Erdbeben in China Schlammlawinen ließen CO2-Ausstoß massiv steigen

Die Erdrutsche nach dem Erdbeben in China im vergangenen Jahr haben dafür gesorgt, dass große Mengen zusätzliches CO2 in die Atmosphäre gelangt sind. Das haben US-Forscher jetzt errechnet - und prognostiziert, dass der Effekt noch jahrelang anhält.


Als am Nachmittag des 12. Mai 2008 für rund drei Minuten die Erde in der chinesischen Provinz Sichuan bebte, lag das Epizentrum im Gebiet Wenchuan. In 19 Kilometern Tiefe bewegten sich dort, an der Longmenshan-Verwerfungszone, die Indisch-Australische und die Eurasische Platte gegeneinander - mit verheerenden Folgen: Der Erdstoß mit der Stärke von 7,9 kostete rund 70.000 Menschen das Leben, etwa 400.000 wurden verletzt. Das Beben zerstörte nicht nur rund fünf Millionen Häuser, sondern die Infrastruktur einer ganzen Region.

Dazu kamen weitere Schäden durch Fluten und Erdrutsche, für die das Beben verantwortlich war. Und genau diese Erdrutsche könnten dem Beben sogar eine globale Bedeutung geben. US-Forscher um Diandong Ren von der University of Texas in Austin berichten im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" von eindrücklichen Folgen für das Weltklima.

Demnach könnten die Erdrutsche jahrelang für einen Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich sein. Die Rede ist von 105 Megatonnen CO2, das wären zwei Prozent des globalen Ausstoßes an Klimagasen durch Verbrennung fossiler Treibstoffe. Die Forscher leiten ihre Aussagen aus einem von ihnen entwickelten Computermodell ab, das die Umweltauswirkungen von Erdrutschen bestimmen hilft. Dabei wird der Rechner unter anderem mit Details zur Bodenmechanik, zum Wurzelwerk der Vegetation und zu den Niederschlägen gefüttert.

Das Beben von Sichuan bot unheilvoll perfekte Bedingungen für besonders verheerende Erdbewegungen. Die Hänge der tief eingeschnittenen Täler sind in dem Gebiet besonders steil, der Boden war durch die Regenzeit im Mai wassertriefend und aufgeweicht. Dazu wurde das Gebiet immer wieder von Nachbeben erschüttert, die immer neue Geländeabgänge auslösten.

Die Folgen waren nicht nur kurzfristig dramatisch: Pflanzen und die oberen Bodenschichten wurden in den betroffenen Gebieten mitgerissen. Dadurch wurden dem Erdreich nach Ansicht der Forscher zum einen Nährstoffe wie Stickstoff geraubt - für weiteres Pflanzenwachstum essentiell. Zum anderen wurden die von den Erdrutschen mitgerissenen und von Erdmassen bedeckten Pflanzen mit der Zeit zersetzt - und geben deswegen CO2 und das als Lachgas bekannte Gas Distickstoffmonoxid ab.

Die Folgen dieser Entwicklungen, so warnen die Forscher, seien langfristig; auch wenn sich das auf den ersten Blick nicht recht erkennen lasse: "Von oben betrachtet wird die Gegend schon in einigen Jahren wieder grün aussehen", sagt Forscher Ren. "Das liegt daran, dass das Gras schnell wieder wächst. Aber die Nährstoffe im Boden werden sich nur langsam erholen, dadurch wachsen auch andere Arten von Pflanzen nicht."

Bereits bei anderen Naturkatastrophen hatten Wissenschaftler über negative Klimafolgen berichtet. So hatte zum Beispiel der Hurrikan "Katrina" größere Mengen an Pflanzen zerstört und damit in einem ähnlichen Maß wie die Erdrutsche in China zum Anstieg der CO2-Emissionen beigetragen.

chs



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