Erbgutanalyse: Steinzeitpferde waren gescheckt

Pferde mit schwarzen Tüpfeln schmücken die Wände einiger steinzeitlicher Höhlen. Doch gab es solche Tiere wirklich? Forscher haben jetzt die fossilen Überreste von Steinzeitpferden untersucht. In den Genen entdeckten sie eine verräterische Mutation.

Prähistorische Malerei in der Höhle von Pech-Merle: Langes Rätseln über die Tüpfel Zur Großansicht
DPA/ Center for Prehistory of Pech Merle/ P. Cabrol

Prähistorische Malerei in der Höhle von Pech-Merle: Langes Rätseln über die Tüpfel

Washington/Berlin - Die gescheckten Pferde, die in einigen steinzeitlichen Höhlen gemalt wurden, sind einer Studie zufolge keine Phantasiegebilde. Genetische Untersuchungen am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung haben ergeben, dass in Europa bereits vor mehreren zehntausend Jahren Pferde mit Leopardenmuster existierten.

Bei der genetischen Analyse der fossilen Überreste von insgesamt 31 Pferden fand das Forscherteam um Arne Ludwig bei sechs Tieren eine genetische Mutation. Diese ist bei modernen Hauspferden für das leopardenähnliche Punktmuster verantwortlich, wie es etwa bei den Rassen Knabstrupper, Appaloosa und Noriker vorkommt. Die Wildpferde-Knochen stammten von insgesamt 15 verschiedenen Orten. Wie die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, konnten sie die genetische Variation allerdings nur bei Funden aus West- und Osteuropa, nicht aber bei Fossilien aus Sibirien und von der Iberischen Halbinsel nachweisen.

Dies steht im Einklang mit zahlreichen prähistorischen Höhlenmalereien in Frankreich. So sind vor etwa 25.000 Jahren die Bilder von getüpfelten Pferden in der Tropfsteinhöhle von Pech-Merle im Südwesten Frankreichs entstanden. Die DNA-Ergebnisse seien nun der erste Nachweis dafür, dass neben schwarzen und braunen Pferden auch diese gepunkteten Tiere tatsächlich existierten. Demnach reflektieren die Zeichnungen vermutlich die reale Umgebung der Menschen.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass es sich eher um imaginäre Figuren handelt, die womöglich symbolischen Charakter hatten. Dafür sprach auch die bisher gehegte These, dass derartige Farbvariationen erst im Laufe der Domestizierung des Pferdes entstanden seien. Das widerlegen nun die Ergebnisse der Berliner Forscher. Sie vermuten, dass die Mutation den Pferden einen Vorteil gebracht hat: Die Tiere waren so in schneereichen Gebieten womöglich besser getarnt.

cib/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Oder, und das erscheint mir weitaus wahrscheinlicher, ...
mborevi 08.11.2011
... liegt die Domestizierung des Pferds weiter zurück als vermutet. Dies gilt auch für Rinder, denn auch bei diesen findet man Höhlenbilder von domestizierten Tieren, wie aus der Form und Färbung eindeutig zu erkennen ist, z.B. in Lascaux. Viehzucht ist regelmäßig mit Nomadentum verknüpft und sicher viel älter als Ackerbau, der Seßhaftigkeit erfordert. Die Kenntnis nomadischer Viehzucht könnten unsere Vorfahren bereits aus Afrika mitgebracht haben.
2.
s.s.t. 08.11.2011
Zitat von mborevi... liegt die Domestizierung des Pferds weiter zurück als vermutet. Dies gilt auch für Rinder, denn auch bei diesen findet man Höhlenbilder von domestizierten Tieren, wie aus der Form und Färbung eindeutig zu erkennen ist, z.B. in Lascaux. Viehzucht ist regelmäßig mit Nomadentum verknüpft und sicher viel älter als Ackerbau, der Seßhaftigkeit erfordert. Die Kenntnis nomadischer Viehzucht könnten unsere Vorfahren bereits aus Afrika mitgebracht haben.
Oder es war tatsächlich nur eine zufällige Mutation, die vor der Domestizierung stattfand, denn das Gen wurde nur bei den europäischen Pferden gefunden, nicht bei den sibirischen. Oder... Trotzdem finde ich das Thema spannend und die Höhlenmalereien, vor allem in Lascaux, großartig.
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Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene sogenannte Nukleinsäuren: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.