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Essay zur Klimadebatte: Die Welt beneidet uns

Ein Scheitern des Kopenhagener Gipfels wäre ein Erfolg, der Klimaschutz sollte vertagt werden: Mit seinem SPIEGEL-Essay hat der dänische Statistiker Bjørn Lomborg für Aufsehen gesorgt. Der RWE-Innogy-Vorstandschef Fritz Vahrenholt widerspricht: Nie waren die Chancen für eine globale Einigung besser.

Offshore-Windkraftanlage vor Rostock: Deutsche Führungsrolle bei grünen Technologien Zur Großansicht
dpa

Offshore-Windkraftanlage vor Rostock: Deutsche Führungsrolle bei grünen Technologien

Die wichtigste Klimakonferenz der letzten zehn Jahre kann nicht mehr scheitern. Denn noch vor Abschluss der Verhandlungen ist das Welttreffen in Kopenhagen längst ein großer Erfolg für die Menschheit: Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, wird von kaum noch einem Land ernsthaft in Zweifel gezogen. Die Ausgangslage für Klimaschutzmaßnahmen ist heute besser, als sie es vorher jemals war. Fast alle Staaten haben in unterschiedlicher Form Maßnahmen zur Emissionsminderung angekündigt - sieht man einmal von den Ölförderstaaten ab, die die größten Profiteure eines Scheiterns von Kopenhagen wären.

Zugegeben: Bei dem Tauziehen um die Lastenverteilung wird mächtig getrickst und getäuscht. So entpuppt sich die bis 2020 angekündigte 17-prozentige Emissionsminderung der USA bezogen auf 2005 als eine mickrige Zwei-Prozent-Einsparung, wenn man sie auf das von den Europäern herangezogene Basisjahr 1990 herunterrechnet. Auch China wartet mit einer nur scheinbar eindrucksvollen Zahl auf: 40 Prozent Minderung - allerdings bezogen auf das fiktive Bruttosozialprodukt im Jahre 2020. Tatsächlich kündigen die Chinesen also einen massiven Mehrausstoß an. Und die von den Russen in Aussicht gestellte Emissionsminderung um 30 Prozent verlangt ihnen überhaupt keine Anstrengungen ab, da sie schon weit mehr davon durch den Strukturwandel nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eingespart haben.

Trotz alledem fühlen sich die Staaten immerhin zunehmend aufgefordert, überhaupt Minderungsziele zu nennen. Schon das allein ist ein wichtiger Schritt nach vorn. Kopenhagen wird dazu führen, den Druck international weiter zu verstärken und eine gemeinsamere Sprache zu sprechen. Speziell die deutsche Seite geht dabei durchaus mit gutem Beispiel voran. Die Ankündigung, die CO2- Emission um 40 Prozent zu verringern, könnte Vorbildcharakter für andere Länder haben. Deutschland ist zudem einer der wenigen Staaten, die das frühere Klimaabkommen von Kyoto tatsächlich eingehalten haben - auch wenn wir natürlich erheblich von der Abwicklung der alten DDR-Industrie profitiert haben.

Deutschlands Einsparungen können das Klima kaum verbessern

Das Klima indes wird von jeglicher deutscher Einsparung kaum beeinflusst werden. Denn ob Deutschland im Jahre 2020 rund 100 Millionen Tonnen CO2 mehr oder weniger ausstößt, ist für die Erwärmung folgenlos, kommen doch allein aus China bis dahin etwa vier Milliarden Tonnen hinzu. Auch pro Kopf wird China 2020 Deutschland beim CO2-Ausstoß überholen.

Der entscheidende Beitrag, den Deutschland zur Lösung des Klimaproblems zu leisten vermag, besteht ohnehin darin, Innovationen voranzutreiben. Unser Land ist schon heute führend darin, verbrauchsarme Maschinen und Produkte zu entwickeln, Verfahren zur Abscheidung von Kohlendioxid, hocheffiziente Windkraftanlagen sowie immer bessere Speichertechniken. Abgesehen von dänischen Firmen sind deutsche Unternehmen beispielsweise derzeit die einzigen, die Anlagen für große Offshore-Windparks bauen können. Kein Amerikaner, kein Chinese, kein Engländer ist heute dazu in der Lage.

