Oklahoma: Ölförderung soll Erdbeben verursacht haben

Beben von Oklahoma: Ziegel vom Haus gefallen Zur Großansicht
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Beben von Oklahoma: Ziegel vom Haus gefallen

Bei der Förderung von Erdöl im US-Staat Oklahoma wurden jahrelang große Mengen Abwasser in die entleerten Ölquellen gepresst. Dadurch wurde das starke Beben im November 2011 verursacht, meinen Forscher.

Hamburg - Erdbeben, die im November 2011 die Stadt Prague im US-Staat Oklahoma erschüttert hatten, sollen vom Menschen ausgelöst worden sein. Eine Studie zeigt, dass die Erschütterungen wahrscheinlich durch große Mengen Abwasser verursacht wurden, die in ausgebeutete Ölquellen gepumpt worden waren.

Die Bebenserie vom 6. November 2011 zerstörte 14 Häuser, eine Schnellstraße und verletzte zwei Menschen. Der heftigste Schlag hatte eine Stärke von 5,7. Beben ab Stärke vier sind in der näheren Umgebung zu spüren, ein Ruck von 5,7 ist etwa 800-mal stärker. Das Beben von Oklahoma war mehr als tausend Kilometer weit zu spüren. Es wäre nicht der erste Fall: Immer wieder hatten menschliche Aktivitäten die Erde ins Wanken gebracht.

18 Jahre lang wurde Abwasser, das bei der Ölförderung angefallen war, in den Boden gepresst, um es zu entsorgen. Die Verklappung erschien wenig problematisch, weil das Schmutzwasser dorthin trieb, wo zuvor Jahrmillionen lang das Erdöl steckte. Zudem soll die Wassermenge im Vergleich zu ähnlichen Projekten vergleichsweise gering gewesen sein. Der Druck aber wurde anscheinend dennoch zu groß, berichten Forscher um Katie Keranen von der University of Oklahoma nun im Fachblatt "Geology".

Kleine Ursache, große Wirkung?

Nur 200 Meter entfernt von der Stelle, wo das Wasser eingepresst wurde, befand sich den Forschern zufolge eine bekannte Gesteinsnaht, die sogenannte Wilzetta-Störung. Sie habe dem Druck des Abwassers nicht standgehalten, schreiben die Geoforscher: Das Gestein ruckte mehrfach entlang der Naht - es bebte. Der Geologische Dienst von Oklahoma gibt allerdings zu bedenken, dass sich die Spannung im Untergrund auch von selbst gelöst haben könnte, das Beben also natürlich entstanden sein könnte. "Weitere Untersuchungen sind in Arbeit", sagt der Seismologe Austin Holland von der Behörde.

Die Studienautoren sehen ihr Ergebnis mit Sorge: Offenbar könnten selbst vergleichsweise kleine Einwirkungen des Menschen relativ große Beben auslösen, resümiert Geoffrey Abers, Seismologe an der Columbia University, Mitautor der Studie. Insbesondere in der Nähe von längeren Gesteinsnähten sei das Risiko des Einpressens von Wasser anscheinend erheblich.

Derzeit wird das Risiko des sogenannten Frackings diskutiert. Dabei werden riesige Mengen Flüssigkeit in den Boden gepresst, um Gas zu fördern. Deutsche Forscher hatten jüngst empfohlen, Fracking in der Nähe von Untergrundnähten zu verbieten.

boj

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