Erderwärmung: Klimaforscher protestieren gegen Institutsdirektoren

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Maximal zwei Grad wärmer - dieses Klimaziel halten die Direktoren dreier deutscher Geoforschungsinstitute für wenig sinnvoll. Jetzt protestieren namhafte Forscher gegen die Äußerungen.

Klimawandel in Asien: Die fünf am schlimmsten betroffenen Städte Fotos
REUTERS

Hamburg - Unter den deutschen Klimatologen gibt es Streit über die Haltung zur globalen Erwärmung. Die Direktoren des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI), des Geoforschungszentrums Potsdam und des Senckenberg-Zentrums hatten unlängst in einem Zeitungsinterview Zweifel an der Beweislage für den vom Menschen verursachten Klimawandel geäußert und das politische Ziel einer Begrenzung der Erwärmung auf zwei Grad für "praktisch unsinnig" erklärt. Dieses Interview hat in den eigenen Instituten und bis weit in die Gemeinde der Klimawissenschaftler für heftige Diskussionen gesorgt.

Jetzt haben namhafte Forscher eine Protestnote gegen diese Äußerungen verfasst und ihr "großes Befremden" darüber geäußert. Die Sichtweise der Institutschefs lasse "die Geowissenschaften in einem falschen Licht dastehen", schreiben die Autoren, darunter der Fachbereichsleiter Klimawissenschaften am AWI, Peter Lemke. Mit unterzeichnet haben auch der Berner Glaziologie-Professor und ehemalige AWI-Forscher Hubertus Fischer, der Leibniz-Preisträger Gerald Haug, Professor für Klimageologie, und Nicolas Gruber, Professor für Umweltphysik, beide an der ETH Zürich.

Die wissenschaftlichen Fakten, dass der Mensch mit dem Verbrennen fossiler Energieträger die Erdatmosphäre verändert seien klar, schreiben die Initiatoren des Appells. Bei einer Zunahme der globalen Temperatur über zwei Grad riskiere die Menschheit das Überschreiten von Klimaschwellenwerten mit gefährlichen Auswirkungen etwa auf das Abschmelzen des Eises in der Arktis und der Instabilität des westantarktischen Eisschildes.

Die von der Politik formulierten Klimaziele müssten besonders aus geowissenschaftlicher Sicht erreicht werden, "da eine Welt mit dann wohl neun Milliarden Menschen mit massiven Veränderungen beim Überschreiten von kritischen Klimaschwellenwerten allein durch Adaption nicht klarkommen kann", heißt es in dem Kommuniqué, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

"Dramatische Folgen für die Menschheit"

Die Geoforscher verweisen dabei auf die Erdgeschichte, wo es einen um drei Grad Celsius wärmeren Planeten Erde mit einer atmosphärischen CO2-Konzentration von mehr als 400 ppm ( ppm = parts per million) zuletzt vor drei Millionen Jahren in der pliozänen Warmzeit gegeben habe, als die Nordhemisphäre im Wesentlichen eisfrei war und der Meeresspiegel um mindestens sieben Meter über dem heutigen Niveau lag.

"Eine Atmosphäre mit einem CO2-Gehalt von etwa 800 ppm gab es zuletzt vor etwa 40 Millionen Jahren. Damals war die Erde etwa fünf Grad Celsius wärmer, eisfrei und der Meeresspiegel lag um mehr 70 Meter höher als heute", so die Forscher und warnen davor, dass der Mensch bei CO2-Konzentrationen jenseits von 450 ppm damit zu rechnen hat, noch in diesem Jahrhundert einen Klimazustand wie vor drei Millionen Jahren initiieren könne. "Mit dramatischen Folgen für die Menschheit", so schließen sie.

Die Initiatoren des Appells pochen darauf, dass "ein Erfolg eines Klimaabkommens im Dezember auf der Kopenhagener Konferenz große Dringlichkeit" habe. Allerdings gilt es inzwischen als wenig wahrscheinlich, dass in der dänischen Hauptstadt im Dezember tatsächlich verbindliche Ziele vereinbart werden.