Der dänische Statistiker Bjørn Lomborg liegt falsch, wenn er glauben machen will, dass das Zeitalter der erneuerbare Energien noch in weiter Zukunft liegt. Der Wechsel zu einer neuen Energietechnologie benötigt etwa 30 Jahre. Das galt für die Kernenergie, das gilt auch für die alternativen Energieträger. Die Windenergie etwa hat nach 15 Jahren einen Reifegrad erreicht, der uns erwarten lässt, dass sie in den nächsten Jahren auch ohne Subventionen im direkten Wettbewerb mit Kohle, Gas und Atomkraft bestehen kann. Werden von den Ingenieuren neue Speichermethoden entwickelt, um die wetterbedingten Schwankungen auszugleichen, dann kann allein die Windenergie dafür sorgen, dass wir unsere nationalen Klimaschutzziele erreichen.

Höchstes Ziel ist die Minderung des Kohlendioxid-Ausstoßes

Die Biomasse ist ebenfalls nahe dran, mit den konventionellen Energieträgern konkurrieren zu können. Entscheidend ist dabei nur, wie sich der Preis für die fossilen Energieträger entwickelt: Bei Ölpreisen über 150 Dollar wird Biomasse ohne Subventionen auskommen. Ihr Potential wird nur begrenzt durch die nutzbare landwirtschaftliche Fläche. In Deutschland können Sprit, Strom und Biogas vom Acker schon bald einen Anteil von fünf bis zehn Prozent an unserer Energieproduktion haben. Die Nutzung der Sonnenenergie hingegen wird sich in den nächsten Jahrzehnten auf die solare Wärmeversorgung konzentrieren.

Die Welt beneidet uns um das, was deutsche Maschinenbauer und Elektroingenieure entwickelt haben. Doch ohne ein internationales Emissionshandelssystem bleiben all die schönen Erfindungen folgenlos. Erst der weltweite Emissionshandel würde die notwendigen Leitplanken setzen, um CO2-arme Technologien überall auf dem Planeten zum Einsatz zu bringen. Für uns ist es geradezu überlebenswichtig, CO2 mit unseren begrenzten Finanzmitteln und gleichzeitig mit dem größtmöglichen Effekt zu mindern. Nur so werden wir es schaffen, bis 2050 den Kohlendioxid-Ausstoß zu halbieren.

Kurzatmige und teure Showeffekte wie Glühlampenverbote, Photovoltaikdächer im Nebelland Deutschland oder Wasserstoffautos helfen nicht, die Erderwärmung zu bremsen. Ein alle Sektoren und Regionen umfassendes Emissionshandelssystem hingegen würde automatisch sicherstellen, dass die günstigsten Wege zur Vermeidung von CO2 beschritten würden: die Dämmung von Häusern, die Modernisierung von Gas- oder Kohlekraftwerken, der großflächige Einbau von Wärmepumpen.

Zukunftstechnologien bedürfen starker Förderung

Doch wie kommen Zukunftstechnologien wie Offshore-Windparks, Elektroautos oder gar Fusionsreaktoren auf den Markt? Der Emissionshandel allein reicht nicht aus. Zum Anschub der Zukunftstechnologien brauchen wir Förderinstrumente, wie wir sie in Deutschland mit dem Energie-Einspeisungsgesetz (EEG) erfunden haben. Der Stromkunde bezahlt solidarisch dafür, dass neue Technologien im Bereich erneuerbarer Energien eingesetzt werden. Es ist ein Erfolgsmodell, welches Deutschland zu einem der wichtigsten Windkraftmärkte weltweit gemacht hat. Mit unserer installierten Leistung sind wir in Europa Spitze. Ohne das EEG gäbe es heute keine Multimegawattmaschinen für die Offshore-Windenergie aus Deutschland.

Aber auch das EEG setzt falsche Anreize, die uns alle sehr viel Geld kosten. Für die Förderung von Photovoltaik etwa bezahlt der deutsche Stromkunde zwei Milliarden Euro im Jahr - und das 20 Jahre lang. 40 Milliarden Euro werden so für Solarzellen auf Siliziumbasis verschwendet, die niemals in Deutschland wettbewerbsfähigen Strom produzieren werden. Auf diese Weise werden für die kommenden Jahrzehnte mit finanziellem Aufwand Strukturen etabliert, die uns beim Klimaschutz nicht voranbringen. Dieses Geld könnte wesentlich besser angelegt und ein Zigfaches an CO2-Einsparung geleistet werden.

