Kampf gegen Bienensterben EU will Pestizid-Verbot weiter prüfen

Als Reaktion auf das massive Bienensterben verordnete die EU 2013, dass Pestizide nur noch eingeschränkt eingesetzt werden dürfen. Experten bestätigten nun diesen Stopp. Endgültig ist dieses Ergebnis allerdings nicht.

Gebeizter Saatmais: "Gesundheitsschutz für das ganze Leben einer Pflanze"
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Gebeizter Saatmais: "Gesundheitsschutz für das ganze Leben einer Pflanze"


Im Kampf gegen das Bienensterben will die EU die Wirkung umstrittener Pestizide erneut prüfen. Bis Ende Mai sollen neue wissenschaftliche Ergebnisse zu sogenannten Neonicotinoiden gesammelt werden, teilte die EU-Kommission in Brüssel am Freitag mit.

Berücksichtigt werden soll auch der jüngste Bericht des EU-Wissenschaftsnetzwerks Easac: Die Studie, die am Mittwoch veröffentlicht wurde, kommt zum Schluss, dass die Nervengifte bestäubenden Insekten wie Honigbienen, aber auch Hummeln erheblich schaden. Es gebe starke Beweise für die negativen Auswirkungen heißt es in dem Bericht, der die Befunde der Expertengruppe aus 13 Forschern zusammenfasst.

Pestizid-Verbot behält vorerst seine Gültigkeit

Noch sei es zu früh, um zu sagen, was das Ergebnis des Begutachtungsprozesses sein könne, hieß es bei der EU-Behörde. Die seit 2013 bestehenden Einschränkungen zur Nutzung von Neonicotinoiden seien aber ohnehin nicht zeitlich beschränkt gewesen, sondern behielten ohne Frist ihre Gültigkeit.

Die EU hatte den Gebrauch von Neonicotinoiden 2013 als Reaktion auf das massenhafte Bienensterben erheblich eingeschränkt, gleichzeitig aber einen neuen wissenschaftlichen Überblick zu einem späteren Zeitpunkt versprochen. Der Bericht vom Mittwoch sei ein wesentlicher Teil davon, hieß es bei der EU-Kommission.

Landwirte dürfen Pestizide mit drei der umstrittenen Nervengifte nicht mehr großflächig nutzen, etwa gegen den Schädling Maiswurzelbohrer. Das gilt etwa beim Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle. Betroffen sind überwiegend Pflanzenschutzmittel, die von Bayer aus Leverkusen und Syngenta aus Basel produziert werden. Bayer und Syngenta hatten dagegen geklagt.

Warnung vor Bestäuber-Defizit

Die Mittel wurden zuvor genutzt, um Saatgut zu beizen. Das sei wie ein "Gesundheitsschutz für das ganze Leben einer Pflanze" gewesen, sagte ein Sprecher des Deutschen Bauernverbands in Berlin. Als Ersatz müsse heute häufiger gespritzt werden. "Wir spüren, dass etwa beim Raps vermehrt Schädlinge auftreten", sagte der Sprecher.

Der Großteil aller angebauten Pflanzen muss bestäubt werden. Die Wissenschaftler warnten davor, sich alleine auf Bienen zu verlassen. Auch andere Bestäuber wie Hummeln, Schmetterlinge oder Motten müssten geschützt werden. Deren Anzahl sei in Europa generell zurückgegangen. "Der Schutz der Biene allein reicht nicht aus, um eine nachhaltige Landwirtschaft zu sichern", heißt es in dem Easac-Bericht.

nik/dpa



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insgesamt 39 Beiträge
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ehujee 10.04.2015
1. Pestizide töten doch Insekten
Soweit ich das beurteilen kann sind Pestizide doch gut für Bienen. Sie töten Insekten, die ihnen die Nahrung weg fressen oder sie auffressen...
Shantam 10.04.2015
2. Expertise ?
Die Unabhängige Expertise von Monsanto und BASF wird dann bestimmt die richtige Richtung weißen. Es lebe der Profit.
amanda_libris 10.04.2015
3.
Wenn TTIP verabschiedet wird, haben unabhängige Gerichte nichts mehr zu prüfen. Dann werden die Konzerne ihre Gutachten Schiedsgerichten vorlegen, in denen ihre eigenen Rechtsvertreter sitzen.
berlin-steffen 10.04.2015
4. Biologie Klasse 5
Bienen sind Insekten und Pestizide töten alles Lebende. Im Allgemeinen werden mit Pestizide aber Insektizide gemeint.
elgitano 10.04.2015
5.
alles Gift, dass wir produzieren, kommt früher oder später auf den eigenen Teller
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