Beim Gipfel des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Singapur hatten die beteiligten Staaten, darunter China, Russland und die USA, bilanziert, dass mit einem völkerrechtlich verbindlichen Klimaschutzabkommen in Kopenhagen nicht zu rechnen sei. Denkbar sei lediglich eine politische Absichtserklärung. Als Grund für die Entwicklung gilt vor allem das Zögern der US-Regierung. China erklärte außerdem, dass man das Ziel einer Reduzierung von CO2-Emissionen um 50 Prozent bis 2050 gestrichen habe.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
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1. Klimaforscher protestieren gegen Institutsdirektoren
psalm91 17.11.2009
Die fürchten nur um ihre Jobs! http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=3897759#post3897759
2. ich weis das ich nichts weis
golomann 17.11.2009
die erkenntniss, das weltklima darf 2 grad des vorindustriellen zeitalters nicht überschreiten ist doch selbst für einen laien unglaubhaft. zum einen fehlen ja die daten auf der südhalbkugel komplett, zum anderen hätte man auch 2,5 oder 1.8 oder sonst irgeneine zahl nehmen können. wer will glaubhaft machen er hätte die lösung, wieviel gramm von was, den nun eingespart werden muss damit wir die magische zahl nicht überschreiten? als grönland noch grün war, nicht vor 40 millionen jahren sondern vor 500, als die wikinger dort hausten, war es bestimmt auch wärmer als heute. es ist mal wieder ein typischer streit zwischen gelehrten die sich wiedersprechen und somit zugeben das 100%tig eben gar nichts bewiesen ist. durchsetzen wird sich der, der den geldbeutel an der richtigen stelle klingeln läst.
3. Wenn der Ruhm und Einfluss mal weg ist, dann ist das Gejaule groß
fc-herrenturnverein 17.11.2009
Na da würde ich auch fest protestieren, wenn mir so meine Argumentationsgrundlage meiner eigenen neuen und geliebten Allmacht verloren ginge. Ist ja nur verständlich, erst werden die früher ausgelachten und belächelten Öko-Forscher mit Bart und Strickpulli die berühmten Mahner und Aufrüttler einer Gutmenschengesellschaft und werden per se die wichtigsten Retter des Planeten (sehr sexy) und dann kommt eine Wirtschaftskrise, auf der andere Untergangspropheten die Welle reiten und nun sogar noch dummerweise wissenschaftliche Fakten (oder eben doch nur Meinungen in diesem großen Unsicherheitsgebiet), die die Ökoapostel komplett entzaubern. Da ist das Lamento groß. Aber irgendein skrupelloser Politiker (Gore, Merkel, Gabriel, Westerwelle, Berlusconi ...) wird sich deren Angstgeschrei schon zum Vehikel für neue Popuarität machen und so die Gutmenschen hinter sich mobilisieren und irgendwo brennen gutversicherte SUVs. Alles nur ein Reflex: Wissenschaftler und Politiker haben gelernt, dass sie eine saturierte Gesellschaft nur durch Angst regieren können (Klima, Terrorismus, Wirtschaftskrise) und nutzen munter alle Gelegenheiten, die Freiheit des Einzelnen einzuengen, denn würden sie das nicht tun, dan wären sie vermutlich unnötig und daher wegzurationalisieren. Einfach nicht hinhören, jede Äußerung ist irgendeiner Beherrschungsideologie oder dem Füllen irgendeines Geldbeutels geschuldet. Fakten? Daran glaube ich schon lange nicht mehr. Und jetzt: Beschimpft mich, ich gefährde mit solchen Aussagen die Zukunft Eurer Kinder ...
4. Das ist das Problem,
nesmo 17.11.2009
dass selbst Wissenschaftler sich nicht einig sind, wie groß die Gefahr ist und damit es allen Politikern leicht machen, Problemlösungen aufzuschieben. Solange die Wissenschaft weltweit nicht in der Lage ist, hinreichend zu belegen, welche Massnahmen erforderlich sind, werden wirtschaftliche Argumente weiter obsiegen.
5. Wissenschaftler mutieren zu Politiker
anin, 17.11.2009
Zitat von sysopMaximal zwei Grad wärmer - dieses Klimaziel halten die Direktoren dreier deutscher Geoforschungsinstitute für wenig sinnvoll. Jetzt protestieren namhafte Forscher gegen die Äußerungen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,661568,00.html
Wenn Wissenschaftler zu Politikern werden, verlieren sie an Glaubwürdigkeit. Wissenschaftler sollten durch fundierte wissenschaftliche Ergebnisse und nicht durch Kaffeesatzleserei überzeugen! Wissenschaftliche Ergebnisse sind nicht von Mehrheiten abhängig.
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Fotostrecke
Klima der Arktis: Mal heiß, mal kalt