Wäre es nicht besser, dort in Photovoltaik oder solarthermische Kraftwerke zu investieren, wo die Sonne dreimal so häufig scheint und die Kosten für die Erzeugung somit nur ein Drittel betragen? Europäische Stromkunden wären sicher eher bereit, eine Anschubfinanzierung für das ambitionierte Desertec-Projekt zu leisten, das Sonnenstrom in Nordafrika erzeugen soll. Viel sinnvoller wäre es zudem, endlich Speichermöglichkeiten zu schaffen für den witterungsabhängigen Windstrom. Eine Möglichkeit bestünde darin, so schnell wie möglich eine große Flotte von Elektroautos auf die Straße zu bringen. Nachts könnten sie den Windstrom zu günstigen Preisen aufnehmen und speichern.

Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke ermöglichen Investitionen

Die Bundesregierung setzt sich hier leider kaum anspruchsvolle Ziele: Die geplanten eine Million Elektroautos bis 2020 sind zu wenig. Wir dürfen uns keinen neuen visionären Zukunftstechniken verschließen. Der Fusionsreaktor zum Beispiel scheint völlig vergessen; die Forschung daran wird von staatlicher Seite viel zu wenig unterstützt. Wer sagt uns, dass er nicht irgendwann entscheidend zur Lösung unserer Energieprobleme beitragen wird? Der Haushalt für Energieforschung ist in den neunziger Jahren mit einem Federstrich auf rund 400 Millionen Euro halbiert worden. Das kann sich eine Industrienation wie Deutschland nicht leisten. Wir brauchen eine massive Expansion der Energieforschung ohne Denkverbote.

Um all diese Aufgaben zu lösen, bedarf es großer finanzieller Anstrengungen. Viel zu viel Geld ist schon in die Photovoltaik-Entwicklung versenkt worden. Es ist höchste Zeit, diese Mittel in neue und bessere Zukunftstechnologien umzulenken.

Darüber hinaus war es klug von der Bundesregierung, die Kernenergie als Lastesel für die neuen Technologien zu entdecken. Eine Laufzeitverlängerung der von vielen so verhassten Atomkraftwerke setzt dafür Milliarden frei. Zudem sind Reaktoren wesentlich flexibler hoch und herunter zu fahren als die meisten anderen Kraftwerkstypen. Damit sind sie die ideale Ergänzung für die stark witterungsabhängigen Windkraftanlagen. Wer Kernkraftwerke abschaltet, gefährdet den Ausbau der Windenergie.

