Ausbrüche: Weltweites Feuerwerk der Vulkane

Von Axel Bojanowski

Asche, Lava, Glutfontänen - weltweit sorgen Vulkanausbrüche für Alarm: In Nicaragua flüchten Tausende, in Ecuador wurden Ortschaften eingeäschert, Flugzeuge über Kamtschatka müssen ausweichen. Ein Überblick über zehn geologische Krisenherde.

AFP / La Prensa / Eddy Lopez

Hamburg - Zahlreiche Vulkane sorgen derzeit für Probleme. Doch was für die Anwohner oft eine Katastrophe bedeutet, ist für den Planeten Erde normale Unruhe: An den Grenzen von Erdplatten und an anderen Schwächezonen steigt geschmolzenes Gestein auf. Wird der Gasdruck zu groß, schießt es als Asche und Lava hervor. Ein Überblick über zehn aktuelle Problemvulkane:

San Cristóbal, Nicaragua

Der 1750 Meter hohe Berg am Pazifik im Norden Nicaraguas verursacht derzeit die größte Unruhe: Nachdem der San Cristóbal am Samstag eine kilometerhohe Aschesäule ausgestoßen hatte, wurden 3000 Anwohner am Fuße des Vulkans zur Flucht aufgefordert. 260 Soldaten halfen, sie in Sicherheit zu bringen.

Sollte die hohe Aktivität anhalten, müssten bis zu 20.000 Menschen aus den Gemeinden nahe des Berges an sichere Orte gebracht werden, erklärte Nicaraguas Präsidentensprecherin Rosario Murillo. Bedrohlich wären vor allem Schlammlawinen, die von Ausbrüchen ausgelöst werden könnten.

Die Luftverkehrsbehörde leitete unterdessen den Flugbetrieb um. Zuletzt war der rund hundert Kilometer nordwestlich von Managua gelegene San Cristóbal 2006 ausgebrochen.

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Rauchzeichen: Krisenherde der Erde
Tungurahua, Ecuador

Im Winter 1999/2000 eskalierte die Lage: Einige Wochen lang hatten die Bewohner von Baños zu Füßen des Tungurahua ihr Städtchen aufgrund akuter Warnungen verlassen müssen - dann marschierten Tausende von ihnen mit Stöcken und Macheten wieder zurück, vertrieben das Militär und erklärten sich für die Folgen eines Ausbruchs selbst verantwortlich. Glücklicherweise blieb es ruhig. Doch die Episode zeigt, wie heikel Vulkanwarnungen sein können.

Nun herrscht wieder Alarm am Tungurahua: Nach mehreren Ausbrüchen Ende August und Anfang September mussten Hunderte Bewohner ihre Häuser verlassen. Die Ortschaften Manzano und Choglontus am Fuße des 5000 Meter hohen Vulkans wurden unter Asche begraben. Glühende Lavaströme ergossen sich kilometerweit ins Tal. Seit einigen Tagen gab es keine neuen Ausbrüche - aber leichte Beben zeigen, dass es noch brodelt im Berg.

Der Tungurahua - der Name bedeutet "Höllenberg" - gilt als eine der größten Naturgefahren Südamerikas; manche Ortschaften mussten wiederholt für viele Wochen aufgegeben werden. Immer wieder rauschten nach Ausbrüchen in den letzten Jahren Schlamm- und Glutlawinen die steilen Bergflanken hinab auf die vielen Ortschaften am Fuß des Vulkans.

Anak Krakatau, Indonesien

Die Explosion des Krakatau 1883 war eine der größten der Menschheitsgeschichte: Sie forderte fast 40.000 Tote; die meisten starben durch Tsunamis, die durch den Ausbruch im Meer ausgelöst wurden. Mindestens 5000 Kilometer weit war der Donner zu hören; selbst im 6000 Kilometer entfernten Tokio schnellte der Luftdruck in die Höhe.

Der Bergkegel wurde dabei weggesprengt. Doch in den dreißiger Jahren wuchs bei kleinen Eruptionen wieder eine Insel aus dem Meer - der Anak Kraktau, das "Kind des Krakatau" war geboren.

Nun erging eine Warnung, die sich ausdrücklich auch an Touristen wandte: Verdächtiger Staubnebel schwebe seit Juni übers Meer, und nun seien glühende Lavafontänen auf der Insel gesichtet worden, mahnten die indonesischen Behörden. Satellitenbilder der Nasa aus dieser Woche bestätigen die Aktivität des Vulkans. Seit einem Monat registrierten Sensoren zudem vermehrt Beben am Anak Krakatau.

Bezymianny, Russland

Bezymianny bedeutet "kein Name" - tausend Jahre hatte der Berg am Pazifik in Kamtschatka geschlafen, so dass ihm keine Bedeutung zugesprochen wurde. Doch 1955 spie er überraschend Asche. Im Jahr darauf sprengte eine 40 Kilometer hohe Rauchsäule 200 Meter vom Gipfel weg, die Druckwelle riss noch in 25 Kilometern Entfernung Bäume um. Seither rumpelt es häufig im Bezymianny.

