Fleißige Insekten Bienen bringen Landwirtschaft Milliarden ein

Schwindet die Artenvielfalt, hat der Mensch den Schaden. Wie groß dieser ist, lässt sich aber meist schwer beziffern. Jetzt haben Forscher versucht, den Wert der Arbeit von Bienen zu berechnen. Sie kommen auf gigantische Summen.

Biene an einer Blüte: Arbeit von Milliardenwert
DPA

Biene an einer Blüte: Arbeit von Milliardenwert


Stirbt wieder einmal eine Spezies aus, trauern ihr vor allem Umweltschützer nach, während Ökonomen meist mit den Schultern zucken. Ein Grund: Wie viel Artenvielfalt wert ist, lässt sich meist kaum berechnen. Jetzt aber hat eine Forschergruppe genau das am Beispiel von Bienen getan, die Erdbeeren befruchten.

Das deutliche Ergebnis der Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift "Proceedings of the Royal Society B" erschienen ist: Wenn Bienen Nutzpflanzen bestäuben, erhöht das nicht nur den Ertrag, sondern verbessert auch die Qualität der Früchte. Bei Erdbeeren ergebe sich durch die Arbeit der Bienen ein Handelswert, der um 54 Prozent höher liege als bei Selbstbefruchtung der Pflanzen, schreiben die Wissenschaftler um den Biologen Björn Klatt von der Universität Göttingen. Sie schätzen den Wert der Bestäubung durch Bienen allein für Erdbeeren, die in der EU verkauft werden, auf jährlich gut eine Milliarde Euro.

"Die durch Bienen bestäubten Früchte waren schwerer, hatten weniger Missbildungen und erreichten eine höhere Handelsklasse", heißt es in dem Beitrag. Zugleich wiesen die Erdbeeren weniger gelbe und grüne Stellen auf, hatten ein günstigeres Zucker-Säure-Verhältnis und waren fester. Die festeren Erdbeeren ließen sich rund einen Tag länger lagern, bevor sie verdarben. Auch deshalb wiesen ihnen die Forscher einen höheren Handelswert zu.

Im Feldversuch pflanzten die Biologen neun wichtige Erdbeersorten an. Durch feinmaschige Gewebe an den Knospen sorgten sie dafür, dass manche Pflanzen nicht von Bienen und vom Wind bestäubt werden konnten. Diese Pflanzen konnten sich nur selbst befruchten. Eine andere Gruppe von Pflanzen konnte vom Wind, eine dritte Gruppe auch von Bienen bestäubt werden. Im Ergebnis waren die durch Bienen bestäubten Früchte durchschnittlich elf Prozent schwerer als die windbestäubten und sogar 30 Prozent schwerer als die selbstbestäubten.

Forscher kritisieren EU-Agrarpolitik

Klatt und Kollegen erklären dies damit, dass die Bienen bei ihrem Besuch die Pollen gleichmäßig auf dem Fruchtboden verteilen. Dadurch entstünden mehr befruchtete Achänen, die eigentlichen, nussartigen kleinen Früchte der Erdbeere. Die Befruchtung sorge dafür, dass pflanzliche Wachstumshormone ausgeschüttet würden. Missbildungen und weiche Stellen gebe es hingegen vor allem in jenen Bereichen der Erdbeerfrucht, die einen großen Anteil unbefruchteter Achänen aufweisen, schreiben die Wissenschaftler.

Da Pflanzenhormone die Qualität von Früchten bei vielen Nutzpflanzen beeinflussen, halten die Forscher ihre Ergebnisse für übertragbar auf andere Feldfrüchte. Sie kritisieren, dass die gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union (EU) durch die Förderung einer sehr intensiven Landwirtschaft jene Ökosysteme gefährde, die natürliche Dienstleistungen wie Bestäubung möglich machten. Im Feldversuch waren es zu knapp zwei Dritteln Wildbienen, die die Pflanzen bestäubten, trotz fünf Bienenstöcken mit Honigbienen in unmittelbarer Nähe.

Erst kürzlich hatte eine Studie ergeben, dass Bienen in Industrieländern einem Cocktail von Pestiziden ausgesetzt sind - und dass nicht nur Insektizide, sondern auch Pilzvernichtungsmittel die Insekten schwächen können.

Es könnte ein Grund für das seit Jahren in Europa und Nordamerika grassierende Bienensterben sein. Neben Pestiziden werden auch Krankheitserreger, Klimaveränderungen und fehlende Pflanzenvielfalt dafür verantwortlich gemacht - wahrscheinlich beruht das Phänomen auf einer Kombination dieser Faktoren. Die EU hat kürzlich die Nutzung mehrerer Insektizide zeitweise verboten oder stark eingeschränkt.

mbe/dpa



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