EU-Programm Vermüllung der Meere soll erforscht werden

Wie gelangt Mikroplastik in die Ozeane? Was kann man dagegen tun? Diese Fragen soll ein internationales Forschungsprogramm klären, an dem sich auch Deutschland beteiligt.

Plastikmüll verfängt sich in einem Korallenriff: Konsortium soll Gefahren für Meere und Menschen ermitteln
AP

Plastikmüll verfängt sich in einem Korallenriff: Konsortium soll Gefahren für Meere und Menschen ermitteln


Berlin - Das Bundesforschungsministerium hat ein europaweites Förderprogramm ins Leben gerufen, mit dem die Erforschung der Auswirkung von Mikroplastik auf die Umwelt unterstützt werden soll. Ziel des Programms sei die Ermittlung "möglicher Gefahren für die Meere und den Menschen", sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Donnerstag. Da das massive Aufkommen von Mikroplastik im Meer ein "grenzüberschreitendes Problem" sei, erfordere die Erforschung ein "international abgestimmtes Vorgehen".

Bislang ist weitgehend unbekannt, auf welchen Wegen die wenige Millimeter großen Plastikpartikel ins Meer gelangen, wo sie sich besonders anreichern und welche Gesundheitsgefahren für den Menschen bestehen.

Thema auf G7-Gipfel

Das Programm "Mikroplastik in marinen Systemen", an dem neben Deutschland neun weitere EU-Mitgliedstaaten beteiligt sind, unterstützt laut Ministerium Forschungsorganisationen mit einer Gesamtsumme von bis zu 7,5 Millionen Euro. Auf das deutsche Forschungsministerium entfallen zwei Millionen.

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Plastikabfall: Der Müll im Meer

Ministerin Wanka begrüßte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema Meeresumweltschutz auch auf die Agenda des im Juni in Bayern stattfindenden G7-Gipfels gestellt habe, bei dem Deutschland die Präsidentschaft hat.

Zersetzung dauert 400 Jahre

Als Mikroplastik werden Plastikpartikel bezeichnet, die einen Durchmesser von weniger als fünf Millimeter haben. Die Partikel entstehen bei der Zersetzung von größeren Plastikteilen, etwa durch UV-Licht, sind aber auch in Duschgel oder Zahnpasta enthalten.

Die Partikel zersetzen sich nur sehr langsam - bei einer Plastiktüte dauert es bis zu 400 Jahre. Die Partikel reichern sich in Pflanzen an und werden von Meerestieren über die Nahrung aufgenommen. Bislang konnten bereits in 173 Tiergruppen Plastikspuren nachgewiesen werden.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie wurden 2010 weltweit 275 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert. Die nachfolgende interaktive Karte zeigt den Anteil des Plastikmülls, der 2010 in die Umwelt gelangte, und die unsachgemäß entsorgte Plastikmenge je Person und Land.

Interaktive Weltkarte

nik/dpa/AFP



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
MarkusH. 26.02.2015
1.
7,5 Millionen? dann sollten ja rasch Ergebnisse folgen. wieviel leute arbeiten dann an dieser Erforschung? prinzipiell weiss man doch schon, wie das passiert?
roeseha 27.02.2015
2. Müll im Meer
Da hilft nur teure Abgabe für die Hersteller oder "im Umlauf Bringer" und harte Strafen für die Emittenten. Und natürlich Forschung auf dem Gebiet nachhaltiger Verpackungen. Das muss möglich sein.
kinngrimm 27.02.2015
3. Minilabors
Forscher haben Konzentrationen von Micro Plastik auch Minilabors genannt, da dort sich Biomasse wie auch Bakterien und Viren anlagern können und so in unendlicher Wiederholung genetische Experimente stattfinden. Das sich Dioxine an das Plastik anlagern und dann in Fischen welche wir später konsumieren anreichern ist ein kleiner Nebeneffekt im Vergleich zu epidemischen Verschmutzung und Tötung von Lebewesen wie auch die potentiell Viren/Bakterien-küche die uns neue Erreger bescheren wird.
1622AK 27.02.2015
4. Die Verursacher....
.... sind doch offensichtlich. Man muss nur einmal in die sog. Entwicklungsländer oder Schwellenländer reisen. Z.B. Indien. Da fliegt alles was nicht meht gebraucht wird in die Gosse > in den nächsten Fluss > in den Ozean. Z.B Süd-Amerika. genauso wie in Indien. Mexico: Alles was Abfall ist, fliegt irgendwo hin, nur nicht auf die Müllkippe oder Verbrennungsanlage. Mexicaner schmeissen alles einfach in die Gegend: Flaschen; alle Arten von Abfällen; Plastik; einfach alles. Hauptsache man spart die Gebühr für die Müllabfuhr. Ermittlungen in dieser Hinsicht gibt es nicht.
mariakäfer 27.02.2015
5. Erforschung der Vermüllung?
Aufräumen sollte man das.... und verhindern. Typisch. Mal wieder werden Unsummen ausgegeben für Unsinn.
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