Wenn die Bedrohung durch den Klimawandel groß genug ist, wird sich noch so manches neue Bündnis ergeben, von dem wir heute nur träumen können. Es ist die Aufgabe der Politik, aus diesen Träumen Realität werden zu lassen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
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1. PR-Artikel für die alte Industrie
Batch1211 13.12.2009
Hier plädiert jemand äußerst gekonnt für den Erhalt des Status Quo (und dafür sollte der SPIEGEL sich schämen). Photovoltaik Anlagen in Deutschland sind schon heute profitabel. Die Investition amotisiert sich nach 10-15 Jahren. Danach macht der Investor Gewinn. Es ist zwar wahr, dass Photovoltaik Anlagen in der Sahara effektiver wären. Photovoltaik in Deutschland bringt jedoch einen entscheidenden Vorteil mit sich: Dezentrilisation. Während wir mit Projekten wie DESERTEC die Energie auch in Zukunft aus der Hand der großen Energieträger (RWE, EON etc.) beziehen würden, bewegt sich der Markt in Deutschland in eine ganz andere Richtung (und die ist äußerst begrüßenswert). In Zukunft könnte jeder Haushalt seine Energie selber herstellen - der Einfluss der großen Energiegiganten wird zurückgehen. Der Artikel, der hier veröffentlicht wurde, ist ein einziger (gut geschriebener) PR-Artikel. Hier werden dem Leser durch die Blume Halbwahrheiten angepriesen, um das Meinungsbild in Deutschland zu Gunsten der alten Industrie zu verwässern. Der SPIEGEL sollte sich schämen.
2. Neid - eine kurzsichtige Nabelschau
Tatonka, 13.12.2009
Zitat von sysopEin Scheitern des Kopenhagener Gipfels wäre ein Erfolg, der Klimaschutz sollte vertagt werden: Mit seinem SPIEGEL-Essay hat der dänische Statistiker Bjørn Lomborg für Aufsehen gesorgt. Der RWE-Innogy-Vorstandschef Fritz Vahrenholt widerspricht: Nie waren die Chancen für eine globale Einigung besser. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,666595,00.html
Man kann nur den Kopf schütteln über dieses oberflächliche Gerede weit weg von jedweder Realität. Ich hatte mich vor fast 3 Jahren hier (http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=890178) schon einmal mit den Aussagen (http://www.tagesschau.de/inland/meldung69612.html) dieses Herren auseinandergesetzt. Man kann angesichts des hier Gesagten nur feststellen, dass er auch in diesem Zusammenhang immer noch nichts dazugelernt hat. Wir als Deutsche stehen für einen Pro Kopf Ausstoss von ca. 10 t CO2 (20 Prozent Reduzierung gegenüber 1990), den es nach den jüngsten Ankündigungen, um weitere 2 t CO2 zu verringern gilt, wir summa summarum also auf 8 t CO2 kämen. Und das alles nach den vielen mehr oder minder ernsthaft verfolgten Maßnahmen und auch vielen sich erst noch in der Zukunft zeigenden Tricksereien in dieser Richtung. Beneiden können den Einäugigen da in dieser Hinsicht wohl nur die vielen( (Fast-)Blinden, für das Überleben der gesamten fast ausschließlich aus Kurzsichtigen bestehende Masse macht das aber keinen Unterschied. Es bestätigt mich immer wieder darin, dass man sich hier einer intermediären Nabelschau hingibt, die für ein von seinen natürlichen Lebensgrundlagen in seinen Worten und Taten völlig abgekoppelt scheinendes System typisch ist.
3. Investoren
detommy 13.12.2009
Zitat von Batch1211Hier plädiert jemand äußerst gekonnt für den Erhalt des Status Quo (und dafür sollte der SPIEGEL sich schämen). Photovoltaik Anlagen in Deutschland sind schon heute profitabel. Die Investition amotisiert sich nach 10-15 Jahren. Danach macht der Investor Gewinn. Es ist zwar wahr, dass Photovoltaik Anlagen in der Sahara effektiver wären. Photovoltaik in Deutschland bringt jedoch einen entscheidenden Vorteil mit sich: Dezentrilisation. Während wir mit Projekten wie DESERTEC die Energie auch in Zukunft aus der Hand der großen Energieträger (RWE, EON etc.) beziehen würden, bewegt sich der Markt in Deutschland in eine ganz andere Richtung (und die ist äußerst begrüßenswert). In Zukunft könnte jeder Haushalt seine Energie selber herstellen - der Einfluss der großen Energiegiganten wird zurückgehen. Der Artikel, der hier veröffentlicht wurde, ist ein einziger (gut geschriebener) PR-Artikel. Hier werden dem Leser durch die Blume Halbwahrheiten angepriesen, um das Meinungsbild in Deutschland zu Gunsten der alten Industrie zu verwässern. Der SPIEGEL sollte sich schämen.
