Erste Menschen in Europa Klima verzögerte Auswanderung aus Afrika

Forscher haben die Routen unserer Vorfahren detailliert verfolgt und Überraschendes entdeckt. Der moderne Mensch könnte Afrika demnach später verlassen haben als bislang angenommen - und ist wohl trotzdem früher in Europa angekommen.

Meerenge Bab al-Mandab: Vorfahren wanderten entlang der Südroute aus Afrika aus
Google Earth

Meerenge Bab al-Mandab: Vorfahren wanderten entlang der Südroute aus Afrika aus


Wann hat sich der Homo sapiens von Afrika auf den Weg in die Welt gemacht? Derzeit nimmt man an, dass dies vor 70.000 bis 60.000 Jahren geschah. Eine neue Studie legt nun aber nahe, dass die Ausbreitung des modernen Menschen bis zu 5000 Jahre später ihren Anfang nahm.

Voraussetzung dafür seien Klimaveränderungen gewesen, berichten britische Anthropologen. Erst vor 70.000 bis 55.000 Jahren sei im Nordosten Afrikas und auf der Arabischen Halbinsel das Klima günstiger geworden und der Meeresspiegel ausreichend gesunken. Möglicherweise aber sei Europa von unseren Vorfahren auch früher besiedelt worden als bislang angenommen, schreiben die Experten weiter. Dies sei jedoch nicht gesichert.

Das Team um Anders Eriksson von der University of Cambridge kombinierte erstmals Klimadaten der vergangenen 120.000 Jahre und das Erbgut-Muster von 51 Gruppen moderner Menschen. Fossilienfunde seien nur unvollständig und deswegen schwer geeignet, um den Effekt des Klimas auf die Völkerwanderung zu bestimmen, begründeten die Forscher den neuen Ansatz.

"Die Vorfahren sind damals vor allem entlang der sogenannten Südroute aus Afrika ausgewandert: Sie überquerten die Meerenge Bab al-Mandab", schreibt das Team im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die schmale Meerenge am Südzipfel der Arabischen Halbinsel verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden.

Anhand der genetischen Daten konnten die Anthropologen die Stammbäume zurückverfolgen und herausfinden, wo und wann zwei Linien aus einer hervorgingen. Eine hohe Dichte solcher Verknüpfungspunkte auf einer Landkarte brachte den Forschern zufolge neue Erkenntnisse: "Überraschenderweise war die Schlüsselregion nicht an den zwei Ausgangstoren von Afrika, am heutigen Suez-Kanal und an der Meerenge Bab al-Mandeb, sondern etwas entfernt von dieser Gegend, dort, wo heute der Irak und Iran sind."

Als die Menschen Afrika hinter sich gelassen hatten, zogen sie schnell weiter: Europa sollen sie bereits vor etwa 55.000 Jahren erreicht haben - also nur einige hundert Jahre nach ihrer Auswanderung. "Das ist eine frühere Ankunftszeit als die Überreste in der Grotta del Cavallo in Italien vermuten lassen, denn die werden auf ein Alter von etwa 45.000 Jahren datiert", schreiben die Wissenschaftler. So alt sind Milchzähne aus der Höhle, die anatomisch dem modernen Menschen zugeordnet werden.

Die Differenz zwischen dem neuen Modell sowie den bislang bekannten archäologischen und fossilen Funden sei jedoch nicht groß, schränken die Autoren ein. Immerhin seien die Funde unvollständig. "Eine andere interessante Möglichkeit ist, dass die erste Expansionswelle nach Europa vom Wettbewerb mit Neandertalern verlangsamt wurde. Diesen Faktor berücksichtigt unser Modell nicht."

Südostasien sollen die Menschen vor etwa 50.000 bis 40.000 Jahren erreicht haben. Dies sei jedoch zu spät gewesen, um direkt weiter nach Australien zu ziehen: Der Meeresspiegel war zu hoch. Wann genau die Menschen in Australien angekommen sind, können die Forscher nicht angeben: Ihnen fehlten Erbgutdatensätze von australischen Ureinwohnern, den Aborigines.