Seit August schoss mehrfach Lava und Asche aus dem Berg in Kamtschakta. Flugzeuge wurden umgeleitet. Was weiter passieren wird, ist unklar - das abgelegene Gebiet wird nur von Satelliten und Bebensensoren überwacht.

Santa Maria, Guatemala

Der letzte große Ausbruch des Santa Maria vor 110 Jahren tötete nicht nur unmittelbar 6000 Anwohner. In den folgenden Monaten kamen zudem viele durch Malaria um: Die Eruption hatte die Vögel in der Region vertrieben oder getötet, so dass sich Malaria-Mücken ausbreiteten.

Seit Ende August spuckt der Santa Maria wieder Lava und Asche. Auch Schlammlawinen schossen den 3800 Meter hohen Berg hinab. Die konstante Aktivität des Vulkans in den letzten Jahren deuten Forscher als gutes Zeichen: Druck baue sich ab, extreme Eruptionen wie 1902 seien deshalb wohl nicht zu befürchten.

Ätna, Italien

Ende April begann der Vulkan auf der süditalienischen Insel Sizilien eine neue Ausbruchsphase: Alle paar Wochen erhellen seither Lavafontänen die Nächte, Aschewolken schießen empor. Derzeit hat sich der Berg etwas beruhigt, die Beben haben sich abgeschwächt. Doch die neue Eruptionssphase sei noch nicht zu Ende, mahnen Experten.

Auch ein anderer Vulkan in Süditalien bereitet Sorgen: Der Supervulkan Phlegräische Felder bei Neapel wird zunehmend von leichten Beben erschüttert, und auch Gas strömt vermehrt aus dem Boden. Rechnungen zeigten, dass mittlerweile genügend Magma in den Untergrund gedrungen sein könnte, so dass kleinere Eruptionen drohten, warnen Forscher. Eine Bohrung soll nun klären, wo das Magma ist.

Shiveluch, Russland

Der nördlichste Vulkan Kamtschatkas ist auch der aktivste: Mindestens 60 große Ausbrüche gab es in den letzten 10.000 Jahren. Seit August besteht wieder Warnung für Flugzeuge, die das unbewohnte Gebiet überfliegen - der Shiveluch spuckt wieder Lava und Asche.

Sakura-jima, Japan

Der Vulkan im Süden Japans gilt als bestes Feuerwerk des Landes. Mehrmals im Monat feuert der Sakura-jima Asche und Lava ab; auch in den letzten Tagen stiegen Rauchzeichen auf.

Die 600.000 Menschen im Umkreis des Berges sehen die Fontänen gerne. Solange der Vulkan beständig Druck abbaue, so lautet die geläufige Kalkulation, bestehe wenig Risiko für eine gefährliche große Eruption.

Karymsky, Russland

Dicke schwarze Zungen auf den Bergflanken zeugen von zahlreichen Lavaströmen, die den 1500 Meter hohen Vulkan an der Küste Kamtschatkas in den letzten Jahrzehnten herunterströmten. In den letzten Wochen schoss vermehrt Asche aus dem Vulkan, Flugzeuge wurden gewarnt.

Mount Fuji, Japan

Noch gab es keine Eruption. Und noch kennt man das Wahrzeichen Japans nur mit Tempeln und mit Kirschblüten; es gibt auch viele Fotos mit Schnellzügen oder Hochhäusern - nur mit glühender Lava und beißendem Rauch hat man den Fujiyama noch nicht gesehen.

Der höchste Berg Japans wird als Göttersitz verehrt, ist Schauplatz von Legenden und Sinnbild der Schönheit des Landes. Als aktiver Vulkan wird er erst wieder ernst genommen, seit vor zwölf Jahren leichte Beben begonnen haben, den vielleicht schönsten Berg der Welt erzittern zu lassen.

Nun erhöhten Experten vom Nationalen Forschungsinstitut für Erdwissenschaften und Katastrophenprävention die Warnstufe: Der Druck im Inneren des Fuji sei deutlich gestiegen, erklärten sie gegenüber japanischen Medien. Ursache seien starke Erdbeben vor der Küste Japans vom letzten Jahr, die Gesteinsschollen in Richtung des Vulkans verschoben hätten.

Der Magmadruck im Vulkan sei demnach vermutlich höher als beim letzten Ausbruch im Jahr 1707. Damals regnete zwei Wochen lang Asche auf das 100 Kilometer entfernte Tokio. Ein erneuter Ausbruch könnte Flughäfen, Bahnen, Straßen, Elektrizitätswerke, Lebensmittellieferungen und Mobiltelefone lahmlegen. Und der Fujiyama könnte bei einer Explosion seine symmetrische Schönheit verlieren.

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