Geo-Engineering
Pro und Contra
Wenn der Klimawandel dramatische Ausnahmen anzunehmen droht, bleibt als letzte Option wohl nur Geo-Engineering, sagen viele Forscher. Entweder man verringert die Sonneneinstrahlung auf der Erde, etwa durch Wolken oder Aerosole. Oder man filtert massenhaft CO2 aus der Atmosphäre und lässt es unter der Erde oder im Meer verschwinden. Doch so gut das auch klingt, Geo-Engineering ist umstritten.

Die einen warnen vor den Risiken und Nebenwirkungen menschlicher Eingriffe, die nur wenig erforscht sind. Die anderen fürchten, Geo-Engineering könnte die Menschheit dazu verleiten, andere Maßnahmen zum Klimaschutz gleich ganz bleiben zu lassen. Möglicherweise lässt sich mit den Eingriffen aber Zeit gewinnen. Geo-Engineering könnte für 10 oder 20 Jahre helfen, den Klimawandel zu bremsen. Um die eigentliche Aufgabe, den CO2-Ausstoß drastisch zu reduzieren, wird die Menschheit jedoch nicht herumkommen.
Mit Aeorosolen das Sonnenlicht dimmen
USGS / Cascades Volcano Observatory
Der Nobelpreisträger Paul Crutzen hat im Jahr 2006 eine Art Giftkur fürs Weltklima vorgeschlagen: Feinste Schwefelpartikel, ausgebracht in 10 bis 50 Kilometer Höhe, sollen das Sonnenlicht dämpfen. Um ein paar Prozent nur, aber das würde reichen, damit die Temperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts nur um zwei bis zweieinhalb Grad ansteigt.

