El Hierro: Kanaren-Vulkan ist wieder erwacht

2011 wuchs ein Unterwasservulkan vor der Kanaren-Insel El Hierro, fast wäre eine neue Insel entstanden. Nun ist der Lavaberg erwacht - erneut lässt aufsteigendes Magma den Westen von El Hierro leicht zittern. Eine Eruption scheint nur eine Frage der Zeit.

El Hierro: Beben der letzten drei Tage. Rot sind die jüngsten Beben, grün die ältesten. Zur Großansicht
Instituto Geografico Nacional

El Hierro: Beben der letzten drei Tage. Rot sind die jüngsten Beben, grün die ältesten.

Hamburg - Im Herbst 2011 hatte sich beinahe eine neue Insel vor den Kanaren aus dem Meer erhoben. Ein Unterseevulkan vor El Hierro spuckte immer mehr Lava, so dass er sich der Wasseroberfläche bis auf 80 Meter näherte. Nun scheint der Vulkan erwacht - Hunderte schwache Erdbeben ließen in den vergangenen Tagen El Hierro erzittern; manche waren so stark, dass die Bewohner sie spüren konnten.

Mit ähnlichem Ruckeln hatten sich die Eruptionen von 2011 angekündigt. Auch diesmal müsse wieder mit Ausbrüchen gerechnet werden, teilt die spanische Behörde für Geoforschung IGN mit. Die lokalen Behörden haben für den Südwesten El Hierros die Warnampel auf Gelb geschaltet, was Wachsamkeit bedeutet. Ein erneuter Ausbruch würde aber vermutlich auf den äußersten Südwesten der Insel beschränkt bleiben. In diesem Fall wollen die Behörden die Ampel rechtzeitig auf Rot schalten und die Gegend räumen.

Nun könnte sich also beim zweiten Anlauf doch noch eine neue Kanaren-Insel erheben. Allerdings könnte die Lava auch an anderer Stelle austreten als 2011: Die Erdbeben, die wohl vor allem von Magmaströmen hervorgerufen werden, ereignen sich vorwiegend unter der Insel und weniger am Meeresboden (siehe Grafik). Gut möglich also, dass der nächste Ausbruch an Land stattfindet. Die Beben hatten sich zunächst in Richtung Norden verlagert; erst in den vergangenen Tagen wanderten sie Richtung Küste.

Magma lässt Boden zittern

Noch bebt es allerdings in größerer Tiefe, zumeist mehr als 15 Kilometer unter der Erde. Das Magma ist mithin noch weit entfernt von einem Ausbruch. 2011 hatte es fast ein halbes Jahr gedauert, bis das Beben-Stakato in einer Eruption mündete. Es ist jedoch auch möglich, dass der Vulkan diesmal einschläft, bevor er Lava spuckt - Vulkane sind kaum berechenbar. GPS-Daten zeigen gleichwohl, dass sich der Boden im Westen der Insel um zwei Zentimeter gehoben hat - ein weiteres Signal für aufsteigendes Magma.

Die Unterwassereruption 2011 hatte den Bewohnern von El Hierro schwere wirtschaftliche Schäden verursacht. Die Bewohner der Insel leben zum großen Teil vom Fischfang und von Touristen, die zum Tauchen auf die Kanaren kommen. Aufgrund des Ausbruchs konnte weder gefischt noch getaucht werden; Asche und Schwefel trieben im Meer.

Wochenlang blieben Ortschaften gesperrt. Das Risiko, dass die Eruptionen aufs Land überspringen könnten, erschien groß. Mittlerweile hat die Regierung Entschädigungszahlungen angeordnet, um die schlimmsten finanziellen Ausfälle zu kompensieren.

boj

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