Dabei habe sich an anderer Stelle gezeigt, dass das Klima "einen klaren Effekt auf die Demografie" hatte: In Nordamerika sollen die Menschen vor etwa 15.000 Jahren angekommen sein, in Südamerika vor rund 10.000 Jahren. "Das Timing ist stark beeinflusst vom Ausmaß der Eisdecken in Nordamerika vor 20.000 bis 10.000 Jahren."

hda/dpa

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insgesamt 7 Beiträge
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Emil Peisker 18.09.2012
1. Homo Heidelbergensis
Zitat von sysopGoogle EarthForscher haben die Routen unserer Vorfahren detailliert verfolgt und Überraschendes entdeckt. Der moderne Mensch könnte Afrika demnach später verlassen haben als bislang angenommen - und ist wohl trotzdem früher in Europa angekommen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,856438,00.html
Der Homo Heidelbergensis war schon hunderttausende Jahre früher da. Und aus ihm entwickelte sich der Menschenttyp der auch die Neandertaler hervorbrachte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass deren Gene sich in den heutigen Düsseldorfern wiederfinden lässt.:-)
Tiananmen 18.09.2012
2. Der Originalartikel
Zitat von sysopGoogle EarthForscher haben die Routen unserer Vorfahren detailliert verfolgt und Überraschendes entdeckt. Der moderne Mensch könnte Afrika demnach später verlassen haben als bislang angenommen - und ist wohl trotzdem früher in Europa angekommen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,856438,00.html
gibt so die "überraschend Entdeckung", die der SPON-Artikel ankündigt, nicht her. Der SPON-Artikel widerspricht sich in sich selbst: Der Beginn der Ausbreitung wird gleich angesetzt, lediglich die Dauer wird um 5.000 Jahre erweitert. Von späterem Anfang ist da nicht die Rede. Wahrscheinlich sollte die Formulierung im Spiegel eher heißen, dass die modernen Menschen Afrika "*_auch noch_ später verlassen haben als bislang angenommen"*. Sehr viel größer kann der Zeitunterschied nicht gewesen sein, das man heute annnimmt, dass Australien um ca. 65.000 vor unserer Zeitrechnung besiedelt wurde.
chris4791 19.09.2012
3. Später weil Daten fehlen ?
---Zitat--- Forscher haben die Routen unserer Vorfahren detailliert verfolgt und Überraschendes entdeckt. Der moderne Mensch könnte Afrika demnach später verlassen haben als bislang angenommen. ---Zitatende--- Das Team um Anders Eriksson von der University of Cambridge scheint ja wenig vertraut mit der Auswanderung Homo Sapiens nach Australien vertraut zu sein und sie könnten ihre Hypothese zu fall bringen. Aborigines sind schon über 55K Jahre in Australien beheimatet - aber dem Team aus Cambridge fehlen leider diese Daten.
Miere 19.09.2012
4. Australien
Wie alt sind denn die aktuell ältesten bekannten und einigermaßen sicher datierten Funde aus Australien? Ich bin mir ziemlich sicher, schonmal was von 60.000 Jahren gelesen zu haben. Wenn aber die Menschen vor 60k Jahren in Australien angekommen sind, können sie nicht erst vor 55k Jahren Afrika verlassen haben. In jedem Fall ist der Verweis auf den Meeresspiegel Blödsinn. Australien hat nie eine Landbrücke zu Asien gehabt, sonst wären da lange vor Ankunft der Menschen asiatische Plazenta-Tiere eingewandert und hätte einige der Beuteltiere verdrängt. Ergo müssen die Menschen bei der Erstbesiedlung schon Boote gehabt haben. Von diesen gibt es übrigens auch Felszeichnungen.
Celegorm 19.09.2012
5.
Zitat von MiereWie alt sind denn die aktuell ältesten bekannten und einigermaßen sicher datierten Funde aus Australien? Ich bin mir ziemlich sicher, schonmal was von 60.000 Jahren gelesen zu haben. Wenn aber die Menschen vor 60k Jahren in Australien angekommen sind, können sie nicht erst vor 55k Jahren Afrika verlassen haben. In jedem Fall ist der Verweis auf den Meeresspiegel Blödsinn. Australien hat nie eine Landbrücke zu Asien gehabt, sonst wären da lange vor Ankunft der Menschen asiatische Plazenta-Tiere eingewandert und hätte einige der Beuteltiere verdrängt. Ergo müssen die Menschen bei der Erstbesiedlung schon Boote gehabt haben. Von diesen gibt es übrigens auch Felszeichnungen.
Der älteste Fund wird auf 42'000 Jahre datiert. Allgemein geht man darum eher von einer Einwanderung vor 50-40'000 Jahren aus. Gibt natürlich auch andere Thesen, aber mit soliden Belegen ist es ja immer so eine Sache in der Thematik. Ich denke nicht, dass jemand eine Landbrücke implizieren wollte. Zumindest ist die gängige Annahme, dass Australien mit Booten und "Insel-Hopping" besiedelt wurde. Allerdings hilft hier ein tiefer Meeresspiegel natürlich genau so, da es die Distanzen zwischen Festlandbereichen verringert und damit Überfahrten generell einfacher macht.
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