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Beben vor Chile: Schlag in der seismischen Lücke

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Der Schlag hatte die Wucht eines 50 Meter dicken Meteoriten: Vor Chile hat sich das weltweit stärkste Beben des Jahres ereignet, das Ausmaß der Schäden ist unklar. Der Ruck ereignete sich in einer geologisch besonderen Region.

Hamburg - Das weltweit heftigste Erdbeben des Jahres hat die Nordwestküste Chiles erschüttert. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Alle Folgen der Erschütterungen werden aber erst bei Helligkeit deutlich werden. Kleinere Tsunamis wurden an die Küste geschwemmt; zuvor war vor den Wellen gewarnt worden.

Das Beben der Stärke 8,2 ereignete sich geologischen Diensten zufolge 20 bis 30 Kilometer unter dem Meeresgrund. Es hatte ungefähr die Wucht des Einschlags eines 50 Meter dicken Meteoriten, ähnlich jenem, der den Barringer-Krater in die Wüste Arizonas schlug. Beben dieser Stärke treten gewöhnlich weltweit nur einmal pro Jahr auf. Bis nach Ecuador und Kolumbien im Norden Südamerikas zitterte merklich die Erde, die Bebenwellen querten den gesamten Globus.

Nationale Behörden ordneten die Evakuierung mehrerer Ortschaften entlang der Küste an. Hunderttausende Menschen waren betroffen. Präsidentin Bachelet schickte eine Eliteeinheit der Streitkräfte in die Region. Wochenlang drohen heftige Nachbeben; und auch weitere Starkbeben sind möglich, die seismische Lücke dürfte noch nicht geschlossen sein.

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Lange erwartetes Beben: Der Schlag vor Iquique
Seismische Lücke

Das Beben war lange erwartet worden; es ereignete sich in einer berühmten geologischen Region: der sogenannten seismischen Lücke von Iquique. Seit fast 150 Jahren gab es dort auf rund 700 Kilometer Länge kein Starkbeben mehr.

In dieser Zeit ist die Spannung im Untergrund stetig gestiegen: Mit mehr als einem halben Zentimeter pro Monat ruckelt der Pazifikboden unter den südamerikanischen Kontinent. Beide Erdplatten verhaken sich. Um 1.46 Uhr deutscher Zeit (20.46 Uhr Ortszeit) löste sich die Spannung 95 Kilometer vor der Ortschaft Iquique - es bebte.

"Bei anderen Beben dauern die Erschütterungen höchstens 40 Sekunden - aber dieses Beben fühlte sich an, als würde es zwei Minuten anhalten", sagte Patrick Moore, der rund 420 Kilometer entfernt von Iquique wohnt, zu Journalisten. Glücklicherweise ereignete sich das Beben in größerer Tiefe, so dass seine Wellen im Gestein gepuffert wurden.

Unruhe seit Anfang März

Mitte März begann die Erde unruhig zu werden. Mehrere Beben der Stärke 6 erschütterten den Meeresboden. Im Nachhinein lässt sich feststellen, dass sich mit dem Ruckeln beide Erdplatten voneinander zu lösen begannen. Als Alarmsignal hätten die Beben nicht getaugt: Nie lässt sich sagen, ob einem Beben ein stärkeres folgen wird.

Entlang des 7000 Kilometer langen Unterseegrabens vor der Westküste Südamerikas schieben sich die Erdplatten seit Jahrmillionen übereinander - dabei erhob sich das Vulkangebirge der Anden: Unter dem Druck der Tiefe verliert das Gestein der abtauchenden Platte ihr Wasser. Das Wasser steigt auf und senkt den Schmelzpunkt darüberliegenden Gesteins, das teils zu Magma schmilzt - ähnlich wie Streusalz den Schmelzpunkt von Eis senkt, so dass es taut. Das Magma speist Vulkane.

An der Knautschzone der Erdplatten wird die Westküste Südamerikas immer wieder von fatalen Beben erschüttert. Zuletzt starben dort vor vier Jahren Hunderte Menschen bei einem der stärksten je gemessenen Beben. Am 22. Mai 1960 wurde vor Chile das bislang stärkste Beben gemessen; mehr als 1600 Menschen kamen ums Leben.

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Kann also nur ein Vorbeben sein
plagiatejäger 02.04.2014
Aber wieso hat man dort kein AKW gebaut. In Japan baut man überall im Erdbebengebiet AKWs und heutzutage explodiert durchschnittlich alle 10 Jahre ein Reaktor (1x Tschernobyl, 3x Fukushima, und 1x fast Harrisburg --- jetzt ist bald wieder Europa dran, statistisch)
2. Guter Spiegel-Artikel
neogener 02.04.2014
Respekt ! Endlich mal ein Artikel im Spiegel, der wissenschaftlich fundiert und interessant ist und nicht gleich nach Sensaton giert oder womöglich nach Schuldigen für fehlende Vorwahrnung etc. sucht, wie es leider bei vielen Medien mitterweile zur Gewohnheit geworden ist. @plagiatejäger: Ihr Kommentar ist hier igrendwie überflüssig und passt an dieser Stelle nicht wirklich zum Thema.
3.
boer640 02.04.2014
Zitat von neogenerRespekt ! Endlich mal ein Artikel im Spiegel, der wissenschaftlich fundiert und interessant ist und nicht gleich nach Sensaton giert oder womöglich nach Schuldigen für fehlende Vorwahrnung etc. sucht, wie es leider bei vielen Medien mitterweile zur Gewohnheit geworden ist. @plagiatejäger: Ihr Kommentar ist hier igrendwie überflüssig und passt an dieser Stelle nicht wirklich zum Thema.
2xZustimmung.
4.
der.tommy 02.04.2014
die aussage, dass das beben so stark war wie ein 50m grosser meteorit ist leider wenig hilfreich. das haengt maßgeblich vom einschlagswinkel und der einschlagsgeschwindigkeit ab. von letzterer sogar quadratisch und von der masse nur linear. der vergleich hinkt leider. ansonsten ein wirklich aufschlussreicher artikel!
5.
matthias.richter39 02.04.2014
Zitat von plagiatejägerAber wieso hat man dort kein AKW gebaut. In Japan baut man überall im Erdbebengebiet AKWs und heutzutage explodiert durchschnittlich alle 10 Jahre ein Reaktor (1x Tschernobyl, 3x Fukushima, und 1x fast Harrisburg --- jetzt ist bald wieder Europa dran, statistisch)
Ist die Rohstoffabhängigkeit von Japan vergleichbar mit Süd-Amerika?
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