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Algen statt Raps: EU-Kommission will Biosprit-Boom stoppen

Biosprit gilt längst nicht mehr als besonders ökologisch - jetzt versucht auch die EU-Kommission, den Boom der Treibstoffe zu stoppen. Negative Auswirkungen für Klima und Nahrungsmittelsicherheit sollen in Zukunft mehr beachtet werden, heißt es in einer Gesetzesreform.

Rapsfeld: Der Anbau von Ölpflanzen konkurriert mit der Lebensmittelherstellung Zur Großansicht
DPA

Rapsfeld: Der Anbau von Ölpflanzen konkurriert mit der Lebensmittelherstellung

Hamburg - Biotreibstoffe stehen seit Jahren in der Kritik. Für ihre Produktion werden Regenwälder gerodet, sie lassen die Lebensmittelpreise ansteigen, weil der Platz auf den Äckern knapp wird. Jetzt nimmt auch die EU-Kommission Abstand zu den einst hochgelobten Öko-Energiequellen: Die Brüsseler Behörde will die stark subventionierten Treibstoffe in Zukunft weniger fördern und negative Auswirkungen für Klima und Nahrungsmittelsicherheit stärker berücksichtigen.

Dafür müssen die Politiker vor allem bei den Plänen zum Klimaschutz umdenken: Kraftstoffe aus Nahrungspflanzen sollen weniger zum Erreichen der selbstgesetzten Klimaziele beitragen als bisher geplant. "Der Anteil von Biotreibstoffen aus Getreiden und anderen stärkereichen Feldfrüchten, Zucker und Ölpflanzen sollte im Jahr 2020 einen Anteil von fünf Prozent am Energieverbrauch im Verkehr nicht überschreiten", heißt es in einer Gesetzesreform, die Energiekommissar Günther Oettinger und Klimakommissarin Connie Hedegaard in Brüssel vorgestellt haben.

Algen und Abfall statt Raps und Getreide

Die EU-Staaten haben sich verpflichtet, im Jahr 2020 zehn Prozent der Energie im Verkehrssektor aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Nur noch die Hälfte davon soll von Biokraftstoffen stammen, für die Nahrungspflanzen verarbeitet werden. Außerdem schlägt die Kommission vor, Biosprit, der keine deutlichen Einsparungen an Treibhausgasen bringt, ab 2020 nicht mehr mit staatlichen Mitteln zu fördern. Stattdessen soll in Zukunft die Produktion von Kraftstoffen etwa aus Abfall oder Algen stärker unterstützt werden, die als wesentlich klimafreundlicher gilt.

Die Pläne gehen vielen Umweltschützern nicht weit genug. So gab die Behörde etwa keine genauere Bewertung der Klimafolgen verschiedener Biosprit-Sorten ab. Anders als zunächst geplant darf die Industrie weiter die Verwendung von Raps- und Sojaöl als klimaschonend geltend machen. Studien zufolge verursacht die Produktion von Biodiesel aus Ölsamen jedoch viermal so viele Treibhausgase wie die Herstellung des Ethanol-Anteils am Biosprit E10 aus Getreide oder Zucker.

Mit dieser Entscheidung kommt die EU den Herstellern von Biodiesel entgegen. Treibstofflieferanten sind dazu angehalten, bei ihren Kraftstoffen für den Verkehrsbereich bis zum Jahr 2020 sechs Prozent an Treibhausgasen einzusparen. Schlechter eingestufter Biosprit hätte dazu weniger beitragen können. In einem früheren Entwurf vom September dieses Jahres wollte die Kommission die Klimabilanz der einzelnen Biosprit-Sorten noch genau berechnen. Nach heftiger Gegenwehr der Industrie ist davon nun vorerst nicht mehr die Rede. Die Lieferanten sollen nur noch Daten liefern. Die EU-Staaten und das Europaparlament müssen den Plan billigen.