Wie sie schon sagen, der Investor macht Gewinn. Nur trägt der deutsche Stromkunde 88% zum Umsatz dieser 'Investoren' bei.
4. Der Spiegel weiß es auch nicht besser
heinrichp 13.12.2009
Zitat von Batch1211Hier plädiert jemand äußerst gekonnt für den Erhalt des Status Quo (und dafür sollte der SPIEGEL sich schämen). Photovoltaik Anlagen in Deutschland sind schon heute profitabel. Die Investition amotisiert sich nach 10-15 Jahren. Danach macht der Investor Gewinn. Es ist zwar wahr, dass Photovoltaik Anlagen in der Sahara effektiver wären. Photovoltaik in Deutschland bringt jedoch einen entscheidenden Vorteil mit sich: Dezentrilisation. Während wir mit Projekten wie DESERTEC die Energie auch in Zukunft aus der Hand der großen Energieträger (RWE, EON etc.) beziehen würden, bewegt sich der Markt in Deutschland in eine ganz andere Richtung (und die ist äußerst begrüßenswert). In Zukunft könnte jeder Haushalt seine Energie selber herstellen - der Einfluss der großen Energiegiganten wird zurückgehen. Der Artikel, der hier veröffentlicht wurde, ist ein einziger (gut geschriebener) PR-Artikel. Hier werden dem Leser durch die Blume Halbwahrheiten angepriesen, um das Meinungsbild in Deutschland zu Gunsten der alten Industrie zu verwässern. Der SPIEGEL sollte sich schämen.
Der Spiegel weiß es auch nicht besser und ist an Aufklärung nicht interessiert, so wie die meisten Menschen. Sie folgen einem Trugbild was uns allen das Leben kosten kann: Die Erde wird sich am Ende selbst heilen!!! Das Milliarden von Menschen die Naturereignisse die dann auf uns zukommen nicht überleben werden ist uns immer noch nicht bewusst. http://www.lebedeinbestes.de/5.html
5. Profitabel???
madman2525 13.12.2009
Zitat von Batch1211Hier plädiert jemand äußerst gekonnt für den Erhalt des Status Quo (und dafür sollte der SPIEGEL sich schämen). Photovoltaik Anlagen in Deutschland sind schon heute profitabel. Die Investition amotisiert sich nach 10-15 Jahren. Danach macht der Investor Gewinn. Es ist zwar wahr, dass Photovoltaik Anlagen in der Sahara effektiver wären. Photovoltaik in Deutschland bringt jedoch einen entscheidenden Vorteil mit sich: Dezentrilisation. Während wir mit Projekten wie DESERTEC die Energie auch in Zukunft aus der Hand der großen Energieträger (RWE, EON etc.) beziehen würden, bewegt sich der Markt in Deutschland in eine ganz andere Richtung (und die ist äußerst begrüßenswert). In Zukunft könnte jeder Haushalt seine Energie selber herstellen - der Einfluss der großen Energiegiganten wird zurückgehen. Der Artikel, der hier veröffentlicht wurde, ist ein einziger (gut geschriebener) PR-Artikel. Hier werden dem Leser durch die Blume Halbwahrheiten angepriesen, um das Meinungsbild in Deutschland zu Gunsten der alten Industrie zu verwässern. Der SPIEGEL sollte sich schämen.
[QUOTE=Batch1211;4701624]Hier plädiert jemand äußerst gekonnt für den Erhalt des Status Quo (und dafür sollte der SPIEGEL sich schämen). Photovoltaik Anlagen in Deutschland sind schon heute profitabel. Die Investition amotisiert sich nach 10-15 Jahren. Danach macht der Investor Gewinn. Profitabel??? bei massiven Subventionen?....bitte noch mal zurück auf Start und rechnen lernen...*kopfschüttel* Dezentralisation etc, klar, alles richtig, aber die Aussage das sei profitbal entbehrt jeder Grundlage, bei den Einspeisevergütungen.
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Zur Person
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Der promovierte Chemiker Fritz Vahrenholt, 60, ist Vorstandschef von RWE Innogy, eines Tochterunternehmens der RWE, das Windkraft- und Biogasanlagen betreibt. Der Sozialdemokrat war von 1991 bis 1997 Hamburger Umweltsenator, danach Chef der Deutschen Shell AG und des Windrad-Produzenten REpower.

