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Erderwärmung: Klimawandel lässt deutsche Weinberge erröten

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Der Klimawandel liegt nicht in ferner Zukunft, er findet bereits statt - und die Beweise füllen Winzer längst in Flaschen. Rekordernten häufen sich, neue Rebsorten sind erfolgreich - inzwischen bekommen sogar deutsche Rotweine Spitzennoten.

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Ende Oktober lud das Deutsche Weininstitut (DWI), eine Art Verkaufsförderungs-Lobby der deutschen Weinwirtschaft, zu einer hochaufgehängten Verkostung internationaler und deutscher Weine in ein Londoner Nobelrestaurant. Eine renommierte Fachjury kostete sich durch 380 Weine, am Ende gab es ein tolles Ergebnis zu bejubeln: Sieben von zehn ausgezeichneten Weinen kamen aus deutschen Landen.

Ein Ergebnis wie bestellt? Dagegen spricht, dass die Juroren einen Ruf zu verlieren hätten - und die Tatsache, dass sich die Auszeichnungen für hiesige Weine in den vergangenen Jahren häufen. Das liegt vielleicht vor allem an einer neuen Garde junger, ambitionierter Winzer, die die allzu ausgetretenen Pfade der einst berüchtigten "Süßmost mit Alkohol"-Produktion lange hinter sich gelassen haben.

Es gibt aber noch einen anderen Grund: Deutscher Wein wird immer besser, weil er unter immer besseren Bedingungen heranwächst. Man kann nur anbauen, lesen und keltern, was das Klima erlaubt. Unter hiesigen Winzern herrscht Konsens: Es erlaubt immer mehr.

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Wein und Klimawandel: Alkoholischer Indikator
Nichts macht das klarer als der Londoner Erfolg. Verköstigt wurden dort nämlich nicht etwa Weißweine, die hierzulande seit langem in besten Qualitäten produziert werden. Gewonnen hatten sieben deutsche Pinot-noir-Abfüllungen. Das macht klar, dass hier tatsächlich etwas passiert: Weiß ist die Farbe des nördlichen Weins, Rot die Farbe des warmen Südens. Zumindest bisher.

Wein ist keine Pflanze "warmen" Klimas, sondern gemäßigter Zonen

Doch seit einigen Jahrzehnten gibt es Veränderungen. Wein gedeiht in einem relativ engen Bereich mit gemäßigtem Klima, den man für Europa traditionell zwischen dem 30. und 50. Breitengrad ansiedelt. Südlich davon ist es ihm zu heiß, nördlich zu kalt - auch hier aber gilt: zumindest bisher.

Es zeichnet sich ab, dass sich das Weinbau-Fenster gerade um zehn Grad in Richtung der kühleren Breiten verschiebt.

Dafür gibt es im Norden wie Süden klare Indizien. Seit Jahren ist die Produktion von Qualitätsweinen in den warmen Mittelmeerländern rückläufig. Spanien verlor von 1990 bis 2009 satte 29,4 Prozent seiner Anbauflächen. In Frankreich waren es 12, in Italien 22, in Portugal 35,9 Prozent. Das hat natürlich nicht nur klimatische Gründe, aber sie sind wichtig: Zunehmende Probleme mit Sonnenbrand und Wassermangel sind wichtige Ursachen - die Sommer wurden messbar heißer, länger und trockener. Gerade in Spanien verdorrt der Wein immer öfter auf den Reben.

Deutschland, einst wenig tauglich für den Anbau roter Sorten, errötet derweil zusehends: Binnen weniger Jahre stieg beispielsweise der Anteil des oben genannten Pinot noir - hierzulande meist Spätburgunder genannt - von nur 5,5 Prozent im Jahr 1990 auf aktuell 11,1 Prozent (2010) der Anbaufläche. Auch in Österreich sind Sorten, die bisher nur südlich der Alpen gediehen, auf dem Vormarsch.

Inzwischen gibt es sogar schon Probleme mit zu viel Licht. Immer früher setzt die Weinlese ein, damit der Wein nicht zu viel Zucker entwickelt. Denn das erhöht auch den Alkoholgehalt und ist nicht erwünscht. Die verkürzte Zeit bis zur Lese aber hat auch Nachteile: Seine Säure baut der Wein erst in der ausgehenden Wachstumsphase ab. Doch ein guter Wein lebt von einer ausgewogenen Balance von Süße und Säure, Alkohol und Aromen.

Schon experimentieren Winzer damit, ihre Reben quer zur Sonne zu reihen, damit die sich gegenseitig Schatten geben können. Andere schneiden die Blattmasse zurück, um die Gesamtlichtmenge und den Wasserverbrauch zu senken - wahrlich neue Probleme in deutschen Landen.

