Bienenschutz und Landwirtschaft: EU bei Pestizid-Verbot unentschlossen

Drei Pestizide waren auf dem Prüfstand, weil sie möglicherweise Bienen schaden. Die EU wollte entscheiden, ob ihr Einsatz eingeschränkt wird oder sie wie bisher auf dem Markt bleiben - doch ein klares Ergebnis kam bei der Abstimmung nicht zustande.

Gefährdeter Bestäuber (Archivbild): Andauernde Sorge um Honigbienen-Bestände Zur Großansicht
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Gefährdeter Bestäuber (Archivbild): Andauernde Sorge um Honigbienen-Bestände

Hamburg - Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam heißen die Stoffe, um die ein heftiger Streit entbrannt ist. Die Pestizide werden mit dem Bienensterben in Verbindung gebracht.

Eine Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) bescheinigte jüngst: "Efsa-Wissenschaftler haben etliche Risiken für Bienen durch (die) drei Neonicotinoid-Insektizide ermittelt." Allerdings konnte die Behörde nicht alle Analysen abschließen, da Daten fehlten. Die Hersteller der Pestizide, darunter Syngenta und Bayer, hatten die Analyse der Efsa scharf kritisiert.

Die EU-Mitgliedstaaten stimmten am Freitag darüber ab, ob die drei Pflanzenschutzmittel zunächst für zwei Jahre nur noch eingeschränkt angewendet werden dürfen. Verboten werden sollte die Anwendung bei Sonnenblumen, Raps, Mais und Baumwolle. Vorerst erlaubt bleiben soll der Gebrauch der Chemikalien für Wintergetreide und Pflanzen, die keine Bienen anziehen. Auch auf die Aussaat von Mais in diesem Sommer sollen die verschärften Bestimmungen noch keine Anwendung finden.

Zwei Monate Zeit für einen Kompromiss

Doch es kam zu keiner klaren Entscheidung. Es heißt, dass sich 13 EU-Staaten für das Verbot ausgesprochen hätten und neun dagegen. Fünf hätten sich enthalten, darunter auch Deutschland und Großbritannien. Der Vorschlag wurde also weder angenommen noch abgelehnt.

Die Kommission teilte mit, dass nun überlegt werde, was die nächsten Schritte seien. Nach EU-Regularien haben die Mitgliedstaaten zwei Monate Zeit, doch noch einen Kompromiss zu finden. Falls dies nicht passiert, könnte die Kommission den Vorschlag einfach annehmen.

Das hohe Schutzniveau für Bienen in Deutschland würde unterlaufen, sollte der Vorschlag der EU-Kommission umgesetzt werden, erklärte das Landwirtschaftsministerium in Berlin. Die EU-Kommission erhalte nach der ergebnislosen Abstimmung die Gelegenheit, ihren Vorschlag zu überarbeiten und zu einem späteren Zeitpunkt erneut vorzulegen.

Der Deutsche Imkerbund erklärte dagegen, das von der Kommission geplante Teilverbot sei "erheblich besser" als der bestehende Bienenschutz in Deutschland. Zudem habe die Bundesregierung auch nach einem Inkrafttreten des Verbots die Möglichkeit, weitere Maßnahmen für den Bienenschutz zu ergreifen. Die Imker warfen der Bundesregierung vor, sich "vor den Karren der chemischen Industrie spannen zu lassen".

In großem Maßstab eingesetzt

Anders als andere EU-Länder hat Deutschland den Einsatz der Neonicotinoide bereits eingeschränkt. Nach einem Bienensterben im Jahr 2008 ist ihr Gebrauch bei Getreide und Mais verboten und bei Raps und Zuckerrüben nur noch unter strengen Auflagen erlaubt.

Die Neonicotinoid-Insektizide werden in Europa in großem Maßstab verwendet- sie werden auch mehr als acht Millionen Hektar Anbaufläche eingesetzt.

Das massenhafte Bienensterben, das seit Jahren fortschreitet, bereitet Forschern weltweit Kopfzerbrechen. Ein einzelner Auslöser ist nicht bekannt, wahrscheinlich kommen verschiedene Faktoren zusammen, so könnten Milben ebenso zu den Ursachen zählen wie Pestizide.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Artikels stand, dass die EU-Kommission über den Vorschlag abgestimmt hätte. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

wbr/Reuters/AFP

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