Tote und Verletzte Heftiges Erdbeben erschüttert Iran und Pakistan

An der Grenze von Iran und Pakistan hat es ein extrem starkes Erdbeben gegeben. Das Beben hatte die Stärke 7,8, meldet der Geologische Dienst der USA, und es war bis in die indischen Hauptstadt Neu Delhi zu spüren. Am schlimmsten erwischte es Pakistan.

USGS

Hamburg/Islamabad - An der Grenze von Iran und Pakistan hat es ein extrem starkes Erdbeben gegeben. Das Beben habe die Stärke 7,8, meldet der Geologische Dienst der USA (USGS). Beben dieser Stärke gibt es weltweit höchstens ein paar Mal pro Jahr. "Es handelt sich um das schwerste Erdbeben im Iran seit 40 Jahren", sagte ein iranischer Regierungsvertreter. Allerdings ereignete sich der Schlag in größerer Tiefe, so dass die Erschütterungen gedämpft wurden.

Der Gouverneur der betroffenen iranischen Regionen Sistan und Baluchistan, Hatam Narouji, sagte der Nachrichtenagentur Isna: "Glücklicherweise hat es durch das Erdbeben keine Todesopfer gegeben." Mehr als 20 Dörfer in der Region hätten allerdings schwere Schäden erlitten, zitierte die Nachrichtenagentur Fars das Gesundheitsministerium. Der iranische Rote Halbmond entsandte 20 Rettungsmannschaften. Für die Region wurde der Notstand erklärt.

Das Epizentrum lag in einem kaum bewohnten Wüstengebiet nahe der Grenze zu Pakistan. In Pakistan kamen nach Angaben regionaler Behörden mindestens 34 Menschen ums Leben. Nach Angaben des pakistanischen Staatsfernsehens stürzten allein in dem Grenzort Mashkail mehr als tausend Lehmhäuser in sich zusammen. Iranische Medien und Behörden hatten mit einer großen Katastrophe gerechnet. Es werde befürchtet, dass es Hunderte Tote gegeben haben könnte, hieß es.

Das Zentrum des Bebens lag rund 90 Kilometer von der iranischen Stadt Khash entfernt. In der Stadt, die im gleichnamigen Bezirk liegt, leben etwa 57.000 Menschen. In der etwa ebenso nahe gelegenen Stadt Saravan im Osten Irans seien keine schweren Schäden gesichtet worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Der Präfekt von Saravan sprach von 27 Verletzten. Den staatlichen Medien zufolge wurden aber die Strom- und Telefonverbindungen in den größten Teilen der Provinzen Sistan und Baluchistan unterbrochen. Das iranische Atomkraftwerk Bushehr sei nicht beschädigt worden.

Flucht ins Freie

Das Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ) teilte mit, das Beben habe eine Stärke von 7,7 gehabt. Selbst in der indischen Hauptstadt Neu Delhi war der Erdstoß noch deutlich zu spüren.

Über die Tiefe des Bebens gab es zunächst unterschiedliche Angaben internationaler Bebendienste - kurz nach einem Beben gibt es zu wenig Daten, um den Ursprung der Erschütterungen präzise zu lokalisieren: Der USGS meldete erst 15 Kilometer - solch ein flaches Beben würde für äußerst heftige Erschütterungen an der Erdoberfläche sorgen. Mittlerweile hat der USGS die Angabe auf 83 Kilometer Tiefe korrigiert. Das wäre eine gute Nachricht, denn die Bebenwellen wären am Boden weniger stark. Das GFZ hingegen verortet das Beben in einer Tiefe von 89 Kilometern.

Das Beben war bis in die benachbarten Golf-Monarchien, in Nordindien sowie bis Islamabad, der Hauptstadt Pakistans, zu spüren. In der südpakistanischen Metropole Karachi bebten die Gebäude so heftig, dass viele Menschen in Panik auf die Straße liefen. Zahlreiche Bürogebäude und Wohnhäuser in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Quetta und Karatschi wurden geräumt. Viele Menschen verließen ihre Häuser aus Angst vor Nachbeben, die unweigerlich folgen werden.

Geschäftsleute und Angestellte aus Karatschi berichteten SPIEGEL ONLINE, aus allen Gebäuden seien Menschen geströmt und hätten sich im Freien in Sicherheit gebracht. "Wir wussten sofort, dass das ein außergewöhnlich schwere Beben ist", sagte Fabrikarbeiter Mohammed Jaleel. Ob es Schäden an Gebäuden oder gar Verletzte und Tote gegeben habe, konnte niemand bestätigen.

Tektonische Schraubzwinge

Selbst in der indischen Hauptstadt Neu Delhi, die mehr als 1500 Kilometer entfernt liegt, war der Erdstoß noch deutlich zu spüren. Nach dem schweren Erdbeben im Iran befürchten die Behörden vor Ort hunderte Tote. Es sei mit einer Opferzahl in dieser Größenordnung zu rechnen, sagten Vertreter der iranischen Behörden am Dienstag.

Iran liegt in einer geologisch fragilen Gegend. Von Süden her schiebt sich die Arabische Erdplatte unter das Land. Zwischen der nördlich gelegenen Eurasischen Platte und östlichen Indischen gerät Iran unter Druck wie in einer Schraubzwinge. Immer wieder bricht das Gestein im Untergrund - es bebt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat dem Iran Hilfe bei der Bewältigung des schweren Erdbebens angeboten. Deutschland sei bereit, humanitäre Hilfe zu leisten, erklärte er. Den Angehörigen und Freunden der Opfer sprach er sein Beileid aus. "Die Nachrichten über zahlreiche Todesopfer nach dem schweren Erdbeben in Iran erfüllen uns mit großer Trauer", sagte Westerwelle.

Erst vor einer Woche waren bei einem Erdbeben in Iranmindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Im Dezember 2003 waren bei einem Beben in der südlichen Stadt Bam 31.000 Menschen ums Leben gekommen - ein Viertel der dortigen Bevölkerung. Die Gebäude in der Region gelten als wenig erdbebensicher.

boj/kaz/dpa/Reuters



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