Zyperns Erdgasvorkommen Hoffen auf einen Milliardenschatz im Meer

Zypern sucht verzweifelt nach Auswegen aus der drohenden Staatspleite. Viele hoffen auf künftige Erlöse aus den gigantischen Erdgasfeldern, die 2011 südlich der Insel entdeckt worden waren. Ihre Erschließung ist jedoch technisch schwierig, zudem droht Streit mit der Türkei.

Ölbohrplattform vor Zypern: Hoffnung auf große Erdgas-Reserven
DPA

Ölbohrplattform vor Zypern: Hoffnung auf große Erdgas-Reserven


Berlin - In der Energiestudie 2012 der Bundesanstalt der Geowissenschaften (BGR) spielt Zypern keine besondere Rolle. Nachgewiesene und mit heutiger Technik förderbare Erdöl- oder Erdgasmengen gibt es keine. Auch bei den Ressourcen, also den derzeit wirtschaftlich oder technisch noch nicht förderbaren Rohstoffmengen, nennt die deutsche Behörde nur bescheidene Zahlen.

Bei Erdöl sind es gerade mal 35 Millionen Tonnen - das liegt in der Größenordnung der Erdölreserven Deutschlands. Und beim Gas gibt die BGR den Wert von 250 Milliarden Kubikmetern an - da haben selbst Länder wie Ungarn und Italien mehr. Deutschland beispielsweise besitzt Erdgasressourcen in Höhe von 1900 Milliarden Kubikmetern.

Trotzdem träumt Zypern von einer Art Goldrausch, denn Ende 2011 wurden südlich der Insel gigantische Erdgasvorkommen entdeckt. Die amerikanische Firma Noble Energy hatte das Seegebiet erkundet und den Fund von 180 bis 285 Milliarden Kubikmeter Erdgas vermeldet. Wenn diese Zahlen stimmen, sind die Ressourcen des Landes etwa doppelt so groß, wie in den BGR-Statistiken bislang angegeben.

Die Experten vermuten sogar noch mehr Erdgas in weiteren Regionen südlich von Zypern. Als Schätzung wurden insgesamt 2700 Milliarden Kubikmeter genannt. Zum Vergleich: Der Erdgasriese Norwegen kommt auf eine mögliche Fördermenge von 7900 Milliarden Kubikmetern. Zypern hätte somit ein Drittel dieser Menge - das wäre in der Tat ein riesiger Milliardenschatz. Die Royal Bank of Scotland (RBS) hat den Wert der unerschlossenen Gasreserven mit mehr als 600 Milliarden Euro beziffert.

Wegen der Finanzkrise glaubt mancher Zyprer sogar, die Gasreserven könnten die Geldnöte des Landes lösen. Am Sonntag hatte Präsident Nicos Anastasiades vorgeschlagen, von der drohenden Zwangsabgabe betroffenen Bankkunden mit Aktien der Banken zu entschädigen. Diese Anteilsscheine könnten durch zukünftige Einnahmen aus dem Verkauf von Erdgas garantiert werden. Diskutiert wird auch, mit den Reserven neue Milliardenkredite abzusichern.

Große Energiekonzerne bemühen sich bereits um die Förderrechte - aber noch ist nicht sicher, ob der Gasschatz tatsächlich so riesig ist wie erhofft und ob er überhaupt gehoben werden kann. Die Vorkommen liegen in Gebieten mit mehr als 200 Metern Wassertiefe, wo eine Förderung als riskant gilt.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte auch davor, dass die Angaben über die vermuteten Vorkommen noch drastisch nach unten korrigiert werden müssen, weil Explorationsfirmen ein Interesse an möglichst hohen Werten haben und daher gern optimistisch rechnen.

Ein weiteres Problem sind mögliche Konflikte mit anderen Staaten aus der Region, die ebenfalls im Mittelmeer Gas fördern möchten - allen voran die Türkei. Als die US-Firma Nobel Energy im September 2001 im Auftrag der griechischen Zyprer damit begann, in dem Gebiet um die geteilte Mittelmeerinsel nach Energievorkommen zu bohren, sprach der türkische Energieminister Taner Yildiz von einer "Provokation" und drohte, Marineschiffe in die Region zu entsenden.

Mit den Mittelmeer-Anrainern Libanon, Israel und Ägypten hat die Republik Zypern Abkommen über sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszonen geschlossen. Damit wurden - vereinfacht gesagt - am Meeresboden Grenzen gezogen. In den so festgelegten Gebieten erhalten die angrenzenden Staaten besondere Rechte, wie die Ausbeutung von Öl- und Gasvorkommen.

hda



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Seite 1
pepe_sargnagel 20.03.2013
1.
Zitat von sysopDPAZypern sucht verzweifelt nach Auswegen aus der drohenden Staatspleite. Viele hoffen auf künftige Erlöse aus den gigantischen Erdgasfeldern, die 2011 südlich der Insel entdeckt worden waren. Ihre Erschließung ist jedoch technisch schwierig, zudem droht Streit mit der Türkei. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/erdgas-vorkommen-zyperns-milliarden-schatz-im-meer-a-889818.html
Naturalien für die Banken! Marode Infrastruktur für die Bürger! Perfekt, aber das ist doch genau "Privat vor Staat", nur dass "Privat" keinerlei Verpflichtung gegenüber der Bevölkerung hat. Wie lange mag das gut gehen? Ich tippa mal auf maximal 10 Jahre - also etwa 2,5 Legislaturperioden.
fatherted98 20.03.2013
2. Gazprom...
....hat den Fuss schon in der Tuer...das Gas ist schon verpfaendet bevor auch nur ein Bohrloch fertig ist....am Ende zahlen wir noch Entwicklungshilfe fuer Zypern und kaufen den Russen noch EU Gas ab....ich finde das ganze Theater nur noch geil....wir werden beschimpft, beleidigt, vorgefuehrt, bedroht und sollen fuer alle zahlen...und als Belohnung werden wir noch ueber den Gaspreis geschroepft...die Anti Euro Partei bekommt Munition ohne Ende...jetzt muss nur noch der Waehler seinen Protest vertreten....
Dr.W.Drews 20.03.2013
3. Mit den Russen im Rücken...
lässt sich nicht nur der bösen EU trotzen sondern auch den Türken. Also voran auf nach Moskau liebe Zyprioten!
winnirich 20.03.2013
4. wer hat hier schlecht gewirtschaftet?
...haben nun die BANKEN die Milliarden verspekuliert oder lediglich der STAAT Zypern das Geld in dieser Grössenordnung zuviel ausgegeben? Wer soll den nun gerettet werden? Wer hat das Dilemma verursacht? Wer wird in die Haftung genommen - wenn überhaupt? Wer ist denn nun pleite und soll 'gerettet' werden: der Staat Zypern oder die Banken?
mitverlaub 20.03.2013
5. Die Türkei
hat ohne Widerstand in den 70-er Jahren unrechtmäßig Nordzypern besetzt, insofern wird sie sich nicht scheuen, sich auch noch den Süden millitärisch einzuverleiben. Da der Westen inzwischen derart Türkei-hörig geworden ist, wird er sich auch hier wieder wegducken, und unser Verteidigungsminister wird das alles wieder "ganz entspannt beobachten", wie schon das türkische Mobbing gegen deutsche Soldaten in der Türkei an der Syrischen Grenze.
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