irb/dpa/Reuters

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Ach
abschminker 17.10.2012
ja ham`s es endlich gemerkt, nicht zu fassen.
2. Na also: die Macht des Bürgers ist nicht zu unterschätzen
lupenreinerdemokrat 17.10.2012
Zitat von sysopDPABiosprit gilt längst nicht mehr als besonders ökologisch - jetzt versucht auch die EU-Kommission, den Boom der Treibstoffe zu stoppen. Negative Auswirkungen für Klima und Nahrungsmittelsicherheit sollen in Zukunft mehr beachtet werden, heißt es in einer Gesetzesreform. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/eu-kommission-will-biosprit-aus-lebensmittelpflanzen-weniger-foerdern-a-861816.html
Es gibt einen einfachen Grund für den Stop des E10-Agrosprits: die Tatsache, dass diese Totgeburt von Anfang an vom deutschen Autofahrer schlicht ignoriert wurde. Bravo! Wie man sieht, gibt es doch noch gewisse Möglichkeiten, wie man als Otto-Normal-Bürger in diesem unseren Lande etwas mitbestimmen kann! Nicht bei den Wahlen - das ist nur Placebo-Demokratie. Aber beim gezielten Konsumverzicht! Da bewirkt man wirklich etwas... Beste demokratische Grüße!
3. naja
felix_bach 17.10.2012
Zitat von lupenreinerdemokratEs gibt einen einfachen Grund für den Stop des E10-Agrosprits: die Tatsache, dass diese Totgeburt von Anfang an vom deutschen Autofahrer schlicht ignoriert wurde. Bravo! Wie man sieht, gibt es doch noch gewisse Möglichkeiten, wie man als Otto-Normal-Bürger in diesem unseren Lande etwas mitbestimmen kann! Nicht bei den Wahlen - das ist nur Placebo-Demokratie. Aber beim gezielten Konsumverzicht! Da bewirkt man wirklich etwas... Beste demokratische Grüße!
Aus den im Bericht beschriebenen Gruenden wurde der E10 sprit aber nicht verweigert sondern nur weil es angeblich dem liebsten Kind (=Auto) schadet. Die Angst ums Auto war aussclaggebend nicht die direkte Demokratie,einen Oeko und Sozialwahnsinn zu stoppen
4.
lupenreinerdemokrat 17.10.2012
Zitat von felix_bachAus den im Bericht beschriebenen Gruenden wurde der E10 sprit aber nicht verweigert sondern nur weil es angeblich dem liebsten Kind (=Auto) schadet. Die Angst ums Auto war aussclaggebend nicht die direkte Demokratie,einen Oeko und Sozialwahnsinn zu stoppen
Doch, das ist nur das Schauermärchen mit dem "liebsten Kind" Auto, um die Mündigkeit des Bürgers nicht wahrhaben zu müssen. In Wirklichkeit fürchten sich unsere selbstherrlichen Meinungsmacher und Eliten vor nichts mehr, als dem aufgeklärten, mündigen Bürger, der selbst Zusammenhänge klar erkennen kann und sich nicht für dumm verkaufen lässt. Und genau das versuchte man von Anfang an bei der Einführung des E10-Fusels. Die Nicht-Akzeptanz durch den deutschen Autofahrer wurde da erst einmal darauf geschoben, man müsse ihm "die Angst um sein Auto nehmen". Weiterhin wurde vom ach so ökologisch sinnvollen "Biosprit" schwadroniert, der die "Klimaziele" besser erreichen lässt und ja so gut für die Umwelt wäre. Dass dies alles Lug und Trug war, um der Gentech-Agrarindustrie zu Profiten auf Kosten der Autofahrer zu verhelfen, hatte man als Durchschnittsbürger schon leicht durchschaut. Von den sich besser informierenden Menschen mit Internetanschluss und ökologischem Grundwissen mal ganz abgesehen...
5. Korrekt!
rokokokokotte 17.10.2012
Zitat von sysopDPABiosprit gilt längst nicht mehr als besonders ökologisch - jetzt versucht auch die EU-Kommission, den Boom der Treibstoffe zu stoppen. Negative Auswirkungen für Klima und Nahrungsmittelsicherheit sollen in Zukunft mehr beachtet werden, heißt es in einer Gesetzesreform. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/eu-kommission-will-biosprit-aus-lebensmittelpflanzen-weniger-foerdern-a-861816.html
Und nicht nur das! Ich kann KEINEN Mais mehr sehen - andersrum: vor lauter Mais kann ich mein Münsterland nicht mehr sehen. Es ist einfach pervers geworden, was hier abgeht, die Gier muss einfach gigantisch sein. Landleben? Kannst Du getrost in die Pfanne hauen...auf den Strassen kommen Dir gigantische Gespanne entgegen, vollgeladen mit Maishäcksel, 4-5m hoch. Schlepper die Dir auf den Strassen kaum noch Platz lassen um irgendwie auszuweichen, Schlamm und Dreck auf den Strassen als wenn es ein Truppenübungsplatz ist: Mais Grosskampfeinsatz. Dazu permanent der Dreck und Staub in der Luft und das Getöse der Riesenernter bis weit nach Mitternacht. Der Acker ist zur Grossfabrik verkommen. Gülle ohne Ende, wohin mit dem Scheiss? Mittlerweile ist es in einer Ruhrgebietssiedlung pittoresker als im Land der Pättkes und Schwarzbunten. Wenn dieser ganze shit wenigstens noch der Produktion von RICHTIGER Nahrung für Mensch und Tier dienen würde....irgendwas ist da doch völlig aus dem Ruder gelaufen. Unfassbar.
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