Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Erderwärmung: Ozeane wandeln sich bis zum Grund

Ozeane im Wandel: Strand in der Nähe der Stadt Elias auf der griechischen Insel Mykonos im Mittelmeer Zur Großansicht
DPA

Ozeane im Wandel: Strand in der Nähe der Stadt Elias auf der griechischen Insel Mykonos im Mittelmeer

Eine neue Simulation prognostiziert einen durchgreifenden Wandel der Meere. Die Erderwärmung wird Meere demnach saurer und wärmer machen - weltweit. Forscher warnen vor den Folgen.

Der Klimawandel werde bis zum Jahr 2100 nahezu jede Region der Ozeane erfassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Fast überall werde infolge des anhaltenden Treibhausgas-Ausstoßes das Wasser an der Meeresoberfläche wärmer, saurer, und sauerstoffärmer, berichtet ein internationales Team im Fachblatt "PLoS Biology".

Aber auch die Tiefenregionen seien betroffen, die Produktivität der Ökosysteme werde geringer. Das Zusammenspiel der Faktoren werde die marinen Nahrungsketten verändern und letztlich auch das Leben von Millionen von Menschen beeinträchtigen, die am und vom Meer leben.

Die Wissenschaftler um Camilo Mora von der Universität Hawaii hatten unter Berücksichtigung aktueller Klimaprognosen umfassende biologische und sozioökonomische Daten analysiert. Ihre Arbeit stützten sie vor allem auf Modelle, die im Zusammenhang mit dem 5. Weltklimareport des Uno-Klimarats (IPCC) entwickelt wurden.

Sie gingen von zwei Emissions-Szenarien aus: einem "Weiter-wie-gehabt"-Modell, bei dem die Kohlendioxidwerte in der Atmosphäre auf 900 ppm (Teile pro Million) ansteigen, und einem Modell, bei dem der CO2-Ausstoß drastisch reduziert und auf 550 ppm begrenzt wird. Derzeit liegt der Wert bei 400 ppm.

Tintenfische, Wale und Robben

Die Auswertung ergab, dass sich unter beiden Annahmen nahezu die gesamte Oberfläche der Weltmeere chemisch verändern wird, wobei das Ausmaß der Veränderungen regional unterschiedlich ausfällt. So werde das Wasser in den tropischen Regionen weniger schnell saurer, in den gemäßigten Zonen sei der Temperaturanstieg geringer.

Nur in einem kleinen Teil der Meere, vor allem in den Polarregionen, würden das Wasser sauerstoffreicher und die Meere produktiver, schreiben die Forscher weiter. Zu einer Abkühlung oder einem Anstieg des pH-Wertes wird es den Prognosen zufolge nirgendwo kommen.

In einem zweiten Schritt untersuchten die Forscher um Mora, welche Lebensräume und welche Hotspots der Artenvielfalt von den Veränderungen am stärksten betroffen sein werden. Grundsätzlich seien die Folgen in der Tiefsee demnach geringer, flache Gewässer - und damit Korallenriffe und Mangroven - stärker betroffen. Auch dort, wo Krill, Tintenfische, Wale und Robben häufig vorkämen, seien große Veränderungen zu erwarten.

Die Menschen blieben von den Folgen der Veränderungen nicht verschont, schreiben die Forscher. Zwischen 470 und 870 Millionen der ärmsten Menschen der Welt seien auf die Ozeane als Nahrungslieferant oder Einnahmequelle angewiesen.

Unvollständiges Verständnis

Die Modellierungen beruhen allerdings auf dem unvollständigen Verständnis der chemischen Prozesse im Ozean und ungenauen Annahmen zur Stärke des Treibhauseffekts. Wie genau etwa Organismen auf den Klimawandel reagieren, ist Gegenstand aktueller Forschung.

Gleichwohl zeigen die Simulationen einen deutlichen Trend: "Die Auswirkungen des Klimawandels werden von der Meeresoberfläche bis zum Meeresboden zu spüren sein", sagt Andrew Sweetman vom International Research Institute of Stavanger in Bergen, Norwegen, einer der Autoren der Studie. "Das ist ein Erbe, das wir als Menschen nicht ignorieren dürfen."

Die Studie bestätigt einen kürzlich veröffentlichen Bericht des International Programm on the State of the Ocean (IPSO). Darin fordern internationale Meeresforscher Sofortmaßnahmen, um die Zerstörung der Meere zu stoppen. Auch sie warnen vor dem "tödlichen Trio" aus Erwärmung, Versauerung und Sauerstoffentzug.

