Erbgut-Veränderung: Raupen erzeugen Spinnenseide

Spinnenfäden gelten als Wunderstoff, sie sind fester als Stahl und elastischer als Gummi, doch züchten lassen sie sich bislang nicht. Jetzt haben Forscher Raupen dazu gebracht, anstatt ihrer eigenen Seide die der Spinnen zu produzieren.

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REUTERS

Washington - Forscher haben das Erbgut von Seidenraupen so verändert, dass die Tiere stärkere Seidenfäden spinnen. Die Seide der Raupen enthält Proteine der festeren Spinnenseide, berichten die Wissenschaftler in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Seidenfäden eigneten sich als Material für Wundnähte, aber auch für andere medizinische sowie zahlreiche weitere Anwendungen.

Die Seide von Spinnen ist elastischer und dehnbarer als jene von Raupen. Doch trotz ihrer besseren Qualität wird Spinnenseide derzeit wirtschaftlich kaum genutzt. Das Problem: In großen Mengen sind die Spinnen nur schwer zu halten. Sie kämpfen um ihr Revier und fressen sich auch gegenseitig auf.

Um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen, gibt es bereits Versuche, Spinnenseide von Bakterien, Insekten oder in Pflanzen herzustellen. Obwohl dies grundsätzlich möglich ist, bleibt eine Schwierigkeit: Bei dieser Produktionsweise entstehen keine Fäden. Deshalb ist es schwierig, die Seide zu gewinnen und zu verspinnen.

Begehrtes Material

Die Forscher um Florence Teulé von der University of Wyoming (Laramie/US-Staat Wyoming) veränderten nun die Herstellung der Seidenfäden in Seidenraupen (Bombyx mori). Sie schleusten in die Seidendrüsen der Tiere die Bauanleitung für ein Seidenprotein der Goldenen Seidenspinne (Nephila clavipes) ein.

Tatsächlich enthielten die Seidenfäden der Raupen daraufhin zu einem geringen Anteil auch die Seidenproteine der Spinne. Dies verbesserte die Qualität der Seidenfäden, berichten die Forscher. Sie waren fester als die natürlichen Fäden der Seidenraupe, nämlich genauso fest wie die der Spinnen.

Schon lange versuchen Forscher, Spinnenfäden zu ergründen. Computersimulationen haben ergeben, dass Spinnen eine unverwüstliche Naturfaser produzieren, die fester als Stahl und elastischer als Gummi ist. Solche Modelle könnten helfen, das begehrte Material künstlich nachzuahmen.

boj/dpa

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