Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Erwärmung: Arktis könnte 2080 frei von Meereis sein

Die Gewässer der Arktis könnten schon im Jahr 2080 frei von Meereis sein, besagen Berechnungen deutscher Forscher. Sie bestätigen damit frühere Prognosen - und warnen zugleich vor dramatischen Folgen für die Tierwelt.

Bremen - Möglicherweise durchqueren Schiffe schon bald das arktische Meer zur Sommerzeit. Computermodelle sagen bis zum Jahr 2080 ein drastisches Abschmelzen des Meereises im Nordpolargebiet in den Sommermonaten voraus, erklärten internationale Forscher am Dienstag bei einem Treffen in Bremen. Die Auswirkungen dieser dramatischen Klimaveränderungen sollen im Rahmen von "Damocles", einem der größten europäischen Forschungsprojekte, untersucht werden.

Eis in der Arktis: Forscher prophezeien Tauwetter
AP

Eis in der Arktis: Forscher prophezeien Tauwetter

"Wenn sich das System so weiterentwickelt, wie die Physik es sagt, wird das Meereis der Arktis bis zum Jahr 2080 im Sommer verschwunden sein", betonte der Meereswissenschaftler Eberhard Fahrbach vom Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. "Das hat Konsequenzen, die über die Arktis weit hinausgehen."

Das Uno-Klimagremium IPCC hatte in seinem Entwurf des Berichts für 2007 bereits vor einem solchen Szenario gewarnt - allerdings in noch stärkerer Ausprägung. Schon in der zweiten Jahrhunderthälfte könnte die Arktis komplett eisfrei sein, wenn sich an den Treibhausgas-Emissionen nicht viel ändert, heißt es in dem Bericht. Er soll im Februar 2007 offiziell veröffentlicht werden.

Experten sehen durch den Klimawandel nicht nur Eisbären in ihrem Bestand bedroht. Sie erwarten auch schwere Störungen in der gesamten Nahrungskette. "Das hat Auswirkungen für den Fisch, den wir hier letztlich auf den Tisch kriegen", so Fahrbach. Mit dem zunehmenden Seeverkehr in den bisher entlegenen Gewässern könnte auch die Ausbeutung von Bodenschätzen und Rohstoffen wie Öl und Gas in der Arktis drastisch zunehmen.

Internationale Studie

45 Forschungsinstitute aus zwölf europäischen Ländern in Kooperation mit den USA, Kanada und Japan beteiligen sich in den kommenden Jahren an "Damocles" (Developing Arctic Modelling and Observing Capabilities for Longterm Environmental Studies). Hunderte von Wissenschaftlern untersuchen das Zusammenspiel von Meereis, Atmosphäre und Ozean. Dabei sollen die Folgen des Rückganges der Eisbedeckung auf Klima, Umwelt und Menschen regional und global untersucht werden.

Eines der Hauptziele ist die Entwicklung eines präzisen Vorhersagemodells für die Arktis. Nach bisherigen Erkenntnissen sind die eisbedeckten Meereisflächen der Arktis in den vergangenen 30 Jahren um 30 Prozent zurückgegangen. Weitere Messungen deuten darauf hin, dass auch die Dicke des Meereises abnimmt.

Um diesen Trend dauerhaft zu verfolgen, setzen die Damocles-Forscher zahlreiche Instrumente ein: Bojen lassen sich über Monate tief unter Wasser und Eis mit den Meeresströmungen treiben. Sie speichern Daten über Strömung, Salzgehalt und Temperaturen und tauchen später an die Oberfläche auf. Von dort senden sie ihre Informationen an Satelliten und tauchen wieder ab. In zwei Jahren soll auch der europäische Satellit "CryoSat" für Luftunterstützung sorgen. Mit einem neuartigen Radarsystem kann er aus großer Höhe und großflächig präzise die Dicke des Meereises messen.

mbe/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: