Nordsee Erneut acht Pottwale vor Dithmarschen gestrandet

Wenige Wochen nach dem Fund mehrerer toter Pottwale stranden in der Nordsee wieder tonnenschwere Meeressäuger. Offenbar haben sich die Tiere auf ihrem Rückweg aus dem Nordatlantik verirrt.

Gestrandeter Pottwal am Nordseestrand: Das flache Gewässer ist schon seit Hunderten Jahren als Falle bekannt (Archivbild)
Robert Marc Lehmann

Gestrandeter Pottwal am Nordseestrand: Das flache Gewässer ist schon seit Hunderten Jahren als Falle bekannt (Archivbild)


Im Wattenmeer der Nordsee sind acht Pottwale gestrandet. Die jungen Bullen verendeten rund zwei Kilometer vor dem Deich in Höhe Kaiser-Wilhelm-Koog, teilte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) in Schleswig-Holstein mit.

Die zwischen neun und zwölf Meter langen Tiere waren am Sonntagabend entdeckt worden. "Eines der Tiere lag zu diesem Zeitpunkt im Sterben, die anderen waren tot", hieß es in einer LKN-Mitteilung. Mit der Bergung soll am Dienstag begonnen werden.

Im Januar waren bereits mindestens 16 Pottwale an den Küsten der Nordsee entdeckt worden - in Deutschland, den Niederlanden und in Großbritannien. Experten vermuten, dass sie sich auf ihren Wanderrouten verschwommen haben. Keines der Tiere überlebte.

Die Tiere werden dem Azorenbestand zugerechnet. Die Männchen dieser Population verbringen den Winter im Nordatlantik. Auf ihren Wanderungen verirren sich einzelne Wale manchmal in die für sie zu flache und nahrungsarme Nordsee. Mit ihrem akustischen Orientierungssinn können sie sich dort schlecht orientieren.

Die flache Nordsee ist schon seit Hunderten Jahren als Falle für Pottwale bekannt. Strandungen sind nach Angaben des Büsumer Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung seit dem 16. Jahrhundert dokumentiert.

"Bisher haben wir keine direkten Hinweise, dass ein bestimmter, einzelner Einfluss dazu geführt hat, dass die Tiere in die Nordsee kommen und stranden", sagte Institutsleiterin Ursula Siebert. Dass viele Tiere auf einmal stranden, könne damit zu tun haben, dass sich die Pottwal-Bestände erholt hätten und damit mehr Tiere auf die Wanderroute gingen.

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joe/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
nesmo 01.02.2016
1. Jetzt
wird es Zeit, mal mit größerem wissenschaftlichen Aufwand zu klären, warum die Tiere sich seit einigen Wochen immerwieder "verschwimmen". Es spricht doch viel dafür, dass irgendetwas in der nördlichen Nordsee ihre Orientierung stört. Gibt es dort neue Anlagen, die irgendetwas emittieren, Geräusche, Flüssigkeiten oder sonstwas? Die Häufung der Strandungen der letzten Zeit ist doch kein Zufall.
Referendumm 01.02.2016
2.
Zitat von nesmowird es Zeit, mal mit größerem wissenschaftlichen Aufwand zu klären, warum die Tiere sich seit einigen Wochen immerwieder "verschwimmen". Es spricht doch viel dafür, dass irgendetwas in der nördlichen Nordsee ihre Orientierung stört. Gibt es dort neue Anlagen, die irgendetwas emittieren, Geräusche, Flüssigkeiten oder sonstwas? Die Häufung der Strandungen der letzten Zeit ist doch kein Zufall.
Ist das von Ihnen jetzt Ernst gemeint, oder haben Sie wirklich keinen blassen Schimmer? Tatsache ist doch, dass es in der Nordsee inzwischen zig Windkraftanlagen gibt. Und diese leiten massiv laute Störgeräusche ins Wasser - vor allem auch Infraschall. Dass Wale Geräusche zur Orientierung benötigen (Pottwale sollen selber Klickgeräusche machen) ist hinlänglich bekannt. Würde mich nicht wundern, dass das zusammenhängt. Aber Hauptsache Windkraft und Solar ist sooo Öko.
awoth 01.02.2016
3. Alle wollen nach
Dithmarschen!
sonnemond 01.02.2016
4. Ich fürchte, Sie haben recht
Zitat Referendum #2 "Tatsache ist doch, dass es in der Nordsee inzwischen zig Windkraftanlagen gibt. Und diese leiten massiv laute Störgeräusche ins Wasser - vor allem auch Infraschall. Dass Wale Geräusche zur Orientierung benötigen (Pottwale sollen selber Klickgeräusche machen) ist hinlänglich bekannt. Würde mich nicht wundern, dass das zusammenhängt. Aber Hauptsache Windkraft und Solar ist sooo Öko." Den Verdacht habe ich auch. Und viele andere wissen es ebenso. Aber nichts passiert.
krawatz 01.02.2016
5. Bekanntes Phänomen
Hat den hier keiner den Artikel gelesen? Strandungen sind seit Jahrhunderten bekannt. Es kommt immer wieder zu Strandungen überall auf der Welt. Farewell Spit in Neuseeland wird den Tieren auch immer wieder zum Grab, eine dünne Landzunge aus Sand. Auch hier haben die Tiere Probleme bei der Orientierung. Das jetzt generell auf Windkraftanlagen zu schieben ist völlig haltlos und durch nichts belegt. Wenn doch, bitte Quellen nennen. Die Nordsee ist nicht der natürliche Lebensraum dieser Tiere. Die haben sich verirrt und können sich im flachen Wasser nur schlecht orientieren. Zudem folgen viele Tiere oft einander in flache Regionen oder versuchen sogar gestrandeten Artgenossen zu Hilfe zu kommen mit dem Ergebnis dass die ganze Gruppe strandet. Was Wale wirklich gefährdet sind der Müll im Meer, der Klimawandel der so rasant fortschreitet dass sich solche Spezialisten nicht so schnell drauf einstellen können, die Jagd auf die Tiere, wobei Pottwale wohl nicht mehr bejagt werden. Windkraftanlagen sind das geringste Problem.
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