Vormarsch "französischer" Sorten

Zugleich verschiebt sich die Anbaugrenze für weniger anspruchsvolle Weißweine immer mehr nach Norden. In den mittleren und südlichen Landesteilen kultivieren die Winzer derweil Sorten, die bis Mitte der neunziger Jahre niemand auch nur anzubauen wagte. Chardonnay etwa tauchte erstmals 1995 mit 0,2 Prozent der Anbaufläche in den Statistiken des Deutschen Weininstituts auf - damals nicht mehr als ein önologisches Experiment. Inzwischen sind 1,3 Prozent der deutschen Rebflächen mit Chardonnay bepflanzt, Tendenz weiter steigend.

Längst laufen Anbauversuche an der Ostsee, und selbst im einst als Nebelinsel verschrienen England gelingt weit mehr als die Essigernte. "Wird Südengland das neue Bordeaux?", fragte die Deutsche Welle schon zuspitzend, aber längst nicht so übertreibend, wie man meinen könnte: Schon vor rund zehn Jahren begann sich abzuzeichnen, dass Regionen in Norddeutschland, in Südengland, Polen und sogar Skandinavien nicht nur in theoretischen Szenarien zu Weinbaugebieten werden könnten, sondern dass dies längst begonnen hat.

Zeitgleich begann die Fachpresse im Alpenraum, in den Mittelmeerländern, aber auch in Australien, in den USA und andernorts über Veränderungen für die Winzer zu berichten. Was in unseren nördlichen Breiten vornehmlich als Chance gesehen wird, ist für die Winzer in warmen Weltgegenden vor allem eine Bedrohung. Die Verschiebung des geografischen Fensters, in dem Weinbau möglich ist, bedeutet an dessen kühlen Enden eine Ausweitung des nutzbaren Bereiches, am warmen Ende jedoch könnten traditionelle Weinbaugebiete verlorengehen. Das nutzbare Gebiet wächst nicht, es wandert.

Am Mittelmeer müssen Weinbauern immer öfter zusätzlich bewässern, die Weinlese verschiebt sich früher ins Jahr, weil sonst die Trauben am Stock verdorren - gerade in Spanien ein wachsendes Problem. In Australien vertrocknen einst fruchtbare Weinbaugebiete, im kühleren Neuseeland ist der Weinbau ein wachsendes Geschäft. Klingt, als stünde jedem Verlust ein Gewinn gegenüber, doch das wäre eine verkürzte Sicht der Dinge.

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insgesamt 119 Beiträge
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1. Panik!
roberto3 29.11.2011
"Rekordernten häufen sich, neue Rebsorten sind erfolgreich - inzwischen bekommen sogar deutsche Rotweine Spitzennoten." Ist ja eine richtige Katastrophe. müssen wir jetzt alle sterben?
2. .
Peet89 29.11.2011
Zitat von sysopDer*Klimawandel liegt*nicht*in*ferner Zukunft, er findet bereits statt - und die Beweise*füllen*Winzer*längst in Flaschen. Rekordernten häufen sich, neue Rebsorten sind erfolgreich - inzwischen bekommen sogar deutsche Rotweine Spitzennoten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,799044,00.html
Ich gebe diesem Forum hier 5 Minuten und die Klimaskeptiker kommen in Scharen...Lasst die Spiele beginnen!
3. einfache gedanken für einfache menschen ...
pariah_aflame 29.11.2011
ja klar, da alles kann natürlich nur mit "climate change" zu tun haben. sicher ist die landwirtschaft im allgemeinen auf brauchbares wetter angewiesen, aber dass es bei deutschen weinbauern eine lernkurve in sachen rotwein geben könnte oder sich technischer fortschritt eingestellt hat ... neinnein, das klima ists. nur doof, dass unstrittig ist, dass seit 15 jahren überhaupt keine erderwärmung festzustellen ist. und den wassermangel in spanien auf klimaveränderungen zu schieben zeugt auch von enormer kurzsicht - um nicht zu sagen: vollständiger ignoranz.
4. Klimawandel ist nicht nur schlecht
Nonvaio01 29.11.2011
das es bei einem wandel immer Gewinner und verkierer gibt ist normal. Die leute auf Groenland sind auch nicht so ungluecklich etwas mehr von Ihrem land nutzten zu koennen. In England werden auch schon seit laengerem Weine angebaut. Das ist es was wir machen sollten, anstatt Mrd in sand zu setzten und versuchen den Klimawandel aufzuhalten (was eh nicht geht weil die natur sich nicht aufhalten laesst), sollten wir unsere energie und Zeit damit verbringen die vorteile des Wandels zu nutzten, so wie es jedes Lebewesen auf dem Planeten macht, denn sonst wuerde es ja wohl keine Evolution geben. Klimawandel ist nicht nur schlecht, er hat auch vorteile, kommt halt darauf an wo man lebt.
5. Verköstigt...
lug&trug 29.11.2011
... werden eigentlich nur Personen, lieber Autor. Weine werden verkostet.
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