefern.

Es legt Eier wie ein Reptil, säugt seine Jungen und trägt ein Fell wie ein Säugetier, besitzt den Schnabel einer Ente und ähnelt vom Körperbau her einem Biber - die in Australien lebenden Schnabeltiere sind eine echte Besonderheit. Zudem verfügt das männliche Schnabeltier an seinen Hinterbeinen über einen Sporn, mit dem es Gift abgeben kann - eine unter Säugetieren einzigartige Eigenschaft. Schnabeltiere gehören zusammen mit den Ameisenigeln zur Gruppe der Kloakentiere. Etwa vor 166 Millionen Jahren spaltete sich der Zweig der Schnabeltiere vom Stammbaum der Säugetiere ab.

Im Genom des Schnabeltiers haben Genforscher nun Merkmale von Säugetieren, Reptilien und Vögeln nachgewiesen. "Die Mischung im Genom des Schnabeltiers könnte uns Hinweise zur Funktion und Evolution der Säugetiergenome liefern", sagt Richard Wilson von der Washington School of Medicine im Fachmagazin. "Wir können nun die Gene bestimmen, die im Laufe der Evolution erhalten geblieben sind, und solche, die verloren gegangen oder neu entstanden sind."

Chris Ponting von der Oxford University erklärte, der Chromosomensatz des Schnabeltiers ist äußerst wichtig, weil es das fehlende Glied im Verständnis der Forscher davon sei, wie sich Menschen und andere Säuger entwickelt hätten. Die Gen-Analyse des Schnabeltieres sei "unser Fahrschein zurück in die Zeit, als alle Säugetiere Eier legten und ihre Jungen mit Milch säugten", sagte Ponting. Mensch und Schnabeltier hatten demnach vor fast 170 Millionen Jahren einen gemeinsamen Vorfahren.

Eine neue Erkenntnis betrifft das Gift der Schnabeltiere: Es ist wohl durch die Verdopplung eines Gens entstanden, das ähnlich wie ein Antibiotikum wirkt. Unabhängig vom Schnabeltier sei in der Evolution von Schlangen auf die gleiche Weise die genetische Information für Schlangengift entstanden, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature" (Bd. 453, S. 175).

"Das Genom des Schnabeltiers gibt uns Hinweise darauf, wie unsere frühesten Säugetiervorfahren ausgesehen haben könnten. Es ist faszinierend, dass unterschiedliche Merkmale, die wir als typisch für Reptilien oder Säugetiere ansehen, zusammen in ein und demselben Genom existieren können", unterstreicht Adam Felsenfeld vom amerikanischen National Human Genome Research Institute.

hda/ddp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Schnabeltier: Säugetier, Reptil und Vogel


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: