Erderwärmung Britisches Institut veröffentlicht globale Klimadaten

Überzeugt die Aktion jene Skeptiker, die nicht an eine Erderwärmung glauben? Britische Klimaforscher haben die Daten von mehr als 5000 Wetterstationen veröffentlicht.

Eisschmelze in der Arktis: Forscher wollen Skeptiker mit Transparenz begegnen
DPA

Eisschmelze in der Arktis: Forscher wollen Skeptiker mit Transparenz begegnen


Als im November 2009, kurz vor der Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen, mehr als tausend E-Mails britischer Klimaforscher veröffentlicht wurden, geriet eine eigentlich für sicher gehaltene Annahme ins Wanken: Erwärmt sich die Erde wirklich? Skeptiker sahen in den E-Mails den Beweis, dass die Klimaprognosen auf windigen Berechnungen beruhten, dass die Forscher unsauber arbeiten würden - und sich dessen durchaus bewusst seien.

Eine unabhängige Untersuchungskommission kam ein halbes Jahr später zum Ergebnis, dass die Mitarbeiter der Climatic Research Unit (CRU) an der University of East Anglia sauber gearbeitet hatten. Die sogenannte "Climagate"-Affäre war damit eigentlich beendet, doch die Angriffe von Skeptikern haben seither kaum nachgelassen.

Weil die beste Waffe der Wissenschaftler Fakten sind, empfahl das britische Klimaforschungszentrum Met Office noch vor der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts, alle Klimadaten im Netz für jedermann zugänglich zu machen, bei maximaler Transparenz, und mit kritischen Würdigungen darüber, wie verlässlich die jeweiligen Informationen wirklich sind.

Das Met Office schätzte damals, das Großprojekt werde mindestens drei Jahre dauern. Damit lag es falsch: In dieser Woche verkündete die CRU, sie stelle ab sofort auf ihrer Internetseite Daten zu Verfügung, die in den vergangenen 150 Jahren von weltweit 5113 Wetterstationen aufgezeichnet wurden.

"Wir waren der Meinung, dass die Daten allgemein verfügbar sein sollten"

"Wir veröffentlichen die Daten, um das Märchen zu zerstreuen, die Daten seien manipuliert worden, und wir würden Geheimniskrämerei betreiben", begründete Trevor Davies, Vizekanzler der University of East Anglia, den Schritt in der Zeitschrift "New Scientist". "Wir haben die Daten veröffentlicht, um diejenigen zu widerlegen, die sagen, es gebe keine Beweise für die globale Erwärmung."

Die neue Transparenz beruht nicht auf einer Idee von Davies oder seiner Universität. Vor zwei Jahren stellten der Computerspezialist Jonathan Jones von der Oxford University und der Biologe Don Keiller von der Anglia Ruskin University in Cambridge einen Antrag beim "Information Commissioner's Office" (ICO). Das Office ist eine unabhängige Stelle, die sich in Großbritannien um Datenschutz und Informationsfreiheit kümmert. Keiller und Jones wollten erreichen, dass die CRU Daten aus Trinidad und Tobago herausgibt, die bereits Forscher in den USA erhalten hatten.

"Es ging uns ums Prinzip", sagte Jones der BBC. "Diese Daten waren für sich nicht interessant, aber wir waren der Meinung, dass sie allgemein verfügbar sein sollten, dass Leute dafür nicht extra einen Antrag stellen müssen."

Als sein Antrag von der Universität abgelehnt wurde, entschied er, "die Sache bis zum Äußersten zu treiben". Das ist ihm gelungen - trotz des Widerstands der University of East Anglia. Die hatte argumentiert, die Veröffentlichung könne internationalen Beziehungen schaden und die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in anderen Ländern erschweren. Schließlich seien die Daten nicht im Besitz der CRU, sondern der staatlichen Wetterdienste. Nicht alle stimmten der Veröffentlichung zu: Viele antworteten nicht auf die Anfrage des Met Office, Trinidad und Tobago wünschte gar, seine Daten zurückzuhalten.

Doch das ICO entschied, dass das öffentliche Interesse an den Daten wichtiger sei als die Bedenken der Universität. Nun wurden die Daten von allen Wetterstation veröffentlicht, darunter auch die aus Trinidad und Tobago. Nur Polen verweigerte erfolgreich die Freigabe seiner Daten, ein Grund wurde nicht genannt.