"Die Gesundheit der Ozeane bewegt sich viel schneller auf einer Abwärtsspirale als wir gedacht haben", kommentiert Alex Rogers vom Somverville College in Oxford, Großbritannien, die im Journal "Marine Pollution Bulletin" veröffentlichten Ergebnisse. "Wir sehen größere Veränderungen, die schneller passieren und deren Folgen unmittelbar bevorstehen."

boj/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Dann forscht mal weiter
desireless 16.10.2013
Zitat "Die Modellierungen beruhen allerdings auf dem unvollständigen Verständnis der chemischen Prozesse im Ozean und ungenauen Annahmen zur Stärke des Treibhauseffekts. Wie genau etwa Organismen auf den Klimawandel reagieren, ist Gegenstand aktueller Forschung." Das Unverständnis bezieht sich nicht nur darauf, sondern auch auf die Klimaentwicklungen allgemein in die jüngerer Zukunft anders ausgefallen sind wie von ihnen prognostiziert. Also weiter handeln nach dem Motto "Wir wissen zwar nichts, aber lasst uns weiterforschen."
2. Unwichtig, Wachstum muss her!
raumbefeuchter 16.10.2013
Egal, hauptsache das Wirtschaftswachstum bleibt. Auch in einer Wüste können wir viel Spass mit iPads und anerem Elektroschrott haben. Merkel und Co. müsste es klar werden dass solche Klimaveränderungen auch extreme Auswirkungen für die BRD haben werden. Dabei ist die Masseneinwanderung aus Afrika, ein nur sehr kleines.
3. Grüne sollten endlich den Taschenrechner kennenlernen
hans-georg-pabst 16.10.2013
Die Erderwärmung ist real an den Gletschern abzulesen. Beim Deuten der Ursachen stellen sich immer Glaubensbrüder und Journalisten in den Vordergrund. Letztere haben ihren Beruf gewählt, weil sie Naturwissenschaften vor dem Abi abgewählt haben. Von Physik, Chemie, Biologie keine Ahnung. Ich könnte auf die Palme steigen. wenn ich vom CO2 höre wie vom Jesuskindlein, Jungfräulein Maria und Smoky. CO2 mag ein Faktor sein, meist wird es in Wasser gelöst, diffundiert sogar in die Wolken und verschwindet im Meer. Dort fördert es die Photosynthese via Algenwachstum. Über einen ganz anderen Faktor schweigt man sich aus. Unsere Wärmekraftmaschinen (Auto, Flieger,Kraftwerke) haben einen miserablen Wirkungsgrad und verpuffen 70% der verbrannten Energie direkt an die Umgebung. (Gilt auch für Gasturbinen im Kurzzeitbetrieb.) Den besten Wirkungsgrad haben Pflanzen. Sinn macht Biosprit und Sunfuel aus den Äquatorzonen. Bei uns wegen nördlicher Lage und Luftverschmutzung unergiebig. Äquator bis zu 1300 W/mq Deutschland max 400 W/mq
4. Joooo...
merkelrama 16.10.2013
"Eine neue Simulation prognostiziert einen durchgreifenden Wandel der Meere." Jetzt bleiben wir alle mal ganz ruhig....patchen die Simulation so lange, bis sie richtig funktioniert und schon ist alles wieder im Lot. Der Vorgang, der sich momentan abspielt ist aus der Vergangenheit bekannt. War also schon mal da, BEVOR der Mensch ihn hätte beeinflussen können. Respekt aber für die Hartnäckigkeit, mit der immer wieder versucht wird, Panik zu erzeugen :-) "Ihre Arbeit stützten sie vor allem auf Modelle, die im Zusammenhang mit dem 5. Weltklimareport des UN-Klimarats (IPCC) entwickelt wurden." - Und spätestens hier sollte man das ganze nicht mehr so ernst nehmen.
5. Erstaunlich
msdelphin 16.10.2013
Auch wenn die Klimamodelle die Abläufe in der Natur noch nicht komplett erfassen, so ist es doch immer wieder erstaunlich, dass so gut wie alle Klimamodelle immer zu den selben Ergebnissen kommen. Ich finde es äußerst beunruhigend, dass je mehr Einflüsse in den Modellen berücksichtigt werden, dass sich am Endresultat nicht viel ändert. Lediglich die Zeiträume in denen sie vermutlich ablaufen variieren ein wenig. Weltweit gibt es die unterschiedlichsten Klimamodelle und sehr viele verschiedene Forscher, die Annahmen und ihre Wirkungen mit ihnen überprüfen. Das gleiche gilt für Ozeansimulationen wie in diesem Artikel. Alle Modelle kommen immer wieder zu den Ergebnis: 1. Die Veränderungen werden durch den Menschen verursacht. 2. Die Veränderungen sind lebensbedrohlich, weil sich die Evolution der höher entwickelten Lebensformen nicht so schnell anpassen kann. Leider verhalten wir Menschen uns nicht so wie die Einwohner von Ninive (Stichwort Jona, Walfisch)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Zustand der Weltmeere: Ozeane im Abwärtstrend

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: