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Todkranke Ratten: EU spricht Genmais-Studie Wissenschaftlichkeit ab

Hat genmanipulierter Mais Krebs bei Ratten verursacht? Französische Forscher sorgten mit einer beunruhigenden Studie für großes Aufsehen. EU-Experten haben die Tierversuche geprüft - sie kommen zu einem vernichtenden Urteil.

Genmais: Wirbel um krebskranke Ratten Zur Großansicht
dapd

Genmais: Wirbel um krebskranke Ratten

Parma/Hamburg - Ein Forscherteam der Universität im westfranzösischen Caen hatte nach einer Studie an Ratten Alarm geschlagen: Der Verzehr von gentechnisch verändertem Mais führe zu Krebserkrankungen und einem frühen Tod, warnten die Wissenschaftler. Bereits in den vergangenen Tagen hatten Experten Kritik an der Untersuchung geäußert, zuletzt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Jetzt spricht die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) der Studie jegliche Seriosität ab. Die Efsa-Wissenschaftler sehen schwere handwerkliche Mängel und Datenlücken.

Schon das Forschungsziel der Wissenschaftler um Gilles-Eric Séralini sei nicht klar umrissen gewesen, schreiben die Experten. Auch die Zahl der Versuchstiere sei viel zu gering für eine verlässliche Aussage gewesen. Gerade einmal zehn Ratten waren in einer Testgruppe. Krebs komme bei der verwendeten Rattenart ohnehin vergleichsweise häufig vor, statistische Rückschlüsse seien unter diesen Bedingungen nicht möglich.

Zudem fehlten Daten etwa zum Futter oder zu den Schäden, die die Ratten im Laufe der zweijährigen Untersuchung entwickelten. Dass bei den Tieren, die mit Genmais gefüttert wurden, häufiger Tumore vorkamen als bei denen in der Kontrollgruppe, sei nicht aussagekräftig, bilanziert die Behörde.

EU will eigene Ergebnisse veröffentlichen

Für die Studie hatten die Forscher Ratten zwei Jahre lang mit dem Genmais NK 603 des Herstellers Monsanto gefüttert. Sie setzten die Tiere auch dem zugehörigen Pflanzenschutzmittel Glyphosat aus. Die Studie veröffentlichten die Forscher schließlich mit ominösen Methoden.

Die Efsa untersuchte für ihre erste Bewertung nur, ob die Studie wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Die Autoren der Studie können nun weitere Daten nachreichen. Eine zweite, ausführlichere Stellungnahme der Efsa soll Ende Oktober folgen. Darin wird die EU-Behörde die Ergebnisse selbst einordnen und auch die Bewertungen anderer Wissenschaftler berücksichtigen.

Die Studie hatte die Debatte um die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Europa neu befeuert. Der Mais NK 603 ist in der Europäischen Union als Rohstoff für die Lebensmittelindustrie oder als Futtermittel zugelassen, aber nicht zum Anbau. Hersteller müssen die Verwendung auf der Packung kenntlich machen. Daher ist der Mais nach Expertenangaben in der EU kaum verbreitet.

