Erwärmung Forscher sagen für Sydney Klima-Katastrophe voraus

Klimaforscher haben ein katastrophales Szenario für Sydney berechnet: Die Durchschnittstemperatur in der australischen Metropole steigt bis 2070 um fünf Grad, Buschfeuer verwüsten das Umland, Riesenwellen tragen die Strände ab.


Sydney - Die Prognosen für den Rest der Welt klingen derzeit dramatisch genug, für Sydney aber muten sie geradezu apokalyptisch an. Neue Klimaberechnungen prophezeien der australischen Metropole einen deutlichen Anstieg der Zahl der Hitzetoten, verheerende Buschfeuer und Riesenwellen, die Strände abtragen und Häuser zerstören.

Opernhaus in Sydney: Forscher sagen der Metropole heiße Zeiten voraus
REUTERS

Opernhaus in Sydney: Forscher sagen der Metropole heiße Zeiten voraus

Der heute veröffentlichten Regierungsstudie zufolge wird die Durchschnittstemperatur in der Stadt bis 2030 um 1,6 Grad und bis 2070 um 4,8 Grad Celsius steigen - von derzeit 26 auf dann 31 Grad. Im Sommer, in dem derzeit oft mehr als 35 Grad erreicht werden, könne es bis zu sieben Grad heißer werden. Sollten die Bewohner ihren Wasserverbrauch in den nächsten 20 Jahren nicht halbieren, könnte Sydney nicht mehr zu versorgen sein.

Die Zahl der Hitzetoten unter Sydneys vier Millionen Einwohnern werde von zuletzt 176 pro Jahr auf über 1300 im Jahr 2050 steigen, heißt es in dem zwölfseitigen Bericht. Ohnehin bereits gefährdete Pflanzen und Tieren im Umland könnten aussterben; in neun von zehn Jahren werde Trockenheit herrschen - bisher gibt es im Schnitt alle drei Jahre eine Dürre.

Zugleich werden der Studie zufolge die mittleren Niederschlagsmengen bis 2070 um 40 Prozent fallen und der Meeresspiegel um 20 Zentimeter steigen. Die Folgen: Gewaltige Wellen von mehr als 20 Metern Höhe werden über die Küsten des Bundesstaats New South Wales hereinbrechen, die Strände abtragen und Luxusvillen am Strand zerstören. Die Erwärmung bringe zudem mehr Stürme mit sich, die unter anderem die alljährlich auftretenden Buschfeuer kräftig anfachen und stärker als bisher in die Vorstädte treiben würden.

Küstenstadt ohne Küstenklima

"Das mag nach einem Weltuntergangsszenario klingen, aber wir müssen uns dem stellen", sagte Morris Iemma, Regierungschef von New South Wales, der die Studie beim renommierten australischen Forschungsinstitut CSIRO (Australian Commonwealth Scientific and Research Organization) in Auftrag gegeben hatte. Die Werte für Sydney liegen deutlich über den Prognosen der Vereinten Nationen für die Entwicklung der weltweiten Temperatur. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Uno wird in seinem neuen Bericht einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um bis zu 4,5 Grad bis 2100 vorhersagen. Das wahrscheinlichste Szenario des Reports, der am Freitag in Paris offiziell vorgestellt werden soll, geht von einem Anstieg um drei Grad aus.

Dabei handelt es sich jedoch nur um den globalen Durchschnitt. Die Entwicklung in einzelnen Regionen kann davon stark abweichen - so auch in Sydney, glaubt man der neuen CSIRO-Studie. Ihr zufolge werden die Bewohner der Metropole schon bei einer Erwärmung von einem Grad und einem Rückgang der Niederschläge um fünf Prozent nach heutigen Maßstäben nicht mehr in einem Küstenklima leben, sondern wie in einer Stadt 175 Kilometer im Ladesinneren.

Anfang dieser Woche hatten Wissenschaftler auch für Deutschland Berechnungen zur Entwicklung der Temperaturen vorgelegt. Demnach wird es hierzulande in den kommenden Jahrzehnten deutlich wärmer werden - allerdings nicht in so extremem Maße wie in Sydney.

Heißer Wahlkampf

Der neue Klimabericht dürfte auch den australischen Wahlkampf beeinflussen. In Australien, dem schon heute trockensten aller Kontinente, herrscht derzeit die schlimmste Dürre seit mehr als 100 Jahren. In fast allen großen Städten muss das Trinkwasser rationiert werden.

Umweltschützer haben angesichts der neuen Studie ihre Kritik an Ministerpräsident John Howard wiederholt, der das Klimaprotokoll von Kyoto bisher nicht unterzeichnet hat. Howard lehnt das weiterhin ab - mit Verweis auf die Boom-Länder China und Indien, die auch nicht an das Abkommen zur Verminderung des CO2-Ausstoßes gebunden seien.

Howard sagte, er trete für eine Energiepolitik mit sauberer Kohle und Atomkraft ein. Dies empfahl auch eine Studie der Energieversorger Australiens, die am Mittwoch vorgelegt und von Howard begrüßt wurde. "Es ist einfach nicht machbar, Kraftwerke in diesem Land mit Sonnen- und Windenergie zu betreiben."

Australiens Energieversorgern zufolge würde es das Land umgerechnet 45 Milliarden Euro kosten, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 30 Prozent zu senken - weil alternative Energien so teuer seien. Die CSIRO widerspricht dem jedoch: "Die Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes hätte keinen negativen Effekt auf den Lebensstandard in Australien", heißt es auf der Website der Organisation.

Auch das Australian Business Council of Sustainable Development, ein Verband der Industrie für erneuerbare Energien, griff die Kostenrechnung der Energieversorger an. "Windkraft ist momentan zwar teurer als Strom aus Kohle", sagte Verbandsvertreter Ric Brazzale. In den Preis für Kohlestrom seien aber nicht die Folgekosten des Treibhausgas-Ausstoßes eingerechnet. Brazzale fordert deshalb die Einführung des Emissionshandels. "Und dann lassen wir den Markt entscheiden, welche Technologie konsteneffizienter ist."

mbe/AFP/AP



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