Erdölsuche Umweltministerium erlaubt Probebohrungen vor Kanaren

Biologen und Umweltschützer schlagen Alarm: Das Umweltministerium in Spanien gestattet einem Konzern Bohrungen nach Erdöl, 60 Kilometer vor den Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote.

Bedrohte Schönheit: Vor der Küste Lanzarotes dürfen Konzerne bald in die Tiefe bohren - zunächst aber nur Proben nehmen
Corbis

Bedrohte Schönheit: Vor der Küste Lanzarotes dürfen Konzerne bald in die Tiefe bohren - zunächst aber nur Proben nehmen


Madrid - Das spanische Umweltministerium hat grünes Licht für umstrittene Probebohrungen nach Erdöl bei den Kanarischen Inseln gegeben. Es erließ allerdings eine Reihe von Auflagen. Die Bohrungen sollten von einem Schiff aus 60 Kilometer vor der Küste der Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote vorgenommen werden, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Gutachten.

Es dürften dabei aus dem Meeresgrund nur Proben entnommen werden, die auf mögliche Erdölvorkommen untersucht werden sollen. In keinem Fall dürfe bei den Bohrungen Erdöl gefördert werden. Das Ministerium verlangte außerdem, dass strikte Vorkehrungen zum Schutz der Umwelt getroffen werden.

Auf den Kanaren sind die Regierung und das Parlament der Inselgruppe sowie die Tourismusbranche strikt gegen das Vorhaben. Die Inselverwaltung von Fuerteventura hatte vor dem Obersten Gerichtshof gegen das Vorhaben geklagt. Nach Informationen des Klägers wird die Entscheidung des Gerichts in den kommenden Wochen erwartet.

Fotostrecke

4  Bilder
Ölbohrungen vor den Kanaren: Touristiker sehen Urlaubsidylle in Gefahr
Seit 1993 zählt Lanzarote mit Teilen seiner Gewässer zu den Biosphärenreservaten der Erde. Schon die Probebohrungen könnten negative Auswirkungen auf die Fauna der Insel und ihrer Gewässer haben.

Die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur Unesco warnt vor den geplanten Bohrungen im Hinblick auf einen möglichen Unfall: Die Auswirkungen einer Ölverschmutzung würden sich negativ auf die Artenvielfalt der Insel auswirken, warnt die Unesco. Der von den Bohrplattformen verursachte Lärm werde wahrscheinlich dazu führen, dass Delfine und Wale die Gegend meiden.

Auch Fischschwärme könnten in andere Gewässer ziehen. Der Kabeljaufang zum Beispiel verringere sich um bis zu 70 Prozent in Zonen mit Ölförderplattformen, heißt es in der Studie.

Der Hamburger Zoologe Horst Wilkens, der die Ökologie Lanzarotes seit vielen Jahren untersucht, warnte in einem Schreiben ebenfalls davor, die Artenvielfalt Lanzarotes durch Ölförderung leichtfertig aufs Spiel zu setzen. "Ölförderung zwischen Lanzarote und der afrikanischen Küste birgt Gefahren für das hier vorhandene einzigartige Ökosystem. Das potentielle Risiko einer Ölverschmutzung ist nicht nur von nationaler Bedeutung. Die Auswirkung auf Zugvögel macht es zu einer internationalen Bedrohung."

nik/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
chico 76 30.05.2014
1. Was ist gegen Probebohrungen einzuwenden?
Zitat von sysopCorbisBiologen und Umweltschützer schlagen Alarm: Das Umweltministerium in Spanien gestattet einem Konzern Bohrungen nach Erdöl, 60 Kilometer vor den Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/erdoelbohrung-vor-kanaren-ministerium-in-spanien-erlaubt-probebohrung-a-972483.html
Sind sie erfolgreich, wird spätestens dann gefördert, wenn die grossen Lieferanten an ihre Reserven gehen müssen. Energieträger werden gefördert, bis sie zu Ende sind, übrigens auch Uran und Frackinggas. Die zunehmende Weltbevölkerung hat ein Recht darauf, mit günstiger Energie versorgt zu werden, solange die Fusionstechnik noch nicht "arbeitet".
Masterchalk 30.05.2014
2. Armes Lanzarote ...
Wenn nicht gerade arbeitslos, brettern die "Conejeros" gerne mit sinnlosen SUVs durch Ihre Weltgeschichte und Strom sowie Süßwasser kommen immer noch aus unserem in diesem Licht ACH so opportunen ÖLKRAFTWERK. Sonnen- und Windkraft werden hier seit Jahren nicht nur nicht unterstützt, sondern politisch geradezu verhindert. Und dann jammern ? Sorry geht gar nicht... Lass sie doch suchen und hoffentlich auch was finden. Sonst holen sich eben die Marokkaner den kompletten Kuchen und die haben weniger Vorschriften an der Backe... Saludos, MC / 15 Jahre Lanzarote
mchunter 30.05.2014
3. War da nicht mal was
mit einem Vulkanausbruch? Wird da nichts passieren?
chico 76 30.05.2014
4. Sonnenkraft hat sich
Zitat von MasterchalkWenn nicht gerade arbeitslos, brettern die "Conejeros" gerne mit sinnlosen SUVs durch Ihre Weltgeschichte und Strom sowie Süßwasser kommen immer noch aus unserem in diesem Licht ACH so opportunen ÖLKRAFTWERK. Sonnen- und Windkraft werden hier seit Jahren nicht nur nicht unterstützt, sondern politisch geradezu verhindert. Und dann jammern ? Sorry geht gar nicht... Lass sie doch suchen und hoffentlich auch was finden. Sonst holen sich eben die Marokkaner den kompletten Kuchen und die haben weniger Vorschriften an der Backe... Saludos, MC / 15 Jahre Lanzarote
, trotz über 300 Sonnentagen, in Spanien als unrentabel erwiesen, deshalb hat die Regierung die Unterstützung radikal zusammengestrichen. Nur wir, mit erheblich weniger Sonne, bezuschussen den Unsinn noch, abzulesen am ständig steigendem Strompreis.
Jabagrafs 30.05.2014
5.
Zitat von sysopCorbisBiologen und Umweltschützer schlagen Alarm: Das Umweltministerium in Spanien gestattet einem Konzern Bohrungen nach Erdöl, 60 Kilometer vor den Ferieninseln Fuerteventura und Lanzarote. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/erdoelbohrung-vor-kanaren-ministerium-in-spanien-erlaubt-probebohrung-a-972483.html
Umweltschützer schlagen immer Alarm, wenn sie an einer Sache nicht direkt mitverdienen. Ohne dauernde Alarmschlagerei gibt es auch keine Spenden, von denen man sich neue Highspeedmotorboote für den Protest gegen Treibstoffe kaufen kann..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.