sus/dpa

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1. logo.
ratsch_bumm 04.10.2012
Zitat von sysopdapdHat genmanipulierter Mais Krebs bei Ratten verursacht? Französische Forscher sorgten mit einer beunruhigenden Studie für großes Aufsehen. EU-Experten haben die Tierversuche geprüft - sie kommen zu einem vernichtenden Urteil. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/eu-behoerde-spricht-genmais-studie-wissenschaftlichkeit-ab-a-859546.html
Man kann doch mit dem Dreck schönes Geld verdienen. Die USA als Retter der Demokratien weltweit macht es doch vor.
2. So...
Blubb1234 04.10.2012
...wann behauptet der erste, die EFSA würde bestimmt von der Gentech-Lobby und/oder Monsanto bezahlt und das wäre ja alles eine riesige Verschwörung?
3. ist doch wohl klar,
viceman 04.10.2012
Zitat von sysopdapdHat genmanipulierter Mais Krebs bei Ratten verursacht? Französische Forscher sorgten mit einer beunruhigenden Studie für großes Aufsehen. EU-Experten haben die Tierversuche geprüft - sie kommen zu einem vernichtenden Urteil. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/eu-behoerde-spricht-genmais-studie-wissenschaftlichkeit-ab-a-859546.html
4. optional
ugroeschel 04.10.2012
Es werden seit einigen Jahren Tiere mit Gen-Mais gefüttert. Wenn dieses schädlich wäre müssten höhere Todesraten der Tiere aufgefallen sein. Auch hätte man beim Schlachten der Tiere öfter Tumore entdecken müssen.
5. ist doch wohl klar,
viceman 04.10.2012
Zitat von sysopdapdHat genmanipulierter Mais Krebs bei Ratten verursacht? Französische Forscher sorgten mit einer beunruhigenden Studie für großes Aufsehen. EU-Experten haben die Tierversuche geprüft - sie kommen zu einem vernichtenden Urteil. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/eu-behoerde-spricht-genmais-studie-wissenschaftlichkeit-ab-a-859546.html
daß monsanto besser bezahlt als dieser französiche forscher. war von diesem amt, über dessen korrupte strukturen sogar schon etwas in fensehen zu sehen war, nichts anderes zu erwarten. statt mögliche gefährdungen für die europäer auszuschließen werden die profitziele us-amerikanischer großkonzerne unterstützt.
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Das Erbgut
Genom
Das Genom bezeichnet das gesamte Erbgut eines Organismus. Außer bei einigen Viren besteht es immer aus DNA (Desoxyribonukleinsäure). Das Genom beinhaltet den Bauplan für die Produktion sämtlicher Proteine (Eiweißmoleküle), die ein Organismus zum Leben benötigt. Ein Gen ist ein Sequenzabschnitt auf dem Genom und beinhaltet die Erbinformation für ein Protein. Die einzelnen Bausteine der DNA sind vier verschiedene Basen: A, C, T und G.
Messenger-RNA (mRNA)
Die mRNA ist eine Art Genabschrift oder Blaupause der DNA. Nur die mRNA kann von den Proteinfabriken der Zellen, den sogenannten Ribosomen gelesen werden. Sie gibt ihnen vor, in welcher Reihenfolge Aminosäuren - die Bausteine von Proteinen - für das jeweilige Protein zu verknüpfen sind.
Codon
Ein Codon ist eine Folge von drei Bausteinen (Nukleotiden oder Basen) der DNA und analog auch der mRNA. Ein Codon steht für eine bestimmte Aminosäure oder als Stoppsignal, welches das Ende einer Bauanweisung für ein Protein kennzeichnet.
Genetischer Code
Der genetische Code ist die Zuordnung der Basen-Dreiergruppen und der Aminosäuren. Da vier verschiedene Basen zur Auswahl stehen, umfasst der genetische Code insgesamt 64 Codons. Für die meisten Aminosäuren gibt es daher mehr als ein Codon. So stehen beispielsweise die Codons CAG und CAA für die gleiche Aminosäure, die Glutaminsäure.
Transfer-RNA (tRNA)
Die tRNAs übernehmen eine Adapterfunktion beim Bau der Proteine: Jede tRNA hat auf der einen Seite jeweils ein sogenanntes Anticodon, das passend zum Codon auf der mRNA ist. Auf der anderen Seite ist sie mit der zugehörigen Aminosäure beladen. Auf diese Weise wird der genetische Code auf der mRNA abgelesen und in die entsprechende Aminosäurekette zum Protein verwandelt. Dieser Prozess geschieht in den Ribosomen.
Hintergrund
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Evolution
Die Veränderung des Erbguts und damit des Phänotyps von Individuen von Generation zu Generation.
Population
Eine Gruppe von Organismen einer Art oder auch verschiedener Arten (Mischpopulation) an einer bestimmten Örtlichkeit.
Phänotyp
Das Erscheinungsbild eines Individuums ist die Gesamtheit der durch die Erbanlagen (Genotyp) und die Einflüsse der Umwelt sich ausprägenden Merkmale eines Lebewesens.
genetische Variabilität
Die einzelnen Individuen einer Art besitzen genetische Unterschiede.
natürliche Selektion
Das Erbgut von Individuen einer Art wird nicht mit gleicher Wahrscheinlichkeit weiter gegeben. Manche Individuen einer Population vermehren sich stärker als andere - je nachdem wie überlebenstüchtig sie in einer bestimmten Umwelt sind. Selektionsfaktoren der Umwelt üben eine natürliche Selektion aus.
sexuelle Selektion
Ein Individuum bevorzugt bei seiner Partnerwahl bestimmte Merkmale. Dadurch haben nicht alle potentiellen Sexualpartner die gleichen Chancen zur Fortpflanzung, es findet somit eine Selektion statt. Die Erbanlagen, die die Merkmale hervorbringen, die fr die Partnerwahl entscheidend waren, werden dadurch weiter gegeben.
künstliche Selektion
Vom Mensch gewünschte Eigenschaften werden durch Selektion und Zucht einzelner Individuen gezielt vermehrt.
genetische Drift
Auch Gendrift genannt. Vorgang bei der Evolution, der zu einer Veränderung im Genbestand kleiner Teilpopulationen gegenüber der Ausgangspopulation führt. Je kleiner eine Population ist, umso leichter kann der Zufall eine vom allgemeinen Durchschnitt abweichende Kombination von Genen zusammenführen. Gelangen beispielsweise nur wenige Individuen einer Art in ein isoliertes Gebiet (Insel, abgeschnittenes Gebirgstal), so können sich nun von ihrem Selektionswert unabhängige Mutationen aufgrund des Zufalls durchsetzen oder verlorengehen. Dies kann zu Formen führen, die in einzelnen Merkmalen nicht angepasst sind (beispielsweise auffällige Färbung, die sie als Beutetiere mehr gefährdet). Der Wirkungsgrad der Gendrift kann durch die mathematische Statistik erfasst werden.


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