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Uno-Klimagipfel: Treffen in "Hopenhagen"

Weltklimaverhandlungen
Wichtige Punkte
Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.
Worum geht es?
Die internationale Staatengemeinschaft will sich vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen auf ein neues Weltklimaabkommen einigen. Es wird das Kyoto-Protokoll ersetzen, das 2012 ausläuft. Es schrieb vor, dass die Industrieländer die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase zwischen 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Doch die USA, bis vor kurzem der größte Kohlendioxid (CO2)-Emittent, haben das Abkommen nie ratifiziert. Und China, heute größter Luftverschmutzer, bekam überhaupt keine verbindlichen Reduktionsziele vorgeschrieben, weil es damals noch als reines Entwicklungsland eingestuft wurde.
Wer sind die wichtigsten Akteure?
Außer den USA und China sollen diesmal auch die anderen Schwellenländer wie Indien, Mexiko oder Brasilien ins Boot geholt werden. Insgesamt werden 192 Staaten nach Kopenhagen reisen. Doch auch die Entwicklungsländer sollen Verantwortung übernehmen und Wege festlegen, wie sie klimaschonendes Wirtschaftswachstum erreichen wollen. Der Westen ist dafür auch zu Finanz- und Technologietransfers bereit.
Wie ist der Stand in Europa?
Europa - vor allem Deutschland - sieht sich gerne als Vorreiter im globalen Kampf gegen die Erderwärmung. In den globalen Verhandlungen tritt das Bündnis gemeinsam auf, vertreten von der EU-Kommission und der EU-Ratspräsidentschaft, derzeit Schweden. Die 27 EU-Staaten haben im Dezember in ihrem "EU-Klimapaket" beschlossen, bis 2020 den CO2-Ausstoß um ein Fünftel gegenüber 1990 zu senken. Jetzt fordert die EU von den anderen großen Verschmutzern ähnliche Bekenntnisse.

Doch während in der EU, aber auch in Russland, der CO2-Ausstoß von 1990 bis 2005 wegen des Zusammenbruchs der Ostblock-Schwerindustrien sowieso sank, stieg er im gleichen Zeitraum in den USA, Japan und anderen großen Industrienationen. Gemessen am derzeitigen Niveau müsste die EU ihren Ausstoß nur noch um zwölf Prozent senken. Besonders Japan fordert deshalb 2005 als Basisjahr und hat ein Reduktionsziel von 15 Prozent angeboten. Die USA wollen ihre Treibhausgase im gleichen Zeitraum um 17 Prozent reduzieren. Der Weltklimarat (IPCC) fordert Minderungen um 25 bis 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990.
Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?
Es geht um Geld, Bezugsjahre und Prozente. Der Streit um das Basisjahr steht symptomatisch für das globale Ringen um die Lastenteilung. Die Entwicklungs- und Schwellenländer beharren auf der Schuld des Westens am Klimawandel und fordern ihre Rechte auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Die Industrienationen sind bereit, der Dritten Welt zu helfen, in Kopenhagen kursiert die Zahl von hundert Milliarden Dollar, die bis 2020 pro Jahr gezahlt werden sollen. Experten Umstritten ist auch der Schlüssel, mit dem die Gelder auf die einzelnen Länder umgerechnet werden sollen.

Experten streiten zudem darüber, ob Technologien wie die CO2-Abscheidung und -Lagerung oder klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern angerechnet werden können oder ob sie nicht vielmehr das Problem nur aufschieben und deshalb abzulehnen sind.
Was, wenn die Verhandlungen scheitern?
Gibt es in Kopenhagen keine Einigung, ist nicht alles verloren, aber es wird zeitlich eng: Bis 2012 muss eine neue Konvention ratifiziert sein, da dann das Kyoto-Protokoll ausläuft. Und sollte die Weltgemeinschaft nicht zusammenstehen, dürfte die Erderwärmung ungebremst weitergehen. Experten warnen, dass die Temperaturen noch in diesem Jahrhundert um mehr als sechs Grad steigen würden. Es drohen katastrophale Überschwemmungen wegen der Eisschmelze, Dürren, Stürme, Artensterben und Millionen "Klimaflüchtlinge". ssu/dpa
Multimedia-Special