Dass das Verfahren funktioniert, zeigte sich 1991 beim Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen. Mehr als 20 Kilometer hoch wurde damals die Aschewolke geschleudert. Schwefeldioxide oxidierten zu genau jenen kleinen Schwefelsäure-Tröpfchen, die Crutzen nutzen will. Der Himmel verdunkelte sich ein ganz kleines bisschen, die Temperatur sank weltweit um 0,5 Grad. Atmosphärenforscher wissen inzwischen, dass der Schwefel die Ozonschicht stark schädigen könnte und denken deshalb über andere Aerosole nach. Der Charme der Methode ist aber, dass sie vergleichsweise billig umzusetzen ist. Ein US-Forscher hat ausgerechnet, dass Militärjets die mit Abstand billigste Variante sind, um Schwefelpartikel in den Himmel zu transportieren.
Ozeane mit Eisen düngen
AWI
Seit Wissenschaftler wissen, dass Eisensulfat Plankton dazu bringt, deutlich mehr CO2 zu binden als normalerweise, gilt die Düngung der Ozeane als mögliches Klimaschutzprojekt. Damit das Verfahren tatsächlich klappt, muss das Phytoplankton nach dem Absterben zum Meeresboden sinken - und möglichst lange dort verbleiben. Forscher halten das massenweise Verschütten von Eisen in die Ozeane allerdings auch für ein riskantes Experiment: Es könnte marine Ökosysteme radikal verändern. Zudem ergaben mehrere Experimente, darunter auch von deutschen Forschern im Südmeer, dass durch eine Düngung viel weniger Treibhausgas Kohlendioxid gebunden wird als angenommen.
Sonnenschirme im All
UA Steward Observatory
Wie aus einem Science-Fiction-Roman klingt der Vorschlag, einen gigantischen Spiegel im Weltall zwischen Sonne und Erde zu positionieren, der wie ein Sonnenschirm wirkt. 1992 wurden die Kosten für ein solches Projekt grob geschätzt: Man kam auf über hundert Milliarden Dollar, um die Sonnenstrahlung um ein Prozent zu verringern. In dieser Größenordnung sollen auch die globalen Kosten des Klimawandels pro Jahr liegen. Der Spiegel müsste in etwa die Größe Manhattans haben. Von der Erde aus wäre der Spiegel praktisch nicht erkennbar, höchstens als kleiner dunkler Fleck auf der Sonne.

Die Idee wurde an der University of Arizona weiterentwickelt: Ein 100.000 Kilometer langen Schweif aus 16 Billionen Scheibchen soll im All schweben. Jedes Scheibchen soll aus transparentem Kunststoff bestehen, 60 Zentimeter groß und nur ein Gramm schwer sein. Der Effekt: Die Sonneneinstrahlung würde um 1,8 Prozent sinken.