"Die Kritiker werden weitermachen"

Vizekanzler Davies ist sich sicher, dass die Auswertung der Daten den Anstieg der Temperaturen erneut belegen werde. Ob das aber die Skeptiker zum Schweigen bringen kann? Forscher zeigten sich wenig überzeugt.

"Man kann hoffen, dass dies der unaufhörlichen Diskussion über die CRU-Temperaturen ein Ende bereitet", sagte Gavin Schmidt von der Columbia University in New York in "New Scientist". Aber die Erfahrungen mit Gistemp, eine Datenbank, die jahrelang öffentlich zugänglich war, würden zeigen, "dass die Kritiker weitermachen werden, weil sie Menschen sind, die niemals überzeugt sein werden". Auch Bob Ward, Sprecher des Klimaforschungsinstituts der London School of Economics, glaubt nicht an ein Ende des Streits: "Ich glaube leider, dass es nur eine neue Runde von Attacken auf das CRU und das Met Office einläuten wird."

Zumindest über mangelnde Transparenz können sich Kritiker nun nicht mehr beschweren.

bim

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1274 Beiträge
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Seite 1
günter1934 30.07.2011
1. *
Zitat von sysopÜberzeugt die Aktion jene Skeptiker, die nicht an eine Erderwämung glauben? Britische Klimaforscher haben die Daten von mehr als 5000 Wetterstationen veröffentlicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,777520,00.html
Ich war bis jetzt der Meinung, dass diese Daten öffentlich sind. Also alles, was bis jetzt an Temperaturdaten bekannt war, ist geheim und was veröffentlicht wurde geschönt?
martian-spy-trap 30.07.2011
2. Fehler in der Überschrift...
Zitat von sysopÜberzeugt die Aktion jene Skeptiker, die nicht an eine Erderwämung glauben? Britische Klimaforscher haben die Daten von mehr als 5000 Wetterstationen veröffentlicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,777520,00.html
das l in global ist verschütt gegangen. Aber eigentlich ist die Meldung schon heute nicht mehr viel wert. Denn... http://hotair.com/greenroom/archives/2011/07/28/nasa-satellite-data-refutes-alarmist-climate-model-predictions/ Daraus: “The satellite observations suggest there is much more energy lost to space during and after warming than the climate models show,” Kurz: Das Klimamodell ist Murks! Die Erde erwärmt sich nicht so, wie bisher angenommen. Aus der Auswertung neuester Satellitendaten ist ersichtlich, dass die Atmosphäre die eventuelle Erderwärmung viel stärker ins Weltall abgibt als mit den Computermodellen bisher berechnet wurden.
sagichned 30.07.2011
3. ...
Zitat von sysopÜberzeugt die Aktion jene Skeptiker, die nicht an eine Erderwämung glauben? Britische Klimaforscher haben die Daten von mehr als 5000 Wetterstationen veröffentlicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,777520,00.html
Diese sog. "klimadaten" sind keineswegs global. Die meisten dieser stationen befinden sich in städten und flughäfen, wo es alleine schon durch bebauung zu erhöhten temperaturen kommt. In der pampa - steppen, wüsten, urwäldern gibt es kaum stationen und auf den ozeanen schon garnicht. Mit diesem schwachsinn wurde schon von 20 Jahren im australischen dkumentalfilm "klimaschwindel" aufgeräumt. Und zweitens, selbst wenn die erde sich erwärmt. Wo bleibt der beweis, dass der mensch dran schuld ist?
dido07 30.07.2011
4. Wo stehen die Wetterstationen?
Vor Klimaanlagen? Hinter Flugzeugen? Kein Witz. http://climaterealists.com/index.php?id=8073 http://www.eike-klima-energie.eu/news-cache/neues-wissenschaftliches-experiment-widerlegt-treibhauseffekt/
glaubblosnix 30.07.2011
5. Ja ja, die
bösen Kritiker. Hat mal jemand geprüft wieweit weg die Messdaten von Städten genommen wurden? Nein, ich nicht, ich vermute aber mal wieder das übliche. In der Nähe von Städten wird es immer wärmer, leider liegen dort auch oft die Messtationen. Und wenn die globale Durchschnittstemperatur auch steigt, wer ist dran Schuld? CO2 bestimmt nicht. http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13466483/Die-CO2-Theorie-ist-nur-geniale-Propaganda.html
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