Wer wie viel CO2 reduzieren will
EU
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.
Russland
Russland will sich dem EU-Ziel von 20 Prozent weniger Treibhausgasen bis 2020 anschließen. Basisjahr soll 1990 sein. In einem zweiten Schritt könnte die Einsparung sogar auf 25 Prozent erhöht werden. Russlands CO2-Ausstoß ist infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Anfang der neunziger Jahre ohnehin massiv zurückgegangen.
USA
Die USA planen bis 2020 eine Verminderung um 17 Prozent, allerdings bezogen auf das Basisjahr 2005. Verglichen mit 1990 bedeutet das nach Berechnungen der Bundesregierung nur ein Minus von rund sechs Prozent. Bis 2025 sollten sie dann um 30 Prozent und bis 2030 um 42 Prozent sinken - jeweils bezogen auf 2005. Ob der Senat - dort wird derzeit über ein Klimaschutzgesetz gestritten - diese Ziele unterstützt ist unklar.
Japan
Das Land hat zugesagt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 15 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu reduzieren. Das soll unter anderem durch den Bau neuer Kernkraftwerke geschehen. Umweltschützer kritisieren, dass sich bezogen auf das Basisjahr 1990 nur eine Reduktion um acht oder neun Prozent ergibt - und Japan bereits sechs Prozent Reduktion nach dem Kyoto-Protokoll zugesagt hat.
Brasilien
Brasilien hat größere freiwillige Emissionssenkungen in Aussicht gestellt. Der CO2-Ausstoß soll im Jahr 2020 zwischen 36,1 und 38,9 Prozent niedriger liegen als die bisher prognostizierten Werte. Damit lägen die Emissionen wieder auf dem Niveau von 1994. Gegenüber dem Niveau des Jahres 2005 würde der Schritt einen Rückgang von rund 20 Prozent bedeuten. Etwa ein Viertel der Zielvorgabe soll dadurch erreicht werden, dass erheblich weniger Regenwald abgeholzt wird.
China
Peking will bisher keine bindenden CO2-Reduktionsziele akzeptieren. Als freiwillige Maßnahme will China aber dafür sorgen, dass der Ausstoß an Treibhausgasen in Zukunft nicht mehr ganz so stark zulegt wie das Wirtschaftswachstum des Landes. Die Treibhausgase, die für jeden Yuan Wirtschaftsleistung ausgestoßen werden, sollen demnach bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent verringert werden. Vergleichsjahr ist 2005.
Indien
Auch Indien hat mehrfach klargemacht, dass sich das Land formalen Reduktionsverpflichtungen definitiv verweigern will.
Australien
Das Land arbeitet seine Reduktionsverpflichtungen derzeit noch aus. Diskutiert werden Vorschläge der Regierung, bis zum Jahr 2020 den CO2-Ausstoß um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 zu verringern. Wenn andere Staaten sich ebenfalls zu Reduktionen verpflichten, ist ein Minus von 15 Prozent für denselben Zeitraum in Aussicht gestellt.
Der lange Weg zum Klimaschutz
1988
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.
1992
Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio vereinbaren die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass "sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Nach Meinung vieler Forscher kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt. Eines der Ergebnisse des Gipfels von Rio sind die Unterschriften fast aller Staaten unter die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die zuvor in New York ausgehandelt worden war.
1994
Die Klimarahmenkonvention tritt in Kraft. Rund 190 Staaten haben sie mittlerweile ratifiziert, die USA ist auch dabei.
1997
Das Kyoto-Protokoll wird auf einem Gipfel in der japanischen Stadt verabschiedet. Es gilt als erster konkreter Schritt, um die Ziele der Klimarahmenkonvention umzusetzen. Die Industriestaaten verpflichten sich, den Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase bis 2012 im Schnitt um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Entwicklungsländer erhalten keine Auflagen. Inzwischen haben mehr als 180 Staaten Kyoto ratifiziert - nicht jedoch die USA.
2005
Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft, nachdem zuvor auch Russland den Vertrag gebilligt hat und so die Zahl der nötigen Ratifikationen erreicht ist. Das Abkommen läuft 2012 aus. Um seinen Nachfolger geht es beim Klimagipfel in Kopenhagen.
2007
Der Klimagipfel auf der indonesischen Insel Bali vereinbart einen Fahrplan für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll. Dieser Fahrplan sieht vor, die Verhandlungen innerhalb von zwei Jahren zu beenden - bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen. Gelungen ist das allerdings nicht, auch nach Kopenhagen werden die internationalen Gespräche weitergehen müssen.
2009
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen wollen sich die Staaten auf ein politisches, aber bindendes Abkommen einigen. Die Kernpunkte sind klar, wie viel von ihnen sich tatsächlich im Text finden wird, werden erst die Verhandlungen zeigen. Die Industriestaaten sollen ihren Treibhausgasausstoß reduzieren und Geld für die Anpassung von Entwicklungsländern an den Klimawandel geben. Die ärmeren Staaten sollen im Gegenzug bestimmte Zusagen geben. In dem Vertrag könnte auch der Schutz der Tropenwälder besonders hervorgehoben werden.

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