Für die Idee eines wie auch immer aufgebauten Sonnenschirms im All spricht, dass er keine chemischen Eingriffe in die Atmosphäre erfordert, deren Folgen schwer abzusehen sind. Theoretisch ließe sich der kosmische Sonnenschutz auch wieder abbauen. Allerdings sind Klimaexperten skeptisch, ob die Idee wegen der enorm hohen Kosten praktikabel ist.
Die Wolken aufhellen
DPA
Hunderte Geisterschiffe sollen auf den Ozeane rund um die Uhr Meerwassertropfen in die Luft blasen, die Kondensationskeime bilden. Erhoffter Effekt: hellere Wolken, die mehr Sonnenstrahlung zurück ins All reflektieren und so abkühlend wirken. Die Idee besticht durch ihre verblüffend niedrigen Kosten: Nicht einmal hundert Millionen Euro pro Jahr soll die Flotte aus Roboterschiffen kosten, die ihre Energie aus dem Wind beziehen. Statt mit Segeln sollen die Boote mit sogenannten Flettner-Rotoren bestückt werden.
Künstliche Bäume (Air Capture)
Institution of Mechanical Engineers
In Kohlekraftwerken der Zukunft soll das klimaschädliche CO2 aufgefangen und unterirdisch gespeichert werden (Carbon Capture and Storage -: kurz CCS). Künstliche Bäume arbeiten im Prinzip genauso, nur dass sie das CO2 nicht aus Abgasen, sondern direkt aus der Atmosphäre herausfiltern (Air Capture). Das ist aufwendiger und auch deutlich teuerer als CCS. Doch mit Air Capture lässt sich auch schon vor Jahren emittiertes CO2 nachträglich wiedereinfangen, was mit CCS nicht möglich ist. Ein künstlicher Baum soll nach Angaben britischer Forscher etwa 20.000 Dollar kosten und könnte zehn Tonnen CO2 pro Tag absorbieren. In ganz Großbritannien müssten 100.000 derartige Bäume aufgestellt werden, um sämtliches CO2 aufzufangen, das vom Verkehr der Insel stammt.
Bäume anpflanzen, verbrennen, CO2 auffangen
DPA
CO2 aus der Luft holen - das beherrschen natürlich nicht nur teure Anlagen, sondern auch Wälder. Man müsste den in Holz einlagerten Kohlenstoff nur noch dauerhaft speichern - fertig wäre das natürliche Geo-Engineering. Forscher haben vorgeschlagen, das Holz nicht mit großem Aufwand zu lagern, sondern einfach zu verbrennen. Das dabei entstehende CO2 wird dann aufgefangen und unterirdisch gespeichert (CCS). Diese Geo-Engineering-Variante würde nicht nur analog zu Air Capture die CO2-Konzentration der Atmosphäre senken, sondern nebenbei auch Energie produzieren. Freilich gibt es auch beim gezielten Holzverbrennen Probleme. So könnten neu angepflanzte Wälder auf der Nordhalbkugel die Erdoberfläche zusätzlich verdunkeln. Folge: Es wird mehr Wärmestrahlung der Sonne absorbiert, die Temperaturen steigen.
Wer wie viel CO2 reduzieren will
EU
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.
Russland
Russland will sich dem EU-Ziel von 20 Prozent weniger Treibhausgasen bis 2020 anschließen. Basisjahr soll 1990 sein. In einem zweiten Schritt könnte die Einsparung sogar auf 25 Prozent erhöht werden. Russlands CO2-Ausstoß ist infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Anfang der neunziger Jahre ohnehin massiv zurückgegangen.
USA
Die USA planen bis 2020 eine Verminderung um 17 Prozent, allerdings bezogen auf das Basisjahr 2005. Verglichen mit 1990 bedeutet das nach Berechnungen der Bundesregierung nur ein Minus von rund sechs Prozent. Bis 2025 sollten sie dann um 30 Prozent und bis 2030 um 42 Prozent sinken - jeweils bezogen auf 2005. Ob der Senat - dort wird derzeit über ein Klimaschutzgesetz gestritten - diese Ziele unterstützt ist unklar.
Japan
Das Land hat zugesagt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 15 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu reduzieren. Das soll unter anderem durch den Bau neuer Kernkraftwerke geschehen. Umweltschützer kritisieren, dass sich bezogen auf das Basisjahr 1990 nur eine Reduktion um acht oder neun Prozent ergibt - und Japan bereits sechs Prozent Reduktion nach dem Kyoto-Protokoll zugesagt hat.
Brasilien
Brasilien hat größere freiwillige Emissionssenkungen in Aussicht gestellt. Der CO2-Ausstoß soll im Jahr 2020 zwischen 36,1 und 38,9 Prozent niedriger liegen als die bisher prognostizierten Werte. Damit lägen die Emissionen wieder auf dem Niveau von 1994. Gegenüber dem Niveau des Jahres 2005 würde der Schritt einen Rückgang von rund 20 Prozent bedeuten. Etwa ein Viertel der Zielvorgabe soll dadurch erreicht werden, dass erheblich weniger Regenwald abgeholzt wird.
China
Peking will bisher keine bindenden CO2-Reduktionsziele akzeptieren. Als freiwillige Maßnahme will China aber dafür sorgen, dass der Ausstoß an Treibhausgasen in Zukunft nicht mehr ganz so stark zulegt wie das Wirtschaftswachstum des Landes. Die Treibhausgase, die für jeden Yuan Wirtschaftsleistung ausgestoßen werden, sollen demnach bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent verringert werden. Vergleichsjahr ist 2005.
Indien
Auch Indien hat mehrfach klargemacht, dass sich das Land formalen Reduktionsverpflichtungen definitiv verweigern will.
Australien
Das Land arbeitet seine Reduktionsverpflichtungen derzeit noch aus. Diskutiert werden Vorschläge der Regierung, bis zum Jahr 2020 den CO2-Ausstoß um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 zu verringern. Wenn andere Staaten sich ebenfalls zu Reduktionen verpflichten, ist ein Minus von 15 Prozent für denselben Zeitraum in Aussicht gestellt.