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Erkenntnis dank Google Earth: Rinder und Rothirsche haben mysteriösen Nord-Süd-Kompass

Kühe richten sich auffällig oft in Nord-Süd-Richtung aus - und auch Rothirsche scheinen einen bisher unbekannten Sinn für Himmelsrichtungen zu haben. Das haben deutsche Forscher durch eine ungewöhnliche Methode herausgefunden: Sie analysierten Google-Earth-Bilder von 308 Weiden weltweit.

Washington - Es ist alles eine Frage der Orientierung. Für Herdentiere gibt es je nach den aktuellen Umständen verschiedene Ausrichtungen, die besonders sinnvoll erscheinen: Viele Rinder stehen zum Beispiel an kalten, sonnigen Tagen so zur Sonne, dass die Oberfläche für die wärmende Sonnenstrahlung besonders groß ist. An kalten, windigen Wintertagen, im Gegensatz dazu, orientieren sich findige Wiederkäuer parallel zum Wind, um die dem Wind ausgesetzte Oberfläche zu minimieren.

Kühe auf der Weide (in Bayern, 2005): "Die Hintergründe dieses Verhaltens sind noch völlig unbekannt"
DPA

Kühe auf der Weide (in Bayern, 2005): "Die Hintergründe dieses Verhaltens sind noch völlig unbekannt"

Soweit so gut. Doch was bestimmt die Ausrichtung an warmen Tagen ohne widrige Wetterbedingungen oder während der Nacht? Ein Team um Sabine Begall von der Universität Duisburg-Essen glaubt, darauf nun eine spektakuläre Antwort gefunden zu haben: Grasende und ruhende Tiere richten ihre Körperachse tendenziell in einer Nord-Süd-Richtung aus. Da dieses Verhalten weltweit beobachtet werden könne, werde es wahrscheinlich durch das Magnetfeld der Erde beeinflusst, vermuten die Forscher.

Wie Begall und Kollegen im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, haben sie sich Google-Earth-Aufnahmen von weltweit 308 Weiden mit insgesamt 8510 Tieren angesehen. Zusätzlich beobachteten die Forscher Rothirschherden zu verschiedenen Tageszeiten an diversen Orten mit unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen. Auf diese Weise konnten sie den Einfluss äußerer Faktoren wie Wind, Sonne und Temperatur auf die Ausrichtung ausschließen.

Die Forscher stellten fest, dass sich die Tiere tendenziell in einer Nord-Süd-Orientierung ausrichteten, wobei der Kopf von grasenden Rothirschen nach Norden zeigte. "Die Hintergründe dieses Verhaltens sind noch völlig unbekannt", sagte Forscherin Begall. Denkbar sei ein Einfluss auf physiologische Vorgänge im Körper der Tiere wie etwa die Milchproduktion.

Bei Vögeln ist die Orientierung am Magnetfeld der Erde bereits gut erforscht. Auch bei Bakterien, Ameisen, verschiedenen Nagetieren sowie einer Fledermausart ist ein Magnetsinn bekannt. So orientiert sich etwa der hamstergroße afrikanischen Graumull beim unterirdischen Nestbau am Magnetfeld der Erde, wie ebenfalls Essener Forscher nachgewiesen haben. Vermutet werde der Sinn für Magnetismus in der Hornhaut des Auges.

Ob auch wir Menschen ein Sinn für Magnetismus haben, ist vollkommen unklar. Bei kommenden Forschungsarbeiten wollen sich die Essener Wissenschaftler zunächst auf andere große Säugetiere wie Schafe, Pferde oder Wildschweine konzentrieren.

chs